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unmittelbar nach V. 1394 dem Chor mit„Ihr theuerſten Frauen!“ begrüßt, und aus den Worten des Chors ſelbſt, welcher nach der Mordſcene beim Heraustreten des Oreſt nebſt Pylades aus dem Palaſte ſagt:„Die Hand trieft vom Blute; dennoch vermag ich die That nicht zu tadeln.“ Die Theodicee iſt nicht, weil man ſie in dem Stücke ſucht, vorhanden, ſondern bietet ſich unge⸗ ſucht von ſelbſt dar. 3
Im Verlaufe des Stückes iſt doch ganz deutlich zu erkennen, daß die Gottheiten, denen die Strafaufſicht über die Frevel und das Strafamt oblag, ſich dieſer Obliegenheit, welche ihnen ja bei der Weltordnung zugefallen und für ſie ein Naturgeſetz war, nicht entziehen konnten. Vom Anfang bis zum Ende des Dramas erſcheinen alle göttlichen Weſen des Himmels, der Erde und der Unterwelt thätig, um bei dem Werke der Vergeltung der göttlichen Gerechtigkeit den Sieg zu verſchaffen. Hierbei iſt auch nicht zu überſehen, daß nach der obigen Darſtellung, wie der frevleriſch Ermordete überhaupt, ſo hier im beſonderen Agamemnon entſchieden Rache an den Mördern von ſeinen ihm in Liebe zugethanen Hinterbliebenen verlangte, welche dieſe Letzteren aus⸗ zuführen verpflichtet waren. Wir erkennen hierin zugleich ein höheres Allgemeines, von dem der Menſch in ſeinen Handlungen ſich abhängig wußte, und dem jeder ſich fügen mußte. Dieſes All⸗ gemeine, das in Elektra und dem Chore repräſentiert erſcheint, iſt aber die moraliſche Weltord⸗ nung, nach welcher die Vergeltung ein von Zeus garantiertes Grundgeſetz der Weltordnung mit zweifelloſer Gewißheit erwartet wird und an den Mördern Agamemnons mit gebieteriſcher Not⸗ wendigkeit vollzogen wird. Die Götter, ſofern ſie die Aufrechthaltung der Weltordnung repräſen⸗ tieren, müſſen, wie wir oben geſehen haben, weil ſie eben exiſtieren, die Frevler ſtrafen; ſie würden nicht exiſtieren und ſich ſelbſt aufheben, wenn ſie dies unterließen.
War es alſo der göttlichen Gerechtigkeit an ſich ſchon widerſprechend, einen ſo mehrfachen Frevel an der ſittlichen Ordnung, wie den in unſerem Drama zur Darſtellung gebrachten, unbe⸗ ſtraft zu laſſen, ſo hat dem gegenüber auch der Dichter die Charaktere ſo auszugeſtalten verſtanden, daß ſie auf der einen Seite als die Werkzeuge, auf der anderen als die Opfer der göttlichen Gerechtigkeit erſcheinen. Es iſt weiter oben auf das Gebaren der Klytämneſtra in ihrem Bunde mit Agiſth den Kindern und dem geſamten königlichen Hauſe gegenüber hingewieſen worden, wie dadurch für Elektra eine ſo unglückſelige Lage geſchaffen worden war, die nicht überboten werden konnte. A. Schöll in der erwähnten Einleitung iſt ganz entgegengeſetzter Anſicht. Dieſer ent⸗ ſprechend trägt die Tochter allein die Schuld an dem unnatürlichen Verhältnis zwiſchen ihr und der Mutter. Er läßt(p. 19) Klytämneſtra im unveräußerlichen Muttergefühl klagen, daß Elektra den Oreſt, das Kind ihrer Mutterbruſt, den pflegenden Armen der Mutter entzogen haben. Und Elektra mache das elende Leben des Oreſt in der Fremde, zu dem ſie ihn wider der Mutter Willen, zum dauernden Schmerz und künftigen Weh der Mutter verurteilt habe, dieſer darum zum Vor⸗ wurf, weil er„mit Noth der Hand der Mutter entkommen ſei“ alſo fliehen mußte, um nicht durch die Mutter zu ſterben. Damit ſchildere Sophokles nicht die Ruchloſigkeit der Mutter, ſondern die ruchloſe Bezichtigung der Tochter. Die zugleich mit der des Vaters beabſichtigte Ermordung Oreſts zu der Zeit, als Elektra ihn flüchtete, wäre eine wohlbegreifliche Furcht geweſen, aber als feſt


