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[1] (1892) Zur indogermanischen Syntax / von Heinrich Winkler
Entstehung
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regelmässige Erscheinung; cf. bihlahan= verlachen, bilaigon= belecken, bilaikan= bespotten (laikan= hüpfen, springen), birinnan= berennen, umdrängen, birodjan= murren über, bisitan =(besitzen) herumwohnen, biskeinan= umleuchten, bihvairban= umdrängen...

Von den seltenen Fällen, wo intransitive Verba mit dem Accusativ verbunden werden, sei genannt bauan ald= vitam vivere, während bauan allein wohnen, leben heisst; von horinon = Ehebruch treiben heisst es auch taujith tho horinon= thut mit ihr(tho= Accus. sie) Ehebruch treiben. Ebenso heisst ufarassjan sowohl vermehren als genügend vorhanden sein. gatrauan= confidere, mit Object= credere alicui aliquid.

Häufiger werden an sich intransitive Verba unpersönlich gebraucht und dann mit einem Accusativ verbunden; sildaleikja= ich wundere mich, daneben sildaleikida ina= es wunderte ihn; huggrja= ich hungere, thana ni huggreip= den hungert nicht; thaursja= ich dürste, thaurseip mik= mich dürstet. Die intransitive persönliche Form drückt den leidenden Zustand aus, die unpersönliche, dass die Handlung oder der Zustand jemanden trifft; die Erscheinung ist allgemein germanisch. Es geht diese Neigung so weit, dass selbst eigentlich nichtverbale Ausdrücke in gleicher Fassung einen Objectaccusativ vertragen; z. B. mik ist kara= mich(ist) trifft Sorge, ich kümmere mich. Hier also ist ein deutlicher Ansatz vorhanden, reine Zustandsformen mit Object zu verbinden. Die gleiche Neigung zeigt sich bei dem häufigen Nebeneinander einer intransitiven und einer transitiven beziehungsweise reflexiven Form, was ebenfalls dem Deutschen geläufig ist. galaugnjan= verborgen sein, g. sik= sich verbergen, gaqiman= kommen, g. sik= sich versammeln, gatharban und g. sik= sich enthalten, gavandjan und g. sik= sich wenden(im Deutschen ebenso wenden auch intransitiv), haftjan und h. sik= sich anhängen, idreigon und i. sik= bereuen, skaidan und sk. sik= sich trennen(scheiden transitiv und intransitiv). Auch hier wird wenigstens teilweise das zunächst intransitive Wort unzweifelhaft entweder in derselben oder in doch nahe verwandter Bedeutung auch transitiv gebraucht, freilich nur in der beschränkten reflexiven Anwendung. gahamon= indui verbindet sich meist mit einem instrumentalen Dativ zum Ausdruck dessen, womit man sich bekleidet, dieselbe Construction kann es beibehalten und sik nehmen.

Eine Anzahl Verba schwankt, wie wir beim Dativ sahen, zwischen dem eigentlichen Object- casus und dem Dativ in der Weise, dass dem ersteren bei einer Anzahl Verba, die sonst den Dativ- objectcasus vorziehen, hin und wieder sein Recht wird; im allgemeinen bedeutet der erwähnte Dativ- gebrauch eine entschiedene Schmälerung des Accusativgebietes. So finden wir beide Gasus im Objectsinn bei ganauhan= genügen, usqistjan= vernichten u. ä.

Wenn ogan sis= sich fürchten, wörtlich für seine Person(sis= Dativ) fürchten sich mit dem Accusativ, z. B. thans= diese verbindet, so haben wir da etwas dem griechischen medialen oßetodat= sich fürchten mit dem Accusativ Entsprechendes.

Die im Deutschen so gewöhnliche Erscheinung, dass die Bedeutung des Verbs durch die Wahl der verschiedenartigen Objecte nicht unwesentlich beeinflusst wird, zeigt sich im Gotischen ebenfalls, wenn auch ungleich schwächer als im Deutschen. Es bewährt sich darin die oft hervor- gehobene Ansicht, dass in weitem Umfange die wirkliche Bedeutung keineswegs gegeben ist mit der blossen Verbindung von einem Verb mit irgend einem Object, sondern dass dieselbe dabei gleich- wohl völlig unklar bleiben kann, und dass das Wesen des Objects für die Bestimmung des Sinnes entscheidend ist. vairpan= werfen erfordert als Object den Ausdruck des geworfenen Gegen- standes; desgleichen ist afvairpan= wegwerfen, verwerfen. Mit dem Ausdruck einer Person im Accusativ und dem dativischen oder instrumentalen stainam= mit Steinen bedeuten beide jemanden mit Steinen werfen, steinigen.

Die im Deutschen so ungemein reich vertretene Eigentümlichkeit, intransitive Ausdrücke einer Gefühlsäusserung in der Verbindung mit einem Hilfselement auf ein persönliches Object zu beziehen,