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3 (1896) Anhang
Entstehung
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der vornehmen Welt ein, die ſich ihm öffneten, ſo wie bei

vertrauten Freunden, die er während ſeines erſten Aufent⸗ haltes dort ſich erworben hatte. Zu letzteren gehörte die Familie des Buchhändlers Sander, der Erzieher des Erb⸗ prinzen, Geheimrat von Euler, und der däniſche Geſandte, Baron von Schubart), mit ſeiner Frau. In dieſen ver⸗ trauten Kreiſen verlebten die Eltern ihre genußreichſten Stunden; alle Annehmlichkeiten des Lebens, welche Reich⸗ tum gewähren kann, fanden ſich hier vereinigt mit ge mütlicher und geiſtiger Befriedigung; es mag ein wahres Feenleben geweſen ſein, und die Eltern genoſſen es mit freudigem, gewecktem Sinn.

Die Mutter hatte eine wunderſchöne Stimme, was den Vater bewog, ihr Unterricht im Geſang geben zu laſſen, und ſie machte bald ſo glänzende Fortſchritte, daß ſie mit Sicherheit in Geſellſchaft ſich hören laſſen durfte und mit Beifall überſchüttet ward.

Doch reiſten meine Eltern ſchneller ab, als ſie ur ſprünglich beabſichtigt, da ſie traurige Nachrichten von dem Geſundheitszuſtand des Großvaters erhielten, deſſen Ende man erwartete und der ſich unbeſchreiblich danach ſehnte, die Mutter noch einmal zu ſehen. Von dieſer Rückreiſe iſt mir wenig erinnerlich, deſto lebhafter aber hat ſich mir die Stunde eingeprägt, wo wir in Mengeringhauſen ankamen.

Es mochte Mittag ſein, als wir zu Fuß denn der Wagen konnte in der ſchmalen, zu beiden Seiten mit an⸗ ſehnlichen Pfützen verſehenen Straße nicht vorfahren das großelterliche Haus erreichten und das Wohnzimmer be⸗ traten.Tretet ſacht ein, lieben Kinder, ſagte die Groß⸗ mutter,der Vater ſchläft. Plötzlich aber rief es aus dem Alkoven, wo der Großvater lag:Nicht doch, ich bin wach und weiß, daß Fiekchen(ſo nannte er die Mutter) gekommen iſt, laßt ſie gleich zu mir. Die Vorhänge des Alkovens wurden jetzt zurückgezogen, und die Mutter eilte jetzt mit mir an das Bett des ſterbenden Großvaters. So viele Jahre auch ſchon ſeit jener Zeit dahin ſchwanden und ſo jung ich damals noch war, bewahrt mein Gedächtnis doch noch den Eindruck, welchen meine kindliche Seele in jenem feierlichen Augenblicke empfing. Ich erinnere mich deutlich der beinah ſchon verklärten Züge des Großvaters, wie er da lag und die verwelkte, zitternde Hand auf das Haupt der Mutter legte, die vor ihm kniete.So hat denn Gott mein Gebet erhört, ſagte er,ich ſehe dich noch einmal, mein Fiekchen, und ſterbe nun gern. Dann

¹) Hermann Freiherr von Schubart war ſpäter däniſcher Ge⸗ ſandter in Neapel und iſt durch ſeine Beziehungen zu Thorwaldſen bekannt. Dieſer fertigte 1814 für Frau von Schubart das ſchöne Denk⸗ mal an, welches Thiele, Leben und Werke Thorw., Tafel 84 giebt.

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winkte er mich zu ſich, und ich empfing ſeinen Segen, worauf er Gott in frommem Gebet unſere Zukunft empfahl. Warum der Vater nicht gegenwärtig war, kann ich mich nicht entſinnen, ich weiß nur, daß er fehlte.

In der Freude des Wiederſehens ſchwand des Sterbenden klares Bewußtſein, er legte ſich ſtill zurück und phantaſierte bis zu ſeinem letzten Augenblicke, der am Abend dieſes Tages eintrat. Nur von den lieben Engeln, welche ſein Lager umſchwebten und ihn ſeinem Vater im Himmel zuführen wollten, ſprach er und rief oft aus:O wie herrlich! O wie ſchön! So ſtarb der Großvater, und Beſſeres kann ich mir und den Meinigen nicht wünſchen, als dereinſt auch ſo einen ſanften, ſeligen Tod.

In Arolſen lebten die Eltern, wie erwähnt, nicht gerade unter den angenehmſten Verhältniſſen; daran war teils des Vaters mehrgenannte Stiefſchweſter Luiſe ſchuld. Tante Luiſe war eben ſo häßlich, wie meine Mutter ſchön; ſie hatte ſcharfe, männliche Züge, die Naſe von beſonderer Häßlichkeit, langgebogen und kupfrig, koloſſale Gliedmaßen, eine rauhe Stimme, kurz alles an ihr war abſtoßend, bis auf ihre Arme und Hände, welche, recht im Kontraſt mit ihrer ſonſtigen Bildung, zart gerundet und blendend weiß waren. An Geiſt und Klugheit fehlte es ihr jedoch nicht, und ſie verſtand, wenn ſie wollte, zu gefallen und zu imponieren. Mein Vater, dem ſie artig zu ſchmeicheln wußte, hatte viel Neigung zu ihr und glaubte, da er lim Jahr 1792] eine dritte Reiſe nach Holland unternahm, mich und meine kleine Schweſter unbedingt ihrer Liebe und Sorgfalt an⸗ vertrauen zu dürfen.

Aus der Zeit kurz vor der Abreiſe der Eltern erinnere ich mich eines Vorfalls, der tiefen, erſchütternden Eindruck auf mich machte und uns beinahe den Vater raubte. Die Eltern erwarteten Gäſte, unter andern den damals berühmten Schauſpieler Großmann und ſeine Tochter, die nachmalige Unzelmann. In den oberen Zimmern war alles feſtlich geſchmückt, einige Gäſte waren ſchon angekommen, und die Mutter ſtand am Klavier, mit Ordnen einiger Muſikſtücke beſchäftigt, wobei ich zuſah: ſie hatte den Vater gebeten, ihr aus einem anderen Zimmer ein Notenbuch zu holen, und in⸗

dem er damit zurückkehrte, ſchwankte er plötzlich und fiel be⸗

ſinnungslos nieder. Ein Schlag hatte die rechte Seite ge⸗ troffen. Der laute Angſtſchrei der Mutter zugleich mit dieſem Anblick drang tief in meine Seele. An die Stelle der behaglichen Erwartung eines heiteren Feſtes trat grenzenloſe Verwirrung und Jammer.

Sehr langſam erholte ſich der Vater wieder, aber ſein rechter Arm blieb längere Zeit gelähmt; die beab⸗ ſichtigte Reiſe erlitt einen Aufſchub von mehreren Monaten,

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