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den der Richtung hervortreten; bei einigen ist geradezu die Idee der Ruhe massgebend, aber natür- lich hängt das ebenfalls in keiner Weise mit der Wahl des Accusativ zusammen; so namentlich antare= zwischen, unter, inter, pasca= nach(pasca yat= postquam), pasné= hinter, z. B. àpem= hinter dem Wasser, para= vor, z. B. para asmem para âpem= vor dem Himmel, vor
dem Wasser= bevor H. u. W. war, upa= bei, ungefähr um; wohl auch pairi= um herum, hindurch, adhairi= unter, tarô, tarasca= trans, parõ= vor, apé= nach, haca= wegen, aiwitö= um.
Bei einer Anzahl tritt, wie gesagt, je nach der Verbindung, bald Ruhe, bald Richtung mit voller Schärfe hervor. aipi=ä= in, z. B. in finsterer Nacht, auf, z. B. auf der ganzen Erde, hin- durch, z. B. die Nacht hindurch, an im Sinne der rein örtlichen Richtung, z. B. eine Thür an den Vara machen. ana=ä= an, auf, z. B. auf dem Lager, hindurch, z. B. durch die Rennbahn hin. upairi= über im Sinne der Ruhe wie der Richtung. paiti= an, bei, auf, zu, gegen, gegenüber.
Gegenüber den erwähnten Thatsachen muss es auffallen, dass in völliger innerer Uberein- stimmung das Griechische, Lateinische, Germanische bei einer Reihe von Präpositionen den Accusativ anwenden, wo es sich um die Richtung, den Dativ oder Dativ-Locativ, beziehungsweise den Ablativ- Locativ, wo es sich um die Ruhe handelt. Die Erklärung ist im Vorhergehenden schon mehrfach angedeutet. Bewegung ist Handlung, sie findet ihr natürliches, einfaches Ziel im Objectcasus, gleich- viel ob mit oder ohne stützendes Adverb oder Präposition; soll dagegen der Begriff der Ruhe aus- gedrückt werden, was bei Verben der Handlung wie des Zustandes möglich ist, so tritt ein neues Moment, das rein örtliche, hinzu, und dieses muss seinen naturgemässen Ausdruck durch den Casus
des Ortes finden, welcher wieder in den genannten Zweigen meist der Stütze verdeutlichender Vor- wörter bedarf.
Der lateinische und griechische Accusativ können hier ziemlich kurz berührt werden; um so mehr, als das eigentliche Wesen des Casus hier selbst unter Zugrundelegung nur des Materials der landläufigen Lehrbücher klar genug hervortritt.
Das Lateinische liebt wie das Germanische die Bildung transitiver Verba durch Hinzutritt einer Präposition zu dem intransitiven. Gleichwohl haben auch viele eigentlich intransitive die Fähigkeit, sich ohne weiteres mit einem Object zu verbinden, namentlich solche mit der Bedeutung einer lebhaften Empfindung, wie dolere, flere, gemere... Noch weit sinnlicher ist die Auffassung, wenn in der poetischen Sprache selbst Ausdrücke wie ardere, calere= brennen vor Liebe zu jemandem, einen Objectaccusativ regieren, oder gar deperire= vor Liebe zu jemandem(mulierem) vergehen. Ubrigens hat die Prosa, welche im allgemeinen im Lateinischen eine gewisse Scheu hegt vor freien, kühnen Wendungen, gleichwohl ihren reichen Anteil an solchem oft archaisirenden Gebrauch. Nicht minder lebendig ist ein olere, sapere mit dem Accusativ, oder manere= erwarten, ludere, ridere = verspotten. Vollends an die ungemessene Freiheit und Kraft des heutigen Hochdeutsch in dieser Beziehung mahnen Verbindungen wie immunda dicta crepare, etwa= ungewaschenes Zeug schnat- tern, schnauzen, pingue quiddam sonare, anhelare scelus, was ganz unseren Verbindungen wie Wut, Mord schnauben entspricht, saltare Turnum, wie im Deutschen den König Lear spielen. Sogar über das im Deutschen Gewöhnliche hinaus geht die Freiheit bei dem auch in der Prosa durchaus unauffälligen leges migrare= die Gesetze übertreten, oder in mare ambulare, terram navigare.
Ganz abgesehen von dem regelmässigen Gebrauch des Accusativ der Städtenamen in der Bedeutung einer Richtung, Bewegung bezeichnet die dichterische Sprache anstandslos das Ziel ört- licher Bewegung durch den Accusativ, so in dem bekannten speluncam Dido dux et Trojanus eandem deveniunt, die Prosa hauptsächlich in formelhaften Wendungen wie ius iurandum adigere, infitias ire, venum ire, venum dare, pessum dare, domum, rus, foras.


