Druckschrift 
[2] (1894) Zur indogermanischen Syntax : Fortsetzung / von Heinrich Winkler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

nicht sie die Art der Verbindung aus, sondern überhaupt nur, dass eine coniunctionale Verbindung stattfindet. Die Form entspricht diesem Wesen durchaus; es ist der Accusativ des Neutrum des Relativ im adverbialen Sinne. So wie es heisst:der Mensch, den ich gesehen habe, so sagt man: ich höre, dass(d. h. bezüglich dessen, was in welcher Weise...) du gesagt hast: αναα Eekac audio quod dixisti(spätlat.), j'entends que tu as dit. Dass die Bedeutung der des wie, inwiefern nahe liegt, mag man daraus ersehen, dass statt dieser wesenlosen Coniunction häufig direct das bestimmtere und sinnlichere wie gebraucht wird: ich hörte, wie er sagte; die gleiche Anwendung von ds ist bekannt.

Am deutlichsten ist der Sinn der angegebene(= in bezug darauf dass) dort, wo ört, quod, dass rein begründend auftreten= weil. Einignoro, quod nemo me de ea re certiorem fecit heisst deutlich: in anbetracht dessen, dass(= weil) niemand mich davon benachrichtigt hat, weiss ich es nicht. Nebenbei sei bemerkt, dass auch das andere, noch stärkere weil= quia den reinen pluralischen Accusativ desselben Relativ qui darstellt= in bezug auf welche Verhältnisse, d. i. weil. So ist ört, quod die regelrechte Vertretung des weil. Ebenso klar ist die Grundbedeutung in Aus- drücken wie sich freuen, ärgern... dass(quod), und in den allerverschiedensten Verbindungen, wo der Satz mit dass irgend die Erläuterung eines voraufgehenden Begriffes bildet, wie die Thatsache, der Umstand, unter dem Gesichtspunkte... dass(quod).

Dass ist im Deutschen auch die regelrechte Consecutivconiunction, besonders nach Aus- drücken, welche irgendwie den Begriff so enthalten; diese Anwendung liegt sehr nahe; in der Art stark, in welcher(in bezug auf welche...) er das kann ist= so stark, dass er das kann. Zugleich aber geht schon in vielen der obengenannten und in anderen Fällen dies dass mehr oder weniger in die Bedeutung damit über, oder vielmehr, der finale Sinn liegt in der Verbindung, dass deutet die Verbindung wieder nur an; Fälle wie ich wünsche, dass Du das thuest zeigen deutlich den UÜbergang zum Finalen; die Volkssprache macht von diesem dass im finalen Sinne reiche Anwendung: ich sage es Dir, dass Du es thust= inwiefern(wie, in bezug worauf...) Du es thun magst. Die Schriftsprache bedient sich des noch deutlicheren auf dass= dafür dass oder des damit= wodurch, womit; damit Du das thuest= wodurch Du das thun mögest; cf. das lateinische quo, quominus.

Abgesehen von dem soeben kurz behandelten quod sind die lateinischen Coniunctionen vielfach erheblich weniger durchsichtig als die deutschen. Die Anwendung bald des Indicativ, bald des Coniunctiv ist nicht so leicht wie im Deutschen auf klare Gesichtspunkte zurückzuführen; namentlich aber sind die Coniunctionen oft in ihrer Grundbedeutung nicht mehr zu erkennen.

Auch die eigentlich so einfachen Verbindungen mit temporalen Coniunctionen weisen hier mehrfach starke Besonderheiten auf. Trotz der im Lateinischen so stark hervortretenden Neigung, alle Zeitverhältnisse möglichst genau nach ihrer relativen Geltung untereinander zu fixiren, macht die Sprache doch einer freieren, weniger pedantisch engen Auffassung gewisse Concessionen, wenn sie auch nie nur annähernd sich zu der lebensvollen Frische emporschwingt, welche hierin das Deutsche kennzeichnet. Eine solche Unmittelbarkeit wie in einem deutschenkomme ich nach B., so besuche ich sofort Deinen Bruder ist dem klassischen Latein fremd; denn man mag nicht ver- gessen, dass das Deutsche nebenbei auch die normale Zeitenfolge sprachlich zu ihrem Rechte kommen lassen darf:wenn ich werde nach B. gekommen sein, werde ich D. B. besuchen; dass es aber auch sagen kann:sowie ich nach B. gekommen bin, besuche oderwerde ich D. B. besuchen.

Eine solche Annäherung an die deutsche Auffassung bekundet es, wenn alle Coniunctionen, welche die unmittelbare Aufeinanderfolge einmaliger Thatsachen der Vergangenheit in der Erzählung bezeichnen, also sobald als, sowie, desgleichen nachdem, die zeitlich voraufgehende Handlung nicht in der Form des Plusquamperfect, sondern des erzählenden Perfect, d. h. des Aorist zu sich nehmen. Der-Lateiner sagt also wie der Deutsche:sowie er das sah, packte er ihn, nicht nach