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iſt, für die Urſchuld der Familie erklären, von welcher der Chor die folgenden und die zuletzt am Agamemnon begangene Gräuelthat nebſt der noch an dem Mörderpaare zu vollſtreckende Blutthat in nothwendiger Folge herleitete. Der Chor erwähnt nur mit Schmerz, daß ſeit der Ankunft des Pelops in Argos und der Ermordung des Myrtilos die harten Schickſalsſchläge im königlichen Hauſe nicht aufgehört hätten, wodurch nur die lange Reihe von Mordthaten bezeichnet werden ſoll, welche ſchon mit dem Urahn anhöben und auch dann, wo nach der Anſicht des Chors die Götter der bedrängten Elektra in dem Traume der Mutter Erlöſung aus ihrer Drangſal verkün⸗ deten, doch noch einmal Blutvergießen nothwendig ſei.(Vergl. Lübker Progr. v. Parchim 1851. S. 9 z. B.:„es erfüllt ſich aufs neue der Fluch, der auf dieſem Hauſe des Pelops ſeit jener Wettfahrt und dem Frevel am Myrtilus ruht.“)
Hätte der Dichter in der Handlung der Elektra einen ſo ſchaurigen Frevel geſehen, ſo würde er mit ſich ſelbſt in Widerſpruch gerathen, wenn er den Chor V. 1081 ff., welcher doch die öffentliche Meinung repräſentirt, der Elektra gegenüber dieſer ſo hohe Lobſprüche äußeren läßt: „Du trägſt,, ſagt er,„einen doppelten Ruhm davon, eines edlen Vaters weiſe und gute Tochter zu heißen; möchteſt Du an Macht und Reichthum ſo hoch über Deinen Feinden erhaben leben, wie Du jetzt tief von ihnen erniedrigt da ſtehſt. In der Frömmigkeit gegen Zeus haſt Du das Höchſte nach dem Geſetze,(d. h. was nach dem allgemeinen Glauben als Satzung galt), erreicht.“ Nach dieſen Worten iſt alſo die dem Vater von der Tochter erwieſene Pietät zugleich höchſte Pietät gegen Zeus und hiermit ſpricht der Dichter die feſte Ueberzeugung aus, daß Zeus jegliche Verletzung der Pietät gegen ein Familienglied nicht unvergolten laſſen werde.


