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2 (1870)
Entstehung
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erhielt die Sammlung im J. 1868 vom Herrn Director einen heſſiſchen Dreier v. J. 1755, einen engliſchen Halfpenny v. Georg III und ein belgiſches Zweicentimenſtück von Leopold I, vom Tertianer Rumpf einen belgiſchen halben Sou von Maria Thereſia, vom Tertianer Limpert ein ſchwediſches Or von Chriſtine, im J. 1869 vom Secundaner Küch eine chineſiſche Meſſingmünze. 4

Weiteres über Camp.

Durch die Freundlichkeit des Herrn Karl Borries dahier, der zum Glück noch alte Familiennachrichten beſitzt, bin ich in den Stand geſetzt die zu Anfang mitgetheilten dürftigen Notizen über unſeren Camp in erfreulicher Weiſe zu vervollſtändigen und zu berichtigen. Sein Vater Johannes Camp gb. am 6. Jan. 1661 ſt. am 22. Oct. 1731 in Cöln. Deſſen Vater, ebenfalls Joh. Camp, war mit Conſtantia, einer gebornen Heldevier, verheirathet, was darum Beachtung verdient, weil der Name Heldevier auf Hanau hinweiſt. Nicolaus Heldevier nämlich ſſt. 1613) verfaßte die ſog. Capitulation, den 1597 geſchloſſenen Vertrag des Grafen Philipp Ludwig mit den vertriebenen Niederländern, und machte ſich um den Bau der Neuſtädter Kirche verdient. Joh. Camp der Zweite vermählte ſich am 29. Oct. 1687 in Cöln mit Marie Sophie Hack(T. von Philipp Hack und Marie, einer geb. Meinertzhagen), die am 15. Nov. 1663 geboren war und am 4. Febr. 1695 in Cöln ſtarb, dann nochmals 1700 mit Johanna de Roos, die 90 Jahre alt 1745 in Amſterdam ſtarb. Die zweite Ehe war kinderlos, aus der erſten dagegen ſtammte unſer Camp nebſt drei älteren Geſchwiſtern, die ſämmtlich keine Kinder hatten. Dieſe drei Geſchwiſter waren 1.) Conſtantia Maria gb. in Cöln 689 ſt. in Kaſſel 1742 unverheirathet; 2.) Philipp David gb. in Cöln 1691 ſt. in London 1739 unverheirathet; 3.) Maria Gertrude gb. in Cöln 1693, vermählt 1734 mit Berend Biskamp in Münden(Todesjahr unbekannt).

Jakob Camp wurde gb. in Cöln am 29. Dec. 1694. Daß er Steuerrath in Hanau war, iſt ſchon im vorigen Programm erwähnt; wann er dahin kam, iſt nicht mehr feſtzuſtellen. Sein für damalige Zeit ſehr bedeutendes Vermögen fiel ihm durch verſchiedene Erbſchaften zu und zwar erſt in reiferen Jahren. Er beerbte, wie nicht wohl zu bezweifeln, ſeine Geſchwiſter, aber auch weitere Verwandte; ſo gehörte er nach noch vorhandenen Erbvertheilungs⸗Inſtrumenten zu den Erben ſeines Oheims Wilhelm Hack, der 1758 in Cöln ſtarb, und zu denen eines Vetters ſeiner Mutter, des 1754 verſtorbenen Bürgermeiſters Iſaak Übingh zu Utrecht. Sein Reichthum und ſeine angeſehene Stellung hatten zur Folge, daß ihn im ſieben⸗ jährigen Kriege die Franzoſen nebſt anderen Geiſeln aus Hanau nach Landau brachten, wo er längere Zeit bleiben mußte. Erſt im 60. Jahre, am 19. Nov. 1754, verheirathete er ſich mit Sophie Charlotte Mückewitz) und that damit einen Schritt, den er ſicherlich oft bereute, denn die Ehe war keine von den glücklichen, wie ſein Teſtament bezeugt. Sie ſollte gleichſam enterbt werden, erhielt aber doch das Dreifache des ihr ausgeſetzten Betrags. Nach Camps Tode heirathete ſie einen Hauptmann Dröge von dem damals in Hanau liegenden hannöverſchen Regiment; dieſe zweite Ehe war kinderlos wie die erſte.

*) Ihr Vater war ein Forſtbeamter im Iſenburgiſchen oder in einem anderen kleinen Staate, was Herr Vorries unbeſtimmt ließ. Die Hochzeit war nach ſeinen Aufzeichnungen in Ottenburg, was gewiß ein Schreibfehler iſt. Alles wird klar, wenn wir Ortenberg annehmen, das ganz in der Nähe bei Büdingen liegt.