Die Camp'ſche Münzſammlung des Gymnaſtums.
Burch Teſtament vom 4. April 1766 vermachte der Steuerrath Camp ſeine Münzſammlung der hieſigen hohen Landesſchule, woraus ſpäter das Gymnaſium hervorging, zu dem Zweck, daß dadurch der Wiſſenſchaft genützt werden ſollte. Die Wiſſenſchaft hatte aber faſt ein ganzes Jahrhundert lang gar nichts davon; die Sammlung war unter Verſchluß, völlig unbenutzt, von Keinem geſehen; erſt am 30. Sept. 1867 kam ſie in den wirklichen Beſitz des Gymnaſiums. Die wenigen vorhandenen Actenſtücke geben über dieſes Verfahren, das doch ſicherlich der Abſicht des Teſtators nicht entſprach, keine genügende Aufklärung. Unter den Acten findet ſich zunächſt ein ſehr ungenaues Verzeichniß vom Erblaſſer ſelbſt. Darunter iſt bemerkt, daß im Auguſt 1772 eine Reviſion ſtattfand, woraus wohl zu entnehmen, daß er in demſelben Jahre geſtorben war. Nach der Reviſion muß die Sammlung alsbald verſiegelt ſein, denn 1801 ſtand ſie noch obſignirt in einem Schrank des Conſiſtorialarchivs. In dieſem Jahre trug das refor⸗ mirte Conſiſtorium, unter dem, wie es ſcheint, die hohe Landesſchule oder das reformirte Gymnaſium ſtand, auf den Verkauf an, den aber der Landesherr, Landgraf Wilhelm IX., nicht genehmigte. Die Sammlung wurde damals geöffnet und wahrſcheinlich auch nicht wieder verſiegelt; ſie ſtand von nun an unbenutzt im Depoſitenſchrank des Conſiſtoriums. 1812 im Oktober verlangte die Oberſchulinſpection auf Antrag des Oberſchulraths Schulze vom Conſiſtorium Herausgabe an das Gymnaſium. Da keine Antwort erfolgte, wurde im April und im Oktober 1813 das Geſuch erneuert; aber erſt im Auguſt 1820 überlieferte das Conſiſtorium dem Gymnaſialdirector Schuppius, der die Sache abermals angeregt hatte, das Münz⸗ cabinet. Eine eiſerne Kiſte wurde dazu angeſchafft und darin die Sammlung unter dreifachem Verſchluß aufbewahrt; ſie befand ſich nun über ein Jahr in der Wohnung des Kammerraths Klauhold, der vor⸗ ſitzendes Mitglied der Schulcommiſſion war. Als dieſe Commiſſion 1821 aufgelöſt und die neue Regierung der heſſiſchen Provinz Hanau eingeſetzt war, kam die Kiſte im Januar 1822 in das Regierungsarchiv. Dort blieb ſie ſo lange, bis die Regierung der Provinz Hanau einging, im Herbſt 1867.
Eine Angabe vom Jahre 1793, der damalige Bibliothekar, Conſiſtorialrath Iber, habe Bedenken getragen, das Münzcabinet in die Bibliothek bringen zu laſſen, läßt den Hauptgrund, weshalb dasſelbe
ſo unzugänglich blieb, errathen. Die Sammlung war ein koſtbares Beſitzthum, ſchon an Metallwerth ſehr 1


