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kann kaum von einer Richtung im übertragenen Sinne die Rede sein; dagegen erinnert die Anwen- dung im Sinne des Interesses lebhaft an das Germanische, z. B. der häufige Gebrauch des sogen. ethischen Dativ bei Homer, und der Dativ zum Ausdruck der Person, welcher am Körper oder Geist etwas geschieht, ebenfalls bei Homer; das spätere Griechisch und das Lateinische fassen im letzten Falle das Verhältnis meist rein possessiv, so dass die Idee der inneren Beteiligung nicht zur Geltung kommt; es heisst also dort lieber es geschieht etwas an jemandes Körper oder Geist, statt jeman- dem am K.... Doch selbst in Verbindung mit Präpositionen erscheint bei Homer sehr häufig noch der unverkennbare Dativ der Beteiligung; οσοε ˙ν JAπ λμάμναχεσιφν ενι⁶G DwO uMPakd 55X&, heisst unzweifelhaft: den... Füssen band er unter die schönen Sandalen, und so in hundert anderen Fällen.
Neben diesem Wirkungskreise des echten Casus des Interesses vertritt also der griechische Dativ den Locativ und den Instrumental; ersteren in ganz anderer Weise als im Germanischen, schon darum, weil die Formen beider Casus früh derart zusammenfielen, dass eine klare Scheidung un- möglich ist. Freilich liegt auch vielfach reiner Locativ vor, wo die Form gleich der des Dativ ist; ein a εέωι valoyv hatf mit dem Dativ schlechterdings nichts zu thun, etwa so wenig wie lateinisches domi mit dem Genetiv oder Tiburi mit dem Ablativ. Die Vermischung beider Casus ist uralt, denn die älteste Form des Dativ plur. der consonantischen Declination st ist rein locativisch und völlig verschieden von der altindogermanischen Dativform. Dieser Locativ-Dativ vertritt wie im Germanischen auch den Temporalis auf die Frage wann, im übrigen aber ist auch im Griechischen die Dativnatur noch so lebendig, dass die regelmässige Bezeichnung örtlicher Ruhe der Stütze einer Präposition bedarf, nicht mit der blossen Dativform sich begnügt.
Als Instrumental ist der Dativ Vertreter des Comitativ wie des reinen Instrumental in dessen verschiedenen Ausserungen als Casus des Mittels, der Beziehung, der adverbialen Bestimmung. Obwohl der nicht besonders häufige eigentliche Comitativ in Verbindungen wie mit Btrvuος˙μα.. in auffallender Klarheit auftritt und vom Dativwesen nichts mehr zu verraten scheint, lässt sich doch gerade die Entwickelung des comitativen Sinnes aus dem reinen Dativ deutlich verfolgen, namentlich bei Homer in Verbindung mit Präpositionen.
Der slavische und der lettische Dativ— beide gehören nämlich im wesentlichen zusammen— kann hier nicht eigentlich behandelt werden, wenige Andeutungen mõgen eine Ahnung von seinem Wesen geben. Die Ahnlichkeit mit dem Dativ des Arischen ist in hohem Grade auffallend. Wie dort ist die Verbindung des Dativ mit Präpositionen eigentlich ausgeschlossen, die wenigen hierher zu rechnenden Fälle sind im Grunde genommen anders zu erklären. Wie im Arischen sind die Dativ- infinitive des Zwecks in einer erstaunlichen Weise entwickelt, oft bis ins Einzelnste mit denen des Avesta übereinstimmend. Selbst diejenige Richtung des Arischen, welche sich am meisten von dem Wesen eines Casus des Interesses entfernt und der localen Natur des Casus am weitesten Rechnung trägt, findet hier nicht nur ihr Analogon, sondern sogar ihre consequente Weiterführung; der Dativ ist in weitem Umfange im Slavischen der Casus des örtlichen Ziels. Im übrigen darf man auch im Slavischen im Dativ den Casus des Interesses in auffallend reiner Gestalt wiedererkennen, namentlich da er nicht in den Wirkungskreis des Locativ, Instrumental und Ablativ hinübergreift.
Vom celtischen Dativ muss Verfasser absehen, da ihm darüber kein Urteil zusteht, dagegen mögen noch einige Bemerkungen über diesen Casus in einigen Tochteridiomen und im Armenischen folgen.
Das Armenische erinnert auch an den eranischen Zweig, schon darin, dass wie im Altpersischen Genetiv und Dativ zusammenfallen; auch sonst entspricht der eigentliche Dativ im wesentlichen dem eranischen, namentlich auch dort, wo er bedeutet, dass eine Handlung für jemanden unternommen wird, oder dass etwas zu einem Zwecke geschieht, oder dass eine Handlung mit etwas vollzogen wird, cf. den oben erwähnten Dativ auctoris bei passiven Participien im Eranischen. Ebenso reiner


