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lichen Palaſt vorfuhren. Der die Künſte und Wiſſenſchaften ſtrumentalbegleitung, worauf wir ſchon eingeübt waren, ein kleines italieniſches Trio, was mächtig bewundert wurde. durch ein verbindliches Schreiben eingeladen, auf der Reiſe
beſchützende Coadjutor Herr von Dalberg ¹) hatte den Vater
nach Weimar ſein Haus in Erfurt nicht zu übergehen und mit ſeiner Familie ſo lange zu verweilen, als er möchte.
Dieſe Erlaubnis konnte der Vater nur ſehr be⸗ ſchränkt benutzen, da er zu beſtimmter Zeit in Weimar er⸗ wartet wurde und wir deshalb am Abend desſelben Tages, wo wir ankamen, weiter reiſen mußten. Wir wurden von der Dienerſchaft, an deren Spitze ein Haushof⸗ meiſter ſtand, empfangen und ſofort in die uns be⸗ ſtimmten ſchönen Zimmer geführt, wo gleich darauf der Coadjutor ſelbſt erſchien. Er war ein großer Mann mit einem lebhaften, klugen Geſicht, in ſchwarz ſeidener geiſt⸗ licher Tracht; über das auf die Bruſt herabhängende Prieſter⸗ bäffchen von feinſtem Battiſt, mit Brüſſeler Spitzen beſetzt,
gut zu entſprechen ſuchte.
hing an einem Band ein Kreuz mit Brillanten, das mir
gewaltig imponierte.
deckte die Tonſur. Sehr beſtimmt drückte die Geſtalt ſich meiner Phantaſie ein, ich war voll Bewunderung.
Herr von Dalberg war überaus gütig und zuvor⸗ kommend gegen die Eltern wie gegen uns kleine Mädchen, verließ uns aber bald, damit wir Toilette machen konnten, nach welcher er uns bei ſich erwartete. Zuvor wurde uns aber noch ein pompöſes Frühſtück ſerviert, das mir ganz trefflich zuſagte. Dann putzte die Mutter ſich und uns, ſo wie es ſich für die fürſtliche Tafel, an der wir erwartet wurden, paßte, und ich bilde mir ein, daß wir uns alle drei recht hübſch ausnahmen. Betty war damals ſchon bildſchön, und die Mutter, noch jung genug, blendete wirklich durch ihre liebenswürdige Erſcheinung. Wie ich ausſah, weiß ich nicht, anſprechend, glaube ich, aber ſchön gewiß nicht. Alles an dieſem Tage kam mir ſo wunder⸗ voll, feenhaft feſtlich vor, daß ich in eine ganz erhöhte Stimmung geriet. Im Saal fanden wir eine Nichte des geiſtlichen Herrn, die nachmalige Frau von Pfenningen, und ſeinen Neffen und damaligen Geſellſchafts⸗Cavalier, Herrn von Dalberg ³), außerdem noch mehrere vornehme Herrn und Damen, die ich nicht zu nennen weiß; es war eine brillante Verſammlung. Uns widerfuhr nach dem Beiſpiel des Hausherrn viel Ehre und Freundlichkeit. Wir beiden kleinen Mädchen ſangen mit der Mutter, ohne In⸗
¹) Nach einer Angabe bei Nagler hat Tiſchbein ihn gemalt.
²) So zeigt ihn auch das Porträt bei Beaulieu⸗Marconnay l. Bd.
³) Emmerich Joſeph v. D.,(1773— 1833), Sohn des Mann⸗ heimer Intendanten, ſpäter von Napoleon zum Herzog erhoben.
Das wohlgepuderte Haar bildete ge⸗ ſcheitelt hinten eine einzige runde Locke, die wie gegoſſen um den Nacken lag*), ein ſchwarzes Sammetkäppchen be⸗
Das Beſehen der Kunſtſchätze, welche der prächtige, ge⸗ ſchmackvolle Saal enthielt, füllte außerdem die Zeit bis zum Diner aus. Endlich begab man ſich in den Speiſe⸗ ſaal, wo von der Tafel her mir mehr Silber und Gold entgegenleuchtete, als ich bisher je geſehen hatte. Der junge Herr von Dalberg führte mich zur Tafel. Die Schnelligkeit, mit welcher die Speiſen ſerviert wurden, er— regte meine Verwunderung, ſo wie überhaupt die ganze Art der Bedienung mir neu war. Ich hütete mich aber, mit ziemlichem Takt begabt, dies merken zu laſſen, ſondern beachtete, völlig durch das genoſſene Frühſtück be⸗ friedigt, das ganze Mahl nur oberflächlich, indem ich der zuvorkommenden Unterhaltung meines Nachbars möglichſt Er redete mich ein paar Mal franzöſiſch an, wahrſcheinlich um mich zu prüfen oder zu verwirren, und ſchien erſtaunt, mich ſo wohl beſchlagen in dieſer Sprache zu finden. Kurz— ich zog mich in jeder Beziehung gut aus dieſem meinem erſten Debüt am Hof.
In Weimar bezogen wir ſogleich eine für uns im voraus gemietete Wohnung bei einem Kammerrat Orth⸗ mann, der eine Frau, zwei Töchter und einen recht lümmel⸗ haften Sohn hatte. Die Frau Kammerrätin empfing uns in Papier⸗Papilloten, die in zwei dichten Reihen ihr ſcharfes, unſchönes Antlitz umgaben, und unterbrach ihre Anrede durch häufiges Brummen und Keifen, das den Mägden und Töchtern galt, die mit gaffendem Munde uns anſtarrten. Am beſten gefiel uns der Hausherr, ein friſcher, heiterer Mann, deſſen Erſcheinung ein Gegengift war gegen die zuerſt empfangenen unangenehmen Eindrücke. Unſere Zimmer waren hübſch, und allmählich geſtaltete ſich auch ein Umgang zwiſchen den Töchtern des Hauſes und mir und Betty. Die Mädchen waren freundlich und gutmütig, und wo ich dieſe Eigenſchaften fand, fühlte ich mich über⸗ haupt von jeher leicht befriedigt. In den erſten Tagen ſah ich zu meinem Erſtaunen die Frau Kammerrätin ſtets in ihren Papilloten, morgens, mittags und abends, und in einem recht ſchlumpigen, groben Kattunkleid. Nun aber wird es Sonntag, und ſiehe da! in vollem Glanze ſtrahlte mir, als ich zuerſt auf den Hausflur kam, die feſtlich ge⸗ putzte Geſtalt unſerer Hauswirtin entgegen. Die Papilloten waren verſchwunden, und eine runde Friſur, dick pomadiert und gepudert, aus den papiernen Hüllen entſtanden. Ein Kleid von grellrotem Moor ſchmückte ſie außerdem, und das Bewußtſein dieſer vollkommenen Toilette gab ihrem Auftreten eine noch außergewöhnliche Sicherheit. Dieſe Verwandlung fand regelmäßig alle Sonntag ſtatt, die


