Druckschrift 
2 (1885)
Entstehung
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aus, einmal der Kinder, welche die Mutter ermordeten, dann aber auch der Götter, welche durch Apollon ihnen ausdrücklich den heimlichen Mord aufgetragen hätten, und welche noch eben von den Geſchwiſtern um Segen und Beiſtand zu ihrem Werke angerufen ſeien. Gerade an der ent⸗ ſcheidenden Stelle des Dramas, meint der Verf., errege der Chor Sympathie für die Mutter und Apathie gegen die Tochter, die Heldin des Stückes. Dadurch verwirre der Chor unſere Begriffe von den Göttern eben ſo ſehr, wie ſeine eignen verworren zu ſein ſchienen. Wenn in den letzten Worten des Chors die That des Oreſt als eine furchtbare Wirkung des blutſchnaubenden Ares und als eine frevelhafte Gewaltthat bezeichnet werde, welche ſofort von den Erinyen gerächt werden müßte, ſei da nicht ſo zu ſagen ein falſches Doppelſpiel der Götter? Hermes verhülle vor Oreſt und ſeinen Genoſſen mit Finſternis den Trug, welchen die Götter an ihnen übten. Der Chor ſähe, wie Hermes vor den lauernden Erinyen Dunkel ausbreite und den Oreſt wie einen Blinden da⸗ zwiſchen hineinführe. Das heiße allerdings mit Oreſt ein trügeriſches Spiel treiben, wenn Hermes ihn den im Palaſte lauernden Furien als Schlachtopfer entgegenführe.

Zum Schluß heißt es dann:Wenn der Chor die Götter mit Oreſts und Elektras That einen Trug an dieſen beiden üben und den Hermes ſelber den Trug vor den betrogenen verhüllen ſieht, wo bleibt da logiſcher Weiſe fürs erſte die Billigung der That durch Chor und Zuhörer, und zweitens die vielgenannte Theodicee, die man in den Sophokleiſchen Stücken ſucht und, weil man ſie ſucht, gewöhnlich findet?

Daß in dem letzten Chorgeſang ein Umſchlag der Geſinnung des Chors, der bisher ſtets auf Seiten der Rächer ſtand, und ein Doppelſpiel der Götter ausgeſprochen ſei, vermag ich nicht zu erkennen.

Die Worteoundy Ppeve Jveipoy bilden, wie Plüß meint, einen Gegenſatz zum Traume der Klytämneſtra und bedeutenmein wacher(Geiſtes)⸗Traum. Doch dem iſt nicht ſo. Dieſer Gegenſatz iſt nicht vorhanden. oond eigentlich zu ꝓpevcy gehörig iſt mit deioy ver⸗ bunden, im Sinne von:meine eigene Herzensahnung. Der Chor will hiermit nur andeuten, daß die Ahnung in ihm ſelbſt erwacht und ihm nicht von außen, etwa von einem Gotte, zuge⸗ ſendet ſei. Die unentfliehbaren Erinyen, welche hier wie in Aesch. Choeph. Hunde genannt werden, weil ſie den Sünder wie ein Wild hetzen, warten auch nicht auf eine andere Beute als auf Klytämneſtra und Ägiſth. Unter den unentfliehbaren Hunden ſind ferner nicht die wirklichen Furien, ſondern Oreſt und Pylades zu verſtehen, welche als die Bluträcher die Rolle der Erinyen übernommen haben. Abgeſehen davon, daß von wirklichen Erinyen keine Rede iſt, ſo würde doch der Chor, der ſie nach Plüß's Anſicht in den Palaſt einſchreiten ſah, ſie eben ſo wenig erblickt haben, wie am Schluße von Aesch. Choeph., wo der Chor in Beziehung auf die Furien zu Oreſt ſagt:Welch' düſtres Wahnbild entſetzt dich? und dieſer antwortet:Ihr ſeht die Graun⸗ geſtalten nicht, ich ſehe ſie.

Daß beim Chore dieſelbe freundliche Geſinnung gegen Elektra und Oreſt wie im früheren Verlauf des Stückes ſo am Schluß geblieben iſt, geht aus der Anrede der Elektra hervor, welche

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