5—
Partitiv noch Instrumental vorhanden, sondern eine eigentümliche Prägnanz des Ausdrucks fasst die eigentlich einfach instrumentale Verbindung vom Brote= durch Brot leben in derselben Weise partitiv, wie vorher der einfache Begriff Brot partitiv du pain wurde; es ist also in des Brodes leven das des Brodes thatsächlich der Partitiv des Instrumental= durch vom Brote,(cf. avec du pain), wobei der Instrumental aber nur durch seine latent wirkende Kraft, keineswegs aber formell sich geltend macht. Der arische Zweig beweist die Möglichkeit solcher Auffassung, auf Grund des Germanischen allein würde man sie kaum als Thatsache betrachten dürfen.
Verfasser sieht auch in der Verbindung von Adjectiven der Fülle mit dem Genetiv, worin die meisten indogermanischen Zweige übereinstimmen, eine Art instrumentalen Partitivs, Hübschm., Zur Casusl., p. 276 thut dasselbe; nur meint Verfasser, dass hier auch wesentlich mitwirkt die Nominal- natur von voll, Mο—e perena(Avesta)... welche die naturgemässe Ergänzung des nur zu oft ergänzungsbedürftigen Begriffs voll im Genetiv erheischt.
Aus dem Germanischen mit seiner überreichen, aber oft sehr verwischten Genetiventwickelung seien, ehe zu dem sehr charakteristischen und weit klarer gefassten Genetiv im arischen Zweige über- gegangen wird, noch einige bemerkenswerte Punkte herausgehoben. Einzelnes wird wieder erst durch die Erscheinungen des Avesta ins richtige Licht gerückt werden. Die übrigen Zweige werden bei Besprechung des Genetiv nur beiläufig erwähnt, da sie kaum wesentlich neue Gesichtspunkte hervor- treten lassen.
Eine grosse Menge Adjectiva verbindet sich mit dem Genetiv, aber sie fallen keineswegs in dieselbe Kategorie. Bei den Begriffen des Freiseins wie los, ledig... ist genau so wie bei den Verben entledigen, berauben... der ablativische Genetiv anzunehmen. Wie in den verwandten Sprachen sind viele Adjectiva ihrem Wesen nach ergänzungsbedürftig und nehmen den Ausdruck der Ergänzung als vollkräftige Nomina z. t. in grosser Übereinstimmung im Genetiv zu sich, z. B. kundig, teilhaftig, wert, gewiss...; doch hat das Germanische diese Richtung besonders stark entwickelt, und wir finden eine ganze Reihe von Adjectiven mit dem Genetiv, die sonst meist eine andere Con- struction vorziehen; es muss dabei berücksichtigt werden, dass gerade beim Genetiv die verschieden- artigsten Momente bestimmend mitwirken, wie das schon im Anfange wiederholt betont wurde; so die Nominalnatur des regierenden Bestandteils, dessen nicht voll abgeschlossene Bedeutung, der Partitiv- sinn, die Idee der Angehõrigkeit oder Trennung... So ist bei den Adjectiven des Masses der Genetiv nicht ungewöhnlich, namentlich im Altnordischen, doch auch sonst, in Verbindungen, wie zweier Jahre alt, dreier Ellen lang. Eine besondere Neigung für den Genetiv zeigen auch in vielen verwandten Sprachen die Participien, was bei ihrer Nominal- oder gar Substantivnatur in Verbindung mit der latenten Objectkraft des Verbs keineswegs auffallen kann; diese ergänzende Objectbeziehung kann sich bei einem reinen Nomen nur unter der Form des adnominalen Casus äussern; auch diese Richtung ist im Germanischen vertreten, doch tritt sie durchaus zurück gegen die freiere und kühnere, wo in ungemessenem Umfange anstelle des starreren Particips das energischere, weniger gebundene Adjectiv tritt. Man kann fast sagen, dass ziemlich jedes Adjectiv, welches überhaupt eine Ergänzung seines Wesens durch einen nominalen Ausdruck zulässt oder fähig ist, sich mit einem anderen Nomen begrifflich irgendwie zu verbinden, auch der Verbindung mit dem Genetiv fähig ist. Diese energische Zusammenfassung zweier Begriffe, welche oft nur durch kühne Combination— namentlich in der Poesie— das einigende Band finden, hat meist auch äusserlich ihre Bethätigung in der Ver- bindung zu einem Worte, dessen erster Bestandteil gleichwohl Genetivflexion zeigt. Die Zahl der Bei- spiele ist Legion; in dichterischer Sprache weisen verschiedene verwandte Kreise Ahnliches auf wie das Germanische, so charakteristisch, dass die Richtigkeit der eben gegebenen Deutung nicht zweifelhaft sein kann; in der ungebundenen Rede steht das Germanische mit der ungemeinen Ausdehnung dieses Gebrauchs wohl allein. Die Kraft des Ausdrucks liegt dabei nicht allein in der ungewöhnlichen Ver- bindung von Begriffen, denen oft nur kühne Abstraction ein inneres Band verleihen kann, sondern


