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auch darin, dass unbedingt das Adjectiv durch sein Wesen in das Verhältnis das Belebte, Persönliche hineinträgt; todesmutig, grabesdunkel, kriegswütig, mannstoll, hoffnungsfreudig, lebenslustig, lebens- überdrüssig, siegesfroh, freiheitsdurstig, lebensklug und hundert ähnliche Ausdrücke sind von einer ungewöhnlichen Prägnanz und unmittelbaren Wirkung.
Wenn ein Zweifel bezüglich des Werdens und Wesens dieser Verbindungen obwalten könnte, so müsste er schwinden gegenüber den zahlreichen, z. t. ungleich roheren und innerlich weniger har- monisch gefügten, aber darum auch ungleich klarer gebliebenen ähnlichen Verbindungen des Avesta, zu denen jetzt des Zusammenhanges wegen übergegangen werden mag— einzelne germanische Er- scheinungen werden bei Gelegenheit berührt.
Im Avesta also wird direct aus der verbalen Verbindung auf dem Pferde sitzen ein parti- cipiales Pferdes sitzend; hierher die zahlreichen Fälle, wie von Hunden benagt, von Menschen beschlafen, von Eisen umgeben, mit Kambyses gleichen Vaters und gleicher Mutter, hilfreich gegen die Trockenheit..„ wobei der gesperrte Ausdruck im Avesta genetivisch ist. Dass diese Verbindungen wirklich durch die Nominalnatur des regierenden Teiles hervorgerufen und unverfälschte objective Genetive sind, erhellt aus den vielfachen ganz entsprechenden reinen objectiven Genetiven, wobei das Regierende wirkliches Substantiv ist, während in den angeführten und anderen Fällen das halbsubstantivische Particip vorwog; ja, oft ist kaum zu sagen, wo Substantiv oder mehr adjectivisches Particip vorliegt, und umgekehrt bewahrt häufig das Verbalsubstantiv so sehr seine verbale Natur, dass es statt mit dem objectiven Genetiv sich mit dem Accusativ verbindet; man denke nur an die allbekannten lateinischen Ausdrücke urbem captio..., welche im Avesta ihren Widerhall finden.
Ebendort kommen auch rein adjectivische, nicht participiale Verbindungen mit dem Genetiv vor, welche durchaus dem grabesdunkel, todesmutig entsprechen, aber sie treten zurück.
Auch der partitive Genetiv spielt im Avesta eine grosse Rolle, und da die betreffenden Er- scheinungen wieder in viele dunkle Partieen Licht bringen, so namentlich in das Wesen des erwähnten partitiven Instrumental, sollen die Hauptpunkte kurz berührt werden. Die gewöhnliche Anwendung des partitiven Genetiv entspricht der der verwandten Sprachen, so bei Superlativen und Zahlbegriffen aller Art, Pronomina, selbst bei Ortsadverbien, völlig entsprechend lateinischem nus quam terrarum.
Anders dagegen, wo ein solches Regens des Partitiv nicht vorhanden ist. Dieser Partitiv entspricht keineswegs den landläufigen Vorstellungen und der gewöhnlichen Anwendung des Partitiv. Der partitive Genetiv in seinem selbständigen Werte, d. h. ohne ein regierendes Nomen oder Pronomen, welches aber durch eine unbewusste und sehr einfache Combination unwillkürlich gedanklich mitwirkt, war im germanischen Zweige unverhältnismässig schwächer entwickelt, als im arischen. Vorhanden ist er unzweifelhaft, ein gotisches ni vas im barne= nicht war ihnen der Kinder= sie hatten keine Kinder, ist ein vollgiltiger Beweis. Nachdrücklich sei darum hier auf den gleichen, aber weit ausgedehnteren Gebrauch im Avesta aufmerksam gemacht, welcher vieles erklärt, was sonst zweifelhaft pleiben müsste. Hier haben wir vielfach direct dieselben Erscheinungen wie beim französischen Partitiv. Sehr häufig nämlich finden wir dort, wo wir unbedingt einen Accusativ erwarten, den reinen Genetiv ohne irgend ein sonstiges, die Construction beeinflussendes Wort, so dass anscheinend ein sonst unzweifelhaft transitives Verb hier das Object scheinbar im Genetiv zu sich nimmt; nach des Ver- fassers Ansicht liegt hier deutlich der Partitiv vor; das meint wohl anch Hübschmann eigentlich, obwohl er diese Fälle vom Partitiv getrennt aufführt(cf. Zur Casuslehre, p. 274— 276). Ganz klar ist der partitive Sinn z. B. in folgenden Beispielen: er haut Bäume um— er empfängt Männersamen— wer einem solchen Homa giebt— er bringt Holz herbei— Geschöpfe des Ahriman erschlagen— Heilmittel geben— noch nicht Getragenes sollen sie bringen— reines Brennholz auf- flammen lassen.
Selbst im Deutschen, dem sonst diese Richtung recht ungeläufig ist, sind völlig entsprechende Wendungen mit dem Partitiv mõöglich und durchaus verständlich, so in: Es schenkte der Böhme des


