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[1] (1892) Zur indogermanischen Syntax / von Heinrich Winkler
Entstehung
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gegen mich, so haben wir hier Nominativsinn; dagegen hat dasselbe was G. d. M. anlangt in Verbindung mit ihn tötete ich der Wirkung nach den Wert eines Accusativ. Auch die hier und da auftretenden absoluten Nominative weisen auf ähnliche Bedeutung hin und sind nichts weniger als Vertreter des reinen Subjectsverhältnisses.

Ganz anders steht es mit dem Genetiv; der Casus ist bekanntlich aus dem reinen possessiven Adjectiv hervorgegangen und ist somit der Casus der Angehörigkeit in der Verbindung zweier Nomina, aber im weitest denkbaren Umfange; der sogen. objective Genetiv lässt oft das possessive Verhältnis noch deutlich genug erkennen, weiterhin aber deutet er nur noch an, dass eine irgendwie geartete Beziehung zwischen den beiden Nomina besteht. Doch damit ist seine Entwickelungsfähigkeit keines- wegs erschöpft. In seinem innersten Wesen begründet ist die Hindeutung auf eine gewisse Gegen- sätzlichkeit, der Begriff der Angehõrigkeit lässt zu gleicher Zeit die Idee des Hervorgehens, der Trennung durchblicken, selbst schon in der Verbindung zweier reinen Nomina, der Sohn des Königs wird zum Sohn von dem Könige. Hiermit tritt der Casus über in das Gebiet der Casus der Trennung, des Ablativ, dieses schwächsten aller Casus, der ihm bald das Feld räumen muss. Schon in den Veden und im älteren Avesta ist der Ablativ ein ziemlich toter Casus, im jüngeren Avesta, in den Gathas, den späteren alteranischen Dialecten wird er mühsam noch fortgeschleppt in der formelhaften Verbindung mit Präpositionen der Trennung, ohne selbständigen Wert; im Slavischen, Germanischen, Griechischen tritt der Genetiv, welcher ihm schon im arischen Zweige seinen Wirkungs- kreis bedenklich beschnitt, rückhaltlos an seine Stelle. Damit aber hat der Genetiv die ihm an- scheinend gezogenen Grenzen völlig durchbrochen, er, der Casus der nominalen Verbindung, verbindet sich in weitestem Umfange mit den Verben der Trennung. Doch auch dabei bleibt er nicht stehen. Eine der gewöhnlichsten rein nominalen Verbindungen ist die als partitiver Genetiv; ursprünglich ist es der unverfälschte Genetiv der Angehörigkeit; zunächst ebenfalls nur denkbar in der Verbindung von Nomina oder Pronomina, gewinnt er allmählich selbständigen Wert im partitiven Sinne, und geht auch seinerseits die weitestgehenden Verbindungen mit Verben ein, und so treffen sich die beiden Richtungen, die des eigentlichen Genetiv der Trennung und des partitiven, und durchdringen sich gegenseitig derart, dass z. B. im Germanischen eine klare Scheidung durchaus nicht überall möglich ist.

Dieser partitive Genetiv lässt deutlich durchblicken, wie der Casus der nominalen Zugehörigkeit sich allmählich von dem regierenden Nomen loslösen und als feste Form für sich allein bestehen konnte; du pain, des hommes sind klare, selbständige Begriffe; immerhin aber ist der eigentliche Charakter nominaler Verbindung noch erkennbar; anders da, wo der Genetiv direct zum selbständigen Adverbialcasus geworden, wieder eine Richtung, die mit seinem eigentlichen Wesen unvereinbar scheint. Auch hier laufen dle Fäden der verschiedenen Anwendungen des Casus zusammen. Das possessive Adjectiv wurde zum Genetiv nur durch die Beziehung auf ein regierendes Nomen; nun kann aber diese Beziehung auch anderweit, durch die Verbindung selbst, den Verbalinhalt, soweit vertretungsweise angedeutet werden, dass sich das eigentlich regierende Nomen erübrigt; ein des Todes sein bedeutet klar ein dem Tode Verfallener, ein Opfer des Todes sein; in anderer Verbalverbindung, z. B. mit verwunden wird daraus direct zum Tode, tödlich verwunden, und wir haben die volle adverbiale Bedeutung. Sowie man sagte: ᷣαο ααεο ˙ε, heisst es auch vroe de= er kam als einer der Nacht= nachts. In anderen Fällen wiegt die mehr partitive Auffassung vor, ohne dass auch hier jedesmal eine klare Scheidung möglich wäre; in des Brodes leven(niederd.) ist der partitive Sinn noch völlig klar, anderwärts tritt mehr die adverbiale Bedeutung in den Vordergrund. Zugleich führt das letzte Beispiel deutlich über zur Anwendung des Genetiv im wirklich instrumentalen Sinne, welcher ebenfalls, sei es als erkennbarer Instrumental, sei es als instrumentales Adverb, reich vertreten ist, und zwar nicht nur im arischen Zweige, sondern auch im Germanischen; aber in des Brodes leven ist ausserdem ursprünglich weder reiner