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2 (1885)
Entstehung
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gehaltene Beſchuldigung nach ſo vielen Jahren friedlichen Verhaltens der Gegner, ſei es eine Lüge der Elektra. Doch den Verhältniſſen in dem heroiſchen Zeitalter ſcheint dieſe Auffaſſung nicht zu entſprechen. In der Rede an ihre Schweſter V. 948 ff. ſpricht Elektra deutlich aus, daß ſie beide von einer ehelichen Verbindung ſtets fern gehalten werden würden, weil Ägiſth ſo ratlos nicht ſei, daß er in Folge ihrer Verehelichung ſich einen Rächer erwachſen ließe. Nach dem Ge⸗ bote der Vorſicht und Selbſterhaltung konnte Ägiſth eine ſolche Verbindung nicht zulaſſen, noch auch den Oreſt, wenn er im Hauſe geblieben wäre, am Leben erhalten. Zu einem ſolchen Gebote der Selbſterhaltung würde auch gewiß Klytämneſtra ihre Einwilligung gegeben haben. In dem alten heroiſchen Zeitalter beſtand wohl der Grundſatz, nach welchem man in entſprechenden Lagen handelte, wie ihn ein Vers aus dem Epos des Staſinos ausſpricht:

Thor, wer die Söhne verſchont, nachdem er den Vater erſchlagen,

und nach welchem in verſchiedenen Tragödien des Euripides die Perſonen handeln. Selbſt wenn die Mutter keine Feindſeligkeiten gegen die Tochter hervorgerufen hätte, konnte dieſe ſich in die neuen Verhältniſſe nach dem Tode des Vaters nicht fügen, weil der in Folge des Mords geſchloſſene fündhafte Bund der Mutter mit Ägiſth ihr jungfräuliches Zartgefühl tief beleidigt hatte, Verhält⸗ niſſe, die um ſo mehr verletzen mußten, da durch die aus dieſer unrechtmäßigen Verbindung ent⸗ ſproſſenen Kinder die rechtmäßigen Nachkommen Agamemnons in ihren Rechten geſchmälert wurden. Sie, die Tochter des göttergleichen Agamemnon, die von dem Stolze ihres Vaters beſeelt war, konnte keinen Vergleich eingehen mit Zuſtänden, unter denen ſie, den feigen Ägiſth auf des Vaters Thron mit des Vaters königlichen Inſignien alltäglich vor Augen ſehend, ein ſchmachvolles Leben führen ſollte. Sie hatte auch noch nicht einmal von vornherein einen Mordplan gegen das Leben der Mutter oder Ägiſths geſchmiedet. Erſt als nach Ankunft des Boten mit der Todes⸗ nachricht, zumal da auch Ägiſth ſie in ein unterirdiſches Verlies ſchaffen wollte, ihr jede Möglich⸗ keit der Befreiung aus ihrem Elende dahingeſchwunden war, faßte ſie zur höchſten Verzweiflung getrieben den heroiſchen Entſchluß zu Ägiſths Ermordung. Sie will ſelbſt das Amt des Rächers für den Vater und des Befreiers für ſich ſelbſt aus Schmach und Elend übernehmen, obwohl bei der Menge der Trabanten, die der misliebige Herrſcher auch gegen andere Angriffe ſtets um ſeine Perſon geſchart hatte, ihr ein ſolches Unternehmen als unausführbar erſcheinen mußte. Bis da⸗ hin hat ſie gegen die Mutter keinen ſolchen Plan erſonnen, welche ſie doch mit leichter Mühe aus dem Wege hätte räumen können. Der Gedanke der Blutrache an dieſer ſtieg wohl erſt in ihr auf, als ſie V. 1265 von Oreſt erfuhr, daß er von den Göttern zur Vergeltung angetrieben wor⸗ den ſei. Vorher hatte ſie der Mutter in leidenſchaftlicher Aufregung nur geſagt, daß ſie in Oreſt einen Rächer erziehen würde, wenn ſie es vermöchte, nachdem die Mutter ihr dies zum Vorwurf gemacht und ſo den Gedanken daran in der Seele der Tochter erſt entzündet hatte, der dann erſt in ihr zur Reife gedieh, als in der höchſten Not kein rettender Anker ſich darbot. Wenden wir uns nun wieder zu dem Schauplatz der Vergeltung, demſelben, wo auch Agamemnon unter dem Mordbeile ſein Leben verhaucht hatte, ſo ſehen wir dort(V. 1400 ff) Klytämneſtra damit beſchäftigt, die Urne für das Grab zu ſchmücken. Oreſt mit ſeinem Freunde