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2 (1880)
Entstehung
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zahlreichen Privathäuſern unſerer Stadt im Glanze von Kerzen und Lämpchen, durch welche die architektoniſchen Linien des ſtattlichen Gebäudes ſchön hervortraten.

Vom 5. Juli bis zum 2. Auguſt dauerten die vierwöchentlichen Sommerferien.

Kurz nach denſelben begab ſich der Direktor nach Kaſſel, um dem Jubelfeſte des dortigen Königl. Gymnaſiums, welches als Lyceum Fridericianum 100 Jahre zuvor von dem Landgrafen Friedrich II. v. Heſſen geſtiftet worden war, als Vertreter des Rinteler Gymnaſiums anzuwohnen und der Anſtalt, welcher er ſelbſt einſt als Schüler und dann ſpäter zweimal als Lehrer angehört hat, ſeine dankbare Anhänglichkeit auszuſprechen. Es war ihm dadurch vergönnt, am 13. Auguſt der ſo vortrefflich gelungenen Aufführung des Sophokleiſchen König Oedipus durch die Primaner des Kaſſeler Gymnaſiums ſich erfreuen und am andern Morgen bei dem großen Feſtakt in der Luthe⸗ riſchen Kirche zu Kaſſel im eigenen, wie im Namen ſeines Lehrerkollegiums dem Direktor Dr. Vogt eine lateiniſche Votivtafel überreichen zu können.

Am 20. u. 21. Auguſt machten alle Klaſſen des Gymnaſiums in Begleitung ihrer Lehrer größere Turnfahrten oder kürzere Spaziergänge.

Der Sedantag vereinigte am 2. September Lehrer, Schüler und andere Feſtgenoſſen in der Aula zu einer größeren Feſtfeier. Das Bild des Kaiſers, ein Geſchenk Sr. Majeſtät, war mit Epheugewinden und einem Kornblumenkranze, die beiden Katheder mit Fichtenkränzen geſchmückt. Deklamationen der Schüler wechſelten mit religiöſen und patriotiſchen Geſängen. Die Feſtrede über die Bedeutung des Tages von Sedan hielt der Direktor. Nachmittags verſammelten ſich Lehrer und Schüler im Hofe des Gymnaſiums und marſchierten von dort in geordnetem Zuge und mit wehenden Fahnen, wie auch in den vorhergehenden Jahren nach dem Dorfe Volkſen, wo ſich alsbald unter Spiel und Geſang ein fröhliches Treiben der Jugend entwickelte. Bei der Rückkehr ſtellte ſich der ganze Zug vor dem Gymnaſium auf und ſtimmte jubelnd in das vom Direktor auf Se. Maje⸗ ſtät den Kaiſer ausgebrachte Hoch und in die Nationalhymne ein.

Die ſchriftliche Maturitäts⸗Prüfung mit 3 Aspiranten dauerte vom 4. bis zum 10. September.

Die Aufgabe für den Deutſchen Aufſatz lautete: Inwiefern iſt Leſſings Minna v. Barnhelm ein nationales Stück? die zum lateiniſchen Aufſatz: De Cimonis Atheniensis vita ac civitatis regendæ consiliis. Die mathematiſchen Aufgaben waren folgende: 1. Ein Dampfſchiff und ein Segelſchiff fahren beide von einem Orte M nach einem Orte N. Erſteres macht alle 5 Stunden 44 km, letzteres in derſelben Zeit nur 12 km. Das Segelſchiff hat ſchon 15 km zurückgelegt, ehe das Dampfſchiff abfährt, und kommt 7 Stunden ſpäter an als letzteres. Wie viel Zeit gebraucht das Dampſſchiff, um von M bis N zu kommen, und wie weit iſt erſterer Ort von letzterem entfernt? 2. Die merkwürdigen Punkte des Dreiecks. 3. Es ſollen trigonometriſche Formeln für den Radius(o) des einem Dreieck einbeſchriebenen Kreiſes und den Radius(r) des ihm umſchriebenen Kreiſes dargeſtellt und abgeleitet und die Längen r und berechnet werden für ein Dreieck, in wel⸗ chem gegeben ſind a= 15,78 m; b= 23,54 m; 8= 34⁰1823. 4. Beweis des Satzes: Die Durchſchnittslinie zweier Tangentialebenen eines Cylinders iſt parallel mit der Axe des Cylinders.

Mit dem Schluß des Sommerſemeſters ſchieden zwei Lehrer von unſerer Anſtalt, um ehren⸗