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perlenden Weins. In anderen Fällen freilich ist die Partitivbedeutung schwerer herauszufinden, aber immer noch wohl möglich, z. b. in: yatha masyão vana kasyanham vanam aiwiverenvaiti= wie(ein) grosser Baum kleiner Bäume(sc. viele, eine Menge...) überdeckt. cf. p. 275.
Noch sonderbarer sieht es aus, wenn nicht das Object, sondern das, was Subject sein sollte, partitiv gefasst ist, also im Genetiv steht; deshalb, weil wir im Indogermanischen zwar sehr viele Verba mit anderen Objectcasus verbunden finden als dem Accusativ, dagegen unbedingt in der Rolle des Subjects nur den Nominativ erwarten, und uns nicht immer vergegenwärtigen, dass des hommes viennent und tausend ähnliche Redensarten durchaus keinen Nominativ an der Subjectstelle auf- weisen. Auch die Anwendung im einzelnen entspricht im Avesta der eben erwähnten französischen, es handelt sich überall um mehrere, der Zahl nach unbestimmte Subjecte; z. B. goldfarbige Pflanzen sprossen aus der Erde hervor— damit gottgeschaffene Sterne ihn beleuchten— wenn Gewaltthätige dir in den Weg kommen.
Die gleiche Vorliebe für den Partitiv führt denn im Avesta zum schon erwähnten instru- mentalen Partitiv, und hier sprechen einzelne Beispiele eine so deutliche Sprache, dass ein Irrtum ausgeschlossen erscheint. Genau in derselben Weise, wie es vorher hiess: von Bäumen(sc. welche) umhauen— von goldfarbigen Pflanzen sprossen(welche) hervor, so wird hier der partitive Genetiv unter Wegfall des erwarteten Instrumental mit Verben verbunden, welche sonst den Instrumental regieren; z. B. achtzehn fromme Männer sättige er geusch và qaretahe=(mit) von Fleisch oder Speise; gewissermassen= Fleisches sättigen, was zwar ungebräuchlich, aber nicht unver- ständlich ist. cf. mit Urvasna räuchern— mit Erde behandeln— mit Wasser waschen— mit Wasser besprengen. Jeder Zweifel an der Richtigkeit dieser beachtenswerten Deutung von Hübschmann p. 276— 277 muss schwinden gegenüber der Thatsache, dass an einer Stelle in völlig gleichem Sinn, demselben Satz und derselben Verbindung, unmittelbar hinter einander, zuerst der reine Instrumental, dann der partitive Genetiv(— Instrumental) vorkommt: einmal sollen sie es waschen mit dem Urin(Instrumental) einer Kuh, einmal mit Erde(hakeret zemö= Gen.).
Auch die prädicative Verbindung des Genetiv mit dem Verbum sein, welche im Germanischen eine eigenartige Ausgestaltung aufwies, z. B. in des Todes sein, findet im Avesta reiche Anwendung, aber, wie scheint, nur im gewöhnlichen Sinne wirklicher Angehörigkeit; namentlich hat Verfasser im Altpersischen diesen Genetiv besonders häufig wie ein possessives Adjectiv gefunden, und nicht nur bei sein, sondern auch bei Ausdrücken des Geltens oder Genanntwerdens; z. B. sie nannten sich meiner= die Meinigen; ein Gebrauch, der erheblich über das sonst Ubliche hinausgeht und die energisch wirkende Kraft des Genetiv erkennen lässt. In diesem Bereiche des Prädicativen begegnet sich der Genetiv mit dem Dativ, ähnlich wie im Lateinischen, wo patris est domus neben patri est domus mit einer nicht unwesentlichen Sinnschattierung steht, welch letztere im Avesta nicht, jedenfalls nicht überall, hervortritt; denn wir finden wieder im selben Sinn und dem gleichen Satze, dicht nebeneinander, Genetiv und Dativ: asti shé haém yatha athauruneé, asti shéê haém yatha rathaéschtärahé= es ist ihm der Charakter wie einem Priester, es ist ihm d. Ch. wie eines Kriegers. cf. p. 273. Manchmal sehen wir jedenfalls den Genetiv da, wo wir entschieden einen Dativ erwarten. Dieses UÜbergewicht der possessiven Auffassung gegenüber der der Beteiligung, des Interesses, macht sich aber nicht nur in dem Kreise des Prädicativen, sondern auch im Bereich des Thätigen, also bei Verben der Handlung, geltend, wo wir bestimmt das Moment der persönlichen Afficirtheit durch den Dativ zum Ausdruck gebracht sehen wollen; eine eigenartige Richtung des Avesta, wonach gerade bei den Hauptbegriffen, die sonst persönlichen Dativ neben sächlichem Accu- sativ zu haben pflegen, vielfach statt des persönlichen Dativ der Genetiv vorkommt, so dass das Ver- hältnis des Interesses, der Beteiligung, proleptisch schon als possessives erscheint; so heisst es: wer einer Frau(Genetiv) Speisen bringt— dem Ahura(Gen.) Kräfte gab— den Frauen Milch zuführt— 3 Katas sollen sie für den Toten machen— den Wassern die Pfade zeigen— wer


