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diesem meinem Vogel Fleisch von der Grösse eines Fingers geben sollte.... Hübschm. p. 274, woraus diese Beispiele entnommen sind, nimmt eine recht weitgehende directe Vertretung des per- sönlichen Dativ durch den Genetiv an und spricht vollständig des Verfassers Ansicht aus, wenn er im Altpersischen in dem häufigen Auramazda khshatram mana frabara= O. gab mir die Königsherrschaft das mana als Genetiv fasst. Verfasser sieht darin genau ein solches gab die Königsherrschaft meiner d. h. als die meinige, so dass sie mein war, wie es vorher hiess: sie nannten sich meiner d. h. die Meinigen.
Der vorerwähnte temporale Genetiv ist auch dem Avesta geläufig, doch sind vielleicht nicht alle hierher gehörenden Fälle aus den verschiedenen Sprachen wesentlich gleich; gegenüber der An- wendung im Griechischen und Germanischen fällt es auf, dass im Avesta dabei das Substantiv meist (oder immer?) ein adjectivisches Attribut hat. Hübschm. p. 279 erwähnt: in der dritten Nacht — an jenem Tage— in jener Nacht— an jedem Tage— in jeder Nacht— während im Germa- nischen und Griechischen entschieden von dem attributlosen tags, nachts... auszugehen ist. Letz- teres spricht für die Sieckesche Auffassung im Adjectivsinn, wenn auch die Adjectivnatur nicht allzu wörtlich zu nehmen ist, und wohl auch hier noch andere Momente mitwirken dürften; viel weniger passt das zu dem Genetiv mit Attribut im Avesta. Den Weg zur Erklärung hier deutet vielleicht der auch im Avesta wie im Germanischen und Griechischen vorkommende Gebrauch des temporalen Genetiv mit einem multiplicativen Adverb an: dreimal des Tages— chls riſs utgac— Aàthritim hamahé ayan= dreimal jedes Tages. Diese Fälle sind neben die Partitivanwendung in ο i e, ubi terrarum zu stellen, und so kann denn auch der gewöhnliche temporale Genetiv des Avesta mit Attribut sehr wohl partitiv oder besser locativ-partitiv sein; dann würde eine prägnante Auffassung einen leicht zu ergänzenden Mittelbegriff, etwa zu einer Zeit, in einem Teile, gerade so wie beim instrumental-partitiven Gebrauch des Genetiv, überspringen und wieder nur den partitiven Genetiv selbst setzen. Unterstützt wird diese Vermutung dadurch, dass im Avesta sich ein ebenfalls vom Germanischen und Griechischen abweichender völlig entsprechender localer Genetiv findet: anhao zemö= auf dieser Erde; hier scheint dem Verfasser der locativ-partitive Charakter noch klarer wie vorher hervorzutreten:(irgendwo, an einem Orte....) auf dieser Erde; die Anwendung spricht deutlich dafũr, z. B. auf dieser Erde(irgendwo) Hunde eingraben, auf dieser Erde(irgendwo) niederlegen. Hübschm. p. 279 ist sich wohl über die Bedeutung nicht klar geworden, wenn er ihn unbestimmt als absolut fasst.
Einige wenige Beispiele einer Art absoluten Genetivs im Avesta, oder, wie Hübschm. p. 279 richtig bemerkt, von Ansätzen dazu sind sehr beachtenswert, da sie zum mindesten ungefähr andeuten, wie ein absoluter Genetiv sich bilden konnte. kahmäi azem ughrem khshathrem amainimnahé mananhõ paiti dathäni= wem(ich) grosse Herrschaft nicht(daran) denkenden Sinnes soll ich geben?= wem von nicht d. d. Sinne... soll ich geben= ohne dass er daran denkt. Hier ist der eigentümliche und auch eigentümlich gestellte Genetiv amainimnahé mananhô von kah- mäi abhängig, gewinnt aber schon durch seine Stellung selbständigen Wert.
Schliesslich verbindet sich der Genetiv im Avesta mit einer Anzahl von Verben recht ver- schiedener Art, ohne dass man in den meisten Fällen rein partitive oder ablativische Grundauffassung annehmen dürfte, wie das fast überall im Germanischen möglich ist. Fälle wie geniessen, teil- haben, wohl auch hören u. à. mögen hier unerwähnt bleiben, da der partitive Sinn klar vorliegt. Anders ist es mit den Begriffen denken an, sich erinnern, wissen, erwähnen— trachten, streben, festhalten an— herrschen... Beachtenswert ist dabei, dass die ganze Richtung uralt ist; denn bei der ersten Klasse herrscht in vielen indogermanischen Zweigen eine seltene Ubereinstimmung, bei den folgenden wenigstens in mehreren. Völlig unmöglich ist die Erklärung, dass bei sich erinnern... die Nominalnatur eingedenk sein durchgeschlagen habe, also im Anschluss an das Adjectiv auch das Verb sich mit dem Genetiv verbinde; denn die verbale Construction ist nachweislich viel älter als die adjectivische. Verfasser meint, dass trotz aller dagegen sprechenden Momente doch die partitive


