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[2] (1894) Zur indogermanischen Syntax : Fortsetzung / von Heinrich Winkler
Entstehung
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Adverb, Coniunction oder Präposition vorliegt, giebt oft lediglich der Zusammenhang, dabei aber in einer jeden Zweifel ausschliessenden Weise. Wird ein Substantiv seinen örtlichen, zeitlichen oder sonstigen Beziehungen nach näher bestimmt, so haben wir die Präposition; wird ohne Satzbindung das Verb näher erläutert, so ist der Sinn des betreffenden Erläuterungswörtchens adverbial; vermittelt dasselbe mehrere Satzgebilde im Sinne einer Unter- und Uberordnung, so ist es Coniunction. So ist da ein demonstratives Adverb: da geht er; soll dieses da aber die innere Bindung zweier Sätze oder Glieder eines Satzgefüges herstellen, so wird es relativ; dabei verliert es überdies seine sinnliche, örtlich-zeitliche Bedeutung und wird zur ursächlichen Coniunction: da er das gesehen hat, wird er sich vorsehen. Ursprünglich war auch hier die Bedeutung: da hat er das gesehen er wird sich jetzt schon vorsehen; obgleich sprachlich hier ein causales Verhältnis nicht vorhanden ist, ist es doch im Zusammenhange deutlich genug gegeben. Kommen dazu noch solche äussere Hilfen wie im Deutschen, wo der Nebensatz, d. h. das untergeordnete Glied, die invertirte Wortstellung mit dem Ausdruck des Subiects am Anfange, dem des Prädicats an letzter Stelle zeigt, so ist damit auch äusserlich die Form des Coniunctionalsatzes klar hergestellt. Ahnliches ist häufig, z. B.: so hat er es gemacht, aber: so er es gemacht hat, wird er es bereuen; oder: ich habe trotzdem gewartet, und: trotzdem ich gewartet habe, habe ich ihn nicht gesehen; das veraltete dieweil= die Weile, die Zeit über, inzwischen, also: dieweil ging ich spazieren= inzwischen g. ich sp., aber dieweil ich spazieren ging, konnte ich das nicht bemerken= während, d. h. da ich ja sp. ging; hier haben wir sogar die volle Form alldieweil= die ganze Zeit über, im Sinne einer reinen begründenden Coniunction gebraucht. Bis ist unverfälschte Präposition, wird aber gleichwohl zur Coniunction mit der Bedeutung bis dass, völlig entsprechend dem griechischen Bενt, welches ebenso als Coniunction verwendet werden kann. Diese Entwickelung ist in der Sprache noch in vollem Fluss, namentlich im Volkston; das geht so weit, dass unter Umständen in solchem Falle sogar das obenerwähnte Stellungsgesetz nicht beachtet wird, und dennoch oder gerade deshalb die Anwendung im coniunctionalen Sinne besonders wirkungsvoll ist, weil dann die Satzteile eigentlich unvermittelt nebeneinander stehen und in dieser schroffen Unmittelbarkeit die Aufmerksamkeit besonders erregen. Ausser z. B. hat die Schriftsprache nur als Präposition, im Volkstone heist es in sehr drastischer Weise: er wird nichts erreichen ausser er bittet ihn recht; ein deutlicheres Beispiel, um die Entwickelung der Nebensätze überhaupt, und die der Coniunctionalsätze im besonderen sich zu ver- gegenwärtigen, lässt sich kaum denken. Das ist aber keine vereinzelte Erscheinung, cf. z. B. er ist ganz klug ploss(nur) er hat nichts gelernt(schlesisch:halt blussig er hat nichts gel.) oder:ich will es versuchen halt es wird wohl nichts nützen= obgleich es wohl n. n. wird. Aber auch die mustergiltige Schriftsprache ertappen wir bei Neubildungen der Art, welche durchaus die Keime reiner Neben- und Coniunctionalsätze in sich tragen, aber weder das eine noch das andere wirklich sind; cf. die vielen Fälle wie: er wird nichts erreichen es sei denn er bäte ihn darum.

Ungemein einfach und übersichtlich sind die Verhältnisse in dieser Beziehung im Deutschen, aber recht bezeichnend für die Grundauffassung; denn es spiegelt die ebenbehandelte Bedeutung dieser relativen Adverbia weit klarer wider, als das die vielfach abgeblassten, ihrer Grundbedeutung nach unverständlich gewordenen Coniunctionen des Griechischen und Lateinischen vermõgen. Meist nocli deutlicher ist das im Französischen.

Auch deshalb sind die Verhältnisse hier so übersichtlich, weil überall völlig klar ist, warum in einem einzelnen Falle der Coniunctiv angewendet wird, während im Lateinischen und namentlich im Griechischen die Modusunterscheidung zwar erheblich feiner, aber auch complicirter ist, so dass bei der nebenbei oft recht verdunkelten Bedeutung der Coniunctionen selbst keineswegs in jedem Falle die Wahl des Modus selbstverständlich erscheint. Die Einfachheit im Deutschen wird überdies dadurch erhöht, dass neben dem Coniunctiv fast überall der Indicativ stehen kann, selbst da, wo