43—
dem Accusativ verbinden, hier den Dativ regieren; es ist das wohl die charakteristischeste Anwendung dieses Casus, welche am deutlichsten die starke innere Afficirtheit des betroffenen Objects hervor- treten lässt. Es handelt sich hauptsächlich um Verba des Tötens, Vernichtens, Schädigens und ähnliche Ausdrücke von Thätigkeiten, durch welche der leidende Teil, das Object, in besonders starke Mitieidenschaft gezogen wird. Diese Erscheinung zeigt aufs deutlichste, dass überhaupt von einer wirklichen Grenze zwischen dem Accusativ und dem Dativ als Casus des Objects keine Rede sein kann; sowie die blosse Thätigkeit hervorgehoben wird, tritt der Accusativ ein, sowie auf die innere Beteiligung des Objects Nachdruck gelegt wird, der Dativ. Khnliche Schwankungen sehen wir auf allen verwandten Sprachgebieten, in der Weise ausgeprägt wie im Germanischen nirgends nur annähernd. Das Gotische, Altnordische, Angelsächsische haben diese Richtung bis zu weitgehenden Consequenzen entwickelt und zwar in unverkennbarer innerer Übereinstimmung, das eigentlich Deutsche beteiligt sich daran weit weniger, als man erwarten sollte.
Hiermit darf nicht verwechselt werden eine andere eigenartige Anwendung des Dativ, welche ebenfalls die erstgenannten drei germanischen Zweige, wiederum im Gegensatz zum Deutschen, kenn- zeichnet. Bei den Ausdrücken des Werfens, Schüttens, Giessens, Säens u. àä. setzen dieselben in grosser UÜbereinstimmung das Object meistens in den Dativ. Die richtige Erklärung dafür ist früh gefunden worden in auffallend ähnlichen Erscheinungen des arischen, namentlich aber des slavischen Kreises, wo das in noch ganz anderem Umfange sich geltend macht; nur ist es im Arischen wie im Slavischen nicht der Dativ, sondern der Instrumental, und dieser Casus liegt ursprünglich auch im Germanischen vor, wie längst vermutet und behauptet worden ist. Ganz abgesehen davon, dass das Angelsächsische hier noch den eigentlichen Instrumental kennt, wird Verfasser die Richtigkeit dieser Ansicht durch innere Gründe bezüglich des Gotischen beweisen; zugleich aber wird er darthun, dass doch nicht unbedingt dieselbe Auffassung obwaltet wie im Arischen und Slavischen, sondern dass auch die vorhererwähnte Auffassung mitspielt, wonach bei lebhafter Afficirtheit des Objects der Accusativ dem Dativ Platz macht; die Gebiete beider Richtungen berühren sich eben vielfach un-
mittelbar, ein gotisches vairp thus in marein= wirf dich ins Meer geht sicher in erster Linie auf den eigentlichen Accusativ-Dativ zurück, in anderen Fällen liegt bei demselben vairpan ebenso unzweifelhaft der Instrumental vor, z. B. in vairpith fraiva ana airtha= er wirft(= säet)
den Samen auf die Erde; man denke nur an das deutsche mit etwas werfen, der Sinn im letzten Beispiele ist ungefähr: mit dem Samen herumwerfen, doch ist diese Auffassung in vielen Fällen bei anderen Verben weit klarer und natürlicher vermittelt als bei dem hier des Gegensatzes wegen beibehaltenen vairpan. Es kann somit ein Verbum wie vairpan mit dem Accusativ, dem Dativ oder Instrumental verbunden werden, je nachdem die blosse Thätigkeit, die Einwirkung auf das Object, oder das Object in seiner Eigenschaft als das Mittel, wodurch die Thaätigkeit sich äussert, stärker hervorgehoben wird.
Der griechische Dativ erinnert einigermassen an den germanischen, namentlich in seiner ältesten Anwendung bei Homer, und unterscheidet sich davon doch wieder wesentlich; ebenso klingt er aus inneren und formellen Gründen vielfach an den später kurz zu berührenden romanischen Dativ an. Seine Eigenart ist ihm schon dadurch gewährleistet, dass er auch der Form nach direct mit dem Locativ verschmolzen ist oder besser denselben in sich aufgenommen hat; derart, dass eine wirkliche Scheidung des dativischen und des locativischen Teils der Form nach unausführbar ist, und auch innerlich die Grenze zwischen beiden durchaus schwankend erscheint. Doch lässt sich auch hier nachweisen, wie der energischere Dativ allmählich in den Wirkungskreis des Locativ eintritt. Ein Gleiches gilt vom Instrumental und Comitativ; auch hier kann man vielfach noch den Casus der Beteiligung verfolgen, wo eine spätere Entwickelung nur noch comitativen oder instrumentalen Sinn sieht.
Zunächst ist in diesem Mischcasus der Wirkungskreis des Casus der Beteiligung unverfälscht vertreten, reiner als in vielen verwandten Sprachen. Abgesehen von Verben wie eöxsO9αt u. ä.


