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Als Jakob Camp ſtarb, war der nächſte Verwandte und Erbe der hieſige Kammerrath Georg Borries. Deſſen Frau war eine Tochter des Pfarrers an der niederländiſchen Gemeinde dahier, Iſaak Teſchemacher, und dieſer war ein Sohn von einer Schweſter der Mutter unſeres Camp. Ein Enkel des genannten Georg Borries, und wieder der letzte des Mannsſtammes, iſt Herr Karl Borries, dem ich dieſe Mittheilungen verdanke.
Camp's Wohnhaus war das ſüdöſtliche Eckhaus am Neuſtädter Markt, jetzt Nr. 1, nur durch ein Haus von dem Camp'ſchen Schulhaus getrennt, gegenüber der Einhorn⸗Apotheke.
Den Todestag feſtzuſtellen gelang Herrn Pfarrer Neuber, deſſen Mittheilung wörtlich lautet:„Jakob Campen, vormalig hochfürſtlich heſſiſcher Kaſſen⸗Steuerrath, iſt am 22. Februar 1771 zu Hanau, in der Neuſtadt, im Alter von 76 Jahren geſtorben und am 25. Februar 1771 beerdigt ausweislich des Todten⸗ buches der evangeliſchen Marienkirche dahier.“ Damit iſt zugleich die reformirte Confeſſion feſtgeſtellt, denn die Marienkirche iſt die reformirte. Höchſt auffallend iſt, daß ſogar im Kirchenbuch der Name falſch geſchrieben ſteht; die einzig richtige Namensform iſt Camp, wie Herr Borries ausdrücklich beſtätigt.
Ein altes Portrait, in Ol gemalt, beſitzt das Waiſenhaus, vovon ich erſt nach dem Druck des vorigen Programms etwas erfuhr. In der Ecke oben links ſtehen die Worte IAC0B CAMPAETATIS 71] ANO 1766 Auch hier zeigt ſich das merkwürdige Streben den einſylbigen Namen zu einem zweiſylbigen zu machen; denn dem Wort CAMP war noch ein E angefügt, das wieder beſeitigt, aber noch etwas ſichtbar geblieben iſt. Herr Borries beſitzt ein Miniaturbild, das den Vater unſeres Camp darſtellt als einen ſtattlichen Mann mit ſchwarzem Haar und Bart und ausdrucksvollen einnehmenden Zügen. Ein Portrait des Steuerraths(Olgemälde) hat derſelbe dem Gpmnaſium geſchenkt in der Erwartung, daß es ſo am beſten der Zukunft erhalten bleibe. Wir werden es in Ehren halten und ſagen wärmſten Dank. Jakob Camp war nach den beiden Portraits ſtattlich und robuſt; er erſcheint ohne Bart, hat blaue Augen, eine hohe Stirn, offene mehr ins Breite gehende Züge; alles iſt derb und kräftig, aber proportionirt.
Berichtigungen und Nachträge.
Im vorigen Programm S. 3 Z. S iſt zu ſchreiben Nr. 264; S. 4 Z. 4 v. u. 1674 ſtatt 1670. Übrigens erfüllte ſich meine Hoffnung etwas über die Hanauer Münzmeiſter herauszubringen leider nicht in der erwarteten Weiſe. Das Einzige, was ich durch gütige Unterſtützung des Herrn Rentmeiſters Baur dahier zu ermitteln vermochte, war der Name des erſten Münzmeiſters in Hanau. Im Verzeichniß der in der ſog. Finanzkammer verwahrten Acten iſt nämlich eine Urkunde(die aber mit vielen anderen längſt verkauft iſt, wahrſcheinlich als altes Papier) aufgeführt:„Die Beſtellung des Peter Arnburger zu Frankfurt zum Münzmeiſter betreffend 1603.“ Die Jahrszahl ſtimmt zu der Angabe einer Chronik:„1603 hat Graf Philipp zum erſtemahl Heller münzen laſſen.“
Nr. 3 am Ende l. Salluſt Catil. Nr. 25: in der Linken einen Thyrſos; Nr. 39 Blume. Rr. 85 ein ſogenannter Guldenthaler. Nr. 104 iſt ein Liard(3 deniers, Viertelſou), das Monogramm drei C. Nr. 107 genauer: 1740 Königin v. Ungarn ꝛc., 1745 Kaiſerin nur als Gemahlin von Franz I. Nr. 118


