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[1] (1892) Zur indogermanischen Syntax / von Heinrich Winkler
Entstehung
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abgucken, ablauschen, absäbeln, abschmeicheln, abschreiten, abschwatzen, absitzen, abtanzen, abtreten, abwarten, abwehren,.... sein Geld abfahren, die Stunden abrufen, seine Tour abreiten, seine Zeit abschlafen...

erbetteln, erbuhlen, ereilen, erfahren, erfechten, erflehen, erforschen, ergrübeln, erheiraten, erhorchen, erkämpfen, erklettern, erklügeln, erlauern, erlaufen, erleben, erleuchten, erringen, erscha- chern, erschleichen, erschmeicheln, erschnappen, ersingen, ersinnen, ersehnen, ersitzen, erspähen, erstehen, ersteigen, erstreiten, ertanzen, ertrotzen, erwarten, erwuchern

ausfechten, ausfolgen,(to deliver), ausgrübeln, aushauchen, ausklatschen,(auspfeifen, aus- zischen), aushusten, auslachen, ausläuten, ausposaunen, aussinnen, aussprudeln, ausstrahlen, aus- trommeln, auswachsen

belagern, belachen, belauern, belauschen, belügen, bereisen, berennen, bereiten, bescheinen, beschlafen, beschleichen, beschnauben, beseufzen, besitzen, bespringen, bestehen, bestrahlen, betasten, betreten, bewohnen

durchbeben, durchblitzen, durchbrausen, durchdampfen, durcheilen, durchfahren, durchfliessen, durchfluten, durchforschen, durchglühen, durchirren, durchlaufen, durchleben, durchleuchten, durch- rasen, durchreiten, durchreisen, durchrennen, durchrieseln, durchschiffen, durchschwärmen, durch- schwimmen

einflüstern, einlullen, einatmen, einklagen, einhauchen

entringen, entzaubern hintergehen niederbrüllen, niederdonnern, niederreiten, nieder- rennen, niedertrinken, niedertanzen

überblicken, überdauern, überfahren, überfallen, überfluten, übergehen, überlaufen, überragen, überreiten, überspringen, übersteigen, übertönen, übertreten

umflattern, umfliessen, umfluten, umgehen, umhüpfen, umlagern, umleuchten, umreiten, um- schiffen, umschleichen, umtanzen, umwandern

verbummeln, verfehlen, verhexen, verleben, verlachen, verspotten, vertreten

zerblättern, zertreten zuflüstern, zuraunen, zuschreien vorlallen, vorheulen, vorweinen, vorwinseln jemanden krank, müde, tot, schwach... singen, heulen, schreien, trinken, laufen, hinaus-

complimentieren. Es müssen diese wenigen Andeutungen genügen, obgleich sie kaum eine Ahnung geben von der Fülle, Manigfaltigkeit und reichen Wandelungsfähigkeit der Bedeutung, sowie der lebendigen Kraft der Auffassung, die sich hier in seltenem Masse kund thut. Die Umgangs- und Volkssprache erfindet immer neue, drastische Wendungen von packender Unmittelbarkeit. Eine grosse Anzahl solcher Ausdrücke kommt überhaupt nur in der Zusammensetzung vor, das Simplex wäre auch ein intransitives Verb, ist aber ungebräuchlich. Auch auf die ebenfalls zahlreichen und äusserst wandelungsfähigen sowie packenden Verbindungen transitiver Verba mit Präpositionen und ähnlichen Hilfselementen kann nicht eingegangen werden.

Die lebensvolle Kraft der Sprache aber zeigt sich auch in der kühnen Neubildung transitiver, nicht zusammengesetzter Verba von sinnlicher Lebendigkeit oder in der eigenartigen Anwendung altbekannter im Volkstone; hier können auch reine Intransitiva sich mit dem Objectcasus verbinden. Wenige Beispiele mögen eine Ahnung davon geben; ein Lied lispeln, gröhlen, grunzen, gurgeln, heulen, jodeln; jemanden karbatschen, pflastern, pfeffern, zwiebeln, holzen, schmieren, gerben, wamsen; etwas nassauern, schinden, spitzbuben, klemmen, stibitzen, mausen, blechen.

Die Verbindung rein intransitiver einfacher Verba mit einem Objectaccusativ nach Art des vorher erläuterten αꝓτινOν△☛‿ααᷣ X& dety, Sxνια rãνvety... ist im Deutschen so gewöhnlich, uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir uns der lebendigen Kraft dieser überaus verschiedenartigen Wendungen sowie der Thatsache gar nicht bewusst werden, dass hier der Accusativ mit der ihm eigenen Urkraft auch scheinbar ganz Unvereinbares vereint.