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3 (1896) Anhang
Entstehung
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bis der Vater endlich imſtande war ſie anzutreten, ein Unternehmen, das in jeder Beziehung nicht wohl überlegt war und gebüßt werden mußte, wie es ſich ſpäter erwies.

Seine früheren Reiſen nach dem Haag und die günſtige Aufnahme, welche er dort gefunden, hatten dem Vater Holland lieb gemacht; diesmal beſchloß er in Amſterdam ſein Heil zu verſuchen, in guter Zuverſicht auf Erfolg. So kam er mit einigen Empfehlungen und eben nicht reichlicher Kaſſe verſehen in Amſterdam an. Bevor er aber noch irgendwo Beſuche machen konnte, warf ihn ein böſes Fieber nieder, und ein Arzt mußte gerufen werden. Dieſer Arzt, Dr. Mitchel, zeigte ſich als ein höchſt ein⸗ ſichtsvoller, verſtändiger Mann, der Vater konnte in keine beſſeren Hände fallen.

Die Eltern hatten einen alten Bedienten, den ſchon genannten Philipp, und deſſen Frau mitgenommen; dieſes bejahrte Ehepaar nebſt einem holländiſchen Mädchen, das gleich gemietet wurde, beſorgte die Geſchäfte des Hauſes. Kaum aber hatte der Vater ſich gelegt, deſſen Fieber noch keinen völlig entſchiedenen Charakter zeigte, als der alte Philipp von einem bösartigen Nervenfieber befallen wurde und nach wenigen Tagen ſtarb. Unter dem Vorwande einer Unpäßlichkeit verdeckte die Mutter dem Vater das Nicht⸗ erſcheinen ſeines alten Dieners, den er ungern entbehrte. Unter die Eigenheiten des Vaters gehörte eine Art Scheu

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vor ſchwer Erkrankten und Toten, ein Gefühl, das er niemals

zu bemeiſtern vermochte. Es galt nun, ohne Lärm und Auf⸗

widerte:

ſehen die Beerdigung des Toten zu bewerkſtelligen, wozu

die Sitte in Amſterdam günſtige Gelegenheit bot, indem ſich dort ſogenannte Leichenbeſorger fanden, die für ein be ſtimmtes Honorar die Leiche übernahmen, in der Stille aus dem Hauſe ſchafften und für das Weitere ſorgten. Dr. Mitchel empfahl der Mutter einen ſolchen Mann, und

alles ging ſo in der Stille ab, daß der Vater nichts kaltes Fieber auf, das der verſtändige Dr. Mitchel als

merkte. An demſelben Tage aber, wo die Überreſte des treuen deutſchen Dieners in holländiſcher Erde gebettet werden ſollten, erkrankte die Wittwe desſelben an dem nämlichen Übel und wollte als Pflegerin nur die Mutter um ſich dulden. Es gehörte eine Natur dazu, wie die Mutter ſie glücklicherweiſe beſaß, um zu ertragen, was in dieſer Zeit ihr zu leiſten oblag; vom Krankenbett des Vaters zu dem der Dienerin eilend, Tag und Nacht ohne Ruhe, mußte ſie auch dieſen Fall dem Vater noch verheimlichen. Sie

ließ ihn die alte Lore mit der Pflege ihres Mannes be⸗

ſchäftigt glauben, und der Vater ahnte die Wahrheit noch

nicht. Auch hier zeigte die Krankheit ſich tödlich, und nach wenigen Tagen folgte die arme Frau ihrem Manne. Jener nützliche Beſorger wurde abermals ins Haus be⸗

ſchieden, und als er das Geld für die Beerdigung auch dieſer Toten, 100 fl., einſtrich, ſchmunzelte er behaglich, rieb ſich, vergnügt die Mutter anſehend, die Hände und ſagte: Mefrow, ich recommandiere mich. Dieſe Worte trafen die Mutter, wie ſie ſpäter oft erzählte, wie ein Blitzſtrahl, unſägliches Grauen befiel ſie, und einer Ohnmacht nahe erreichte ſie das Bett des Vaters, den ſie ſanft ſchlafend

fand. Geiſtig wie körperlich völlig erſchöpft, im gewiſſen Glauben, ſie ſelbſt werde nun wohl die nächſte Beute des Todes ſein als Opfer der an⸗

ſteckenden Krankheit, fällt ſie auf ihr notdürftig bereitetes Lager neben dem des Vaters hin und verſinkt bald in tiefen Schlaf. Eine ſanfte Berührung erweckt ſie endlich, und die Augen aufſchlagend erblickt ſie den Vater über ſie hingebeugt; die gute Mutter hatte von Morgens 10 Uhr bis zum ſpäten Nachmittag geſchlafen, und der Vater hatte trotz ſeines Bedürfniſſes nach Erquickung nicht gewagt, ſie früher aus dem erſten Schlummer, deſſen ſie ſeit faſt 14 Tagen genoß, zu wecken.

Indeſſen hatte er Zeit gefunden, Betrachtungen über das ſo gänzlich verſchwundene alte Ehepaar anzuſtellen, die ihn zu dem Schluſſe führten, es müſſe doch mit ihnen eine ernſtere Bewandtnis haben, als die Mutter eingeſtand. Seine erſte Frage, als dieſe ſich ermuntert hatte, war alſo:Was macht der Philipp und die Lore? ſag mir die Wahrheit! Die Mutter, raſch entſchloſſen, er⸗ Lieber Mann, ſie ſind beide begraben. Völlig vertraut mit dem Ideengang des Vaters, wußte ſie, das Wortbegraben werde zwar eine plötzliche Erſchütterung,

zugleich aber auch eine nachwirkende Beruhigung herbei⸗

führen, dahingegen die Vorſtellung, beide krank oder tot im Hauſe zu wiſſen, ihn nachteilig aufgeregt haben würde.

Des Vaters Krankheit, welche bisher einen noch un⸗ entſchiedenen Charakter zeigte, löſte ſich endlich in ein

eine wohlthätige Kriſis betrachtete und abſichtlich nicht gleich unterdrückte, indem er die Natur wirken ließ. Erſt nach 3 bis 4 Wochen wandte er China an, und dieſem Mittel folgte die vollſtändige, wenngleich langſame Geneſung des Vaters, wobei auch jede Spur von Lähmung im Arm ver⸗ ſchwand.

Die Dankbarkeit der Eltern gegen den teilnehmenden Arzt war groß, ſie nannten ihn ihren ſichtbaren Engel in der geprüfteſten Zeit ihres Lebens. Seine Frau war aber kein Engel, ſondern eine häßliche kleine Figur mit einem vergrämten gelben Geſicht und von einer Eiferſucht be⸗

ſeelt, welche ein näheres Freundſchaftsverhältnis zwiſchen

dem Doktor und den Eltern ſehr erſchwerte, da meine