Hauſe zum Angriffe daſtehen, ſo daß ſeines Herzens Ahnung nicht lange mehr in der Schwebe bleiben werde.
Ehe ich hier weiter gehe, muß ich einer Erklärung des letzten Chorgeſanges gedenken, welche ſich in den Neuen J.⸗Bl. für Phil. u. Päd. v. J. 1884 B. 129 u. 130 Heft 6, p. 353— 360 findet und Herrn Prof. Th. Plüß in Baſel zum Verf. hat. Dort heißt es dem Hauptinhalte nach:„Es ſieht aus als ſolle nun auch für Sophokles die Zeit unverdienten Ruhmes vorbei ſein. Man hat angefangen die Methode hiſtoriſcher Quellenforſchung und einer realiſtiſch⸗gelehrten, nüchtern, verſtändigen Thatſachenkritik auf die Tragödien des Dichters anzuwenden und hat damit bereits Ergebniſſe erzielt, welche für Sophokles verhängnisvoll ſind. Dieſer Methode entſprechend ſollen beim letzten Chorliede(V. 1384—1397) aus einer rein ſprachlich⸗logiſchen Er⸗ klärung die logiſchen Folgerungen gezogen werden.„Eben ſind“ heißt es dort„Oreſtes und Pylades vor die Götter getreten, welche im Vorhofe des Palaſtes wohnen, und haben ihre An⸗ dacht verrichtet, und Elektra hat zu Apollon gefleht, er, der Gott des Lichts, möge ein gnädiger Helfer bei dem Werke der Vergeltung ſein. Da rufen die Frauen des Chors einander zu, ſie ſollen ſehen, an was für einem Orte Ares weithin verzehrend um ſich greife, das Blut wildwett⸗ eifernder Leidenſchaft ſchnaubend. Der Chor ſieht alſo nicht etwa Apollon oder einen der ange⸗ ſtammten Götter des Burghofes, ſondern ein wüſtes Ungeheuer von tieriſcher Geſtalt, nicht einen Helfer zum Rechte, ſondern den Ares, der am gegenſeitigen Morden ſeine Luſt hat; das Blut, welches Ares aus den Nüſtern bläſt, iſt dem Chore wohlbekannt(5.α), es iſt das Blut eines Wetteifers zweier Gegner oder zweier Parteien(*9 ⁹), eines Wetteifers wilder oder unſeliger Art (3s-)“ Bei dieſem Anblick weiſe der Chor dahin, wo Oreſt und Elektra beide zu ihren Göttern gebetet haben und dann zu ihrer That in den Palaſt gegangen ſeien. Was heiße das rein logiſch anders, als daß die That derſelben eine Fortſetzung des alten wilden Atreidenmordes ſei. Der Chor ſehe ferner, wie die Erinyen bei ihrem Einzuge zum Angriffe bereit ſtehen wie auf ein Wild; dieſes Wild ſei Ares, der wenn er jetzt in die Halle hineingehe und Blut ſchnaube, die That des Oreſt und der Elektra vertrete, die Erinyen umgekehrt vertreten die Rache, welche den Oreſt ſelber bereits erwarte. Hiermit werde die That des Oreſt als eine böſe Frevelthat erklärt; für die ihm die Strafe der unterirdiſchen vorausgeſagt werde. Wo, fragt der Verfaſſer bleibe die logiſche Folgerichtigkeit des Chores früheren Außerungen gegenüber und jene Sympathie für Elektra und Oreſt, welche logiſcher Weiſe die Tendenz des Stückes ſein ſolle. Der Chor habe eine vorbedeutende Erſcheinung geſehen, aber nicht im Schlafe, ſondern im Denken und Empfinden (Hgeyv d„&εεο*). Dieſen als den ſeinigen(roëνde 3„*„ο) ſetze er dem obigen Traume der Klytämneſtra entgegen, der geklungen wie liebliche Muſik. Was der Chor dann ſelber wachend weiter geträumt, bezöge ſich auf die Art, wie der liebliche Traum ſich verwirklichen werde, und jetzt erſt ſehe er deutlich, daß derſelbe durch Muttermord ſich verwirklichen und für Oreſt ſchwere Folgen haben werde. Aus dem, was der Chor jetzt geſehen, könne er nur ſchließen, daß die That, als Fortſetzung des unſeligen Familienmordes, ſelber eine unſelige und ihre Folge, die Verfolgung des Thäter durch die Erinyen, eine entſetzliche ſei. Hiermit ſpreche der Chor eine Verurteilung


