Druckschrift 
1 (1869)
Entstehung
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bedeutend; dieſes glaubte man mit gewiſſenhaftem Mistrauen nicht ſorgfältig genug hüten zu köonnen; das unbewohnte ziemlich abgelegene Gymnaſialgebäude ſchien dafür nicht der geeignete Ort zu ſein. Die Münzen befanden ſich anfangs blos in offenen Schubladen aus Camp's Secretär, wie es ſcheint; ſo frei konnten ſie nicht hingeſtellt werden, und auch, als die eiſerne Kiſte größere Sicherheit bot, hielt man dafür, daß das wohlverwahrte, durch Militair bewachte Regierungsgebäude im Schloßhof der beſte Platz dafür wäre. Dazu kam, daß Niemand da war, der die Numismatik ſtudirte, daß keiner recht wußte, was die Sammlung enthielt, und Keiner beſonderes Verlangen trug, ſie zu ſehen. Sei dem, wie ihm wolle, dankbar müſſen wir anerkennen, daß die große Behutſamkeit uns die Sammlung durch alle Wechſelfälle der Zeiten glücklich bewahrt hat.

Außer der Münzſammlung vermachte Camp der hohen Landesſchule auch eine Anzahl Bücher, die unſere Bibliothek noch jetzt beſitzt. Die hieſige lutheriſche Johanniskirche verdankt ihm eine beſondere Stiftung, die Stadt Hanau die ſogenannte Camp'ſche Schule, eine Armenſchule für Mädchen, in dem von ihm geſchenkten Hauſe, das noch jetzt die Aufſchrift trägt:C ampe'ſches Schulhaus, und vor allem das Waiſenhaus. Er ſchenkte zur Gründung einer Waiſenanſtalt ein Haus in der Altſtadt(etzt Hartmann u. Comp.). Eine intereſſante Steintafel, die ſich früher daran befand, iſt jetzt am Hinterbau des neuen Waiſenhauſes. Sie lautet:Dieſes Hauß iſt von dem Wohlgebohrnen Herrn HERRN JACOB CAMP Hoch Fürſt Heſſen⸗Caſſeliſchen Steuer⸗Rath denen Waißen den 23n Aug. 1759 zu einer Wohnung geſchencket worden. Der Name Camp iſt daher in Hanau noch wohlbekannt, aber eigent⸗ lich auch nur der Name, und dieſer nicht einmal in der richtigen Form, wie die Benennung Campe'ſches Schulhaus zeigt. Es iſt zu bedauern, daß ſo wenig geſchehen iſt, um von dem verdienten, jedenfalls ſehr ehrenwerthen und biederen Manne etwas mehr dem Gedächtniß zu erhalten als den bloßen Namen. Ob irgend ein Portrait von ihm exiſtirt, weiß ich nicht; ebenſowenig, wie alt er wurde, woher er ſtammte, wo er wohnte, und wo ſein Grab iſt. Es iſt zu vermuthen, daß er ein geborner Hanauer, wahrſcheinlich, daß er lutheriſch war. Daß er verheirathet war, beweiſt die AufſchriftFrauw Camp, die auf der gedruckten Beſchreibung einer Medaille v. J. 1724 ſteht(zur goldenen Hochzeit des Jakob Meinertzhagen). Daß er ſehr reich war, Sinn für Wiſſenſchaft und edles menſchenfreundliches Streben hatte, bedarf nach dem Geſagten kaum der Erwähnung.

So werthvoll nun aber auch die Gabe iſt, die er uns zugewieſen hat, es läßt ſich nicht verſchwei⸗ gen: mit dem Gelde, das er offenbar nicht ſcheute, hätte ſich eine ganz andere Sammlung herſtellen laſſen; er hätte manches Unbedeutende, das nun zwecklos dableiben muß, ausſcheiden und Wichtiges ſtatt deſſen anſchaffen ſollen. Er wer kein Kenner, und außerdem fehlte ihm die für wiſſenſchaftliche Dinge nöthige Genauigkeit, die eben durch die Wiſſenſchaft erlangt wird. Er machte es, wie ſo mancher noch jetzt, er hob auf, was ins Auge fiel, Goldmünzen aller Art, Silbermünzen von höherem Metallwerth, großartige Medaillen, und legte ſie zuſammen, wie ſie tamen. Kleinere Silber⸗ oder gar Kupfermünzen ſchienen ihm zu geringfügig. Von einem Syſtem iſt nichts zu gewahren; überall zeigen ſich auffallende Lücken. Neben Heſſen⸗Caſſel fehlt Heſſen⸗Darmſtadt, neben Maximilian I. alle folgenden Kaiſer bis auf Ferdinand II.; während Schweden reichlich, iſt Frankreich faſt gar nicht vertreten; verſchiedene wichtige Perſonen, die doch gewiß nicht ſchwer zu erlangen waren, fehlen ganz, wie der große Kurfürſt, Eliſabeth von Rußland, Karl 1