Seine freundliche Fürſorge für ſeine Schüler war auch ſpäter eine anhaltende und nie ermüdende; ſie richtete ſich wie auf ihre wiſſenſchaftliche Förderung und ihre Unterſtützung mit litterariſchen Hülfsmitteln auch auf ihre materielle Lage und iſt durch zahlreiche dankbare Briefe von Barthold, Ernſt Herrmann, Wüſtenfeld, Bialloblotzky u. a. zu erweiſen, trug ihm auch zahl⸗ reiche Widmungen von Schriften ein ¹)—.
Für die andere Seite ſeiner öffentlichen Wirkſamkeit, ſein mit weit größeren Kreiſen ihn in Verbindung bringendes bibliothekariſches Amt, brachte Wilken eine Reihe von Eigenſchaften mit, die ihn zur Entfaltung einer frucht⸗ bringenden Thätigkeit befähigten. Neben der Beherrſchung der wichtigſten neueren Sprachen, der franzöſiſchen, engliſchen und italieniſchen, die er mündlich und ſchriftlich mit gleicher Gewandtheit handhabte und zu denen im Jahre 1827 auch noch das Neugriechiſche und das Ungariſche kamen, neben der genauen Kenntnis der beiden klaſſiſchen und mehrerer orien⸗ taliſchen Sprachen und einer gründlichen theologiſchen Durch⸗ bildung machte ihn der Umfang und die Gediegenheit ſeines Wiſſens, ſeine Umſicht und ein gewiſſer mit Gelehrſamkeit gerade nicht immer verbundener praktiſcher Verwaltungsſinn, namentlich ein ausgeſprochenes Organiſationstalent für die Leitung einer derartigen großen Anſtalt beſonders geeignet. ²) Damit verband er Ordnungsſinn, Sparſamkeit, Pünktlich⸗ keit und Gewandtheit in Geſchäften. Es unterliegt keinem Zweifel, daß er dem ihm erteilten Auftrag, eine gar ſehr im Argen kirdende Bibliothek gemäß den vergrößerten An⸗
in Göttingen— im Winter 1829/30 den Mann, der mir erſt den rechten Geſchmack am Arabiſchen beibrachte; er war damals von ſeinem mehrjährigen Gemütsleiden, das er ſich durch übermäßige An⸗ ſtrengungen zugezogen, gänzlich hergeſtellt; geiſtig und körperlich friſch, hatte er ſich doch aus der Geſellſchaft faſt gänzlich zurückgezogen und lebte nur ſeinem hohen Berufe als Oberbibliothekar und der Fortſetzung ſeiner hiſtoriſchen Werke. Ich las bei ihm die arabiſche Chreſtomathie von Koſegarten; er hatte die richtige Methode, uns überſetzen zu laſſen, half da nach, wo wir anſtießen, erklärte die Konſtruktionen und fragte uns nach den ſchwierigen grammatiſchen Formen. Er ging dabei in der Bank, auf welcher wir ſaßen, be⸗ ſtändig auf und nieder und war ſo liebenswürdig und zuvorkommend, daß bei uns die größte Unbefangenheit herrſchte und wir frei ihm antworteten und ihn fragten.“
¹) Verzeichnis der letzteren ſ. im Anhang.
²) Bei dieſer Vielſeitigkeit Wilkens hat auch Alexander von Humboldt, dem dieſe bei ſeiner nahen Beziehung zu demſelben nicht unbe⸗ kannt war, ums Jahr 1840 bei ſeiner Radikalverurteilung der Berliner Gelehrtenwelt, bei der er mit wenigen rühmlichen Ausnahmen, wie z. B. Boeckhs, univerſelle Bildung und Humanität vermißte (ſ. Gutzkow, Verm. Schriften I. 213, und Rückblicke S. 243), es gewiß nur vergeſſen, Wilken gleichfalls auszunehmen; wenigſtens hätte er ihm die erwähnten Eigenſchaften nimmermehr ausdrücklich abgeſprochen.
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ſprüchen, die ſich ſeit der Gründung der Univerſität an ſie erhoben, einzurichten und zu leiten, nach dem Urteil ſeiner Vorgeſetzten und des Publikums, insbeſondere der zahl⸗ reichen Gelehrten, denen er ſie nutzbar zu machen wußte, mit Eifer. Geſchick und Glück nachgekommen iſt. Zugänglich für jedermann, leutſelig, zuvorkommend nicht nur gegen Höherſtehende und Amtsgenoſſen, ſondern namentlich auch gegen Jüngere, noch wenig Gekannte und Empfohlene, hat er die verſchiedenſten wiſſenſchaftlichen Beſtrebungen kräftig gefördert und ſo die oft verkannte Bedeutung ſeines Amtes recht anſchaulich gemacht. Allerdings ſtanden ihm größere Mittel als ſeinen Amtsvorgängern zur Verfügung ¹), und er wußte ſich eine größere Selbſtändigkeit in der Verwen⸗ dung derſelben zu ſichern²); aber es bedurfte doch be⸗ ſonderer Sachkenntnis und Umſicht, um die Lücken der Sammlung zu erkennen und dann in geeigneter Weiſe aus⸗ zufüllen; er wußte die Benutzung der aufgehäuften Schätze zu erleichtern, ſodaß wenige Bibliotheken ſich einer ſo fleißigen Benutzung wie gerade die Berliner erfreuten, und die immer vielſeitiger werdenden gelehrten Bedürfniſſe gleichmäßig zu befriedigen. Daß mancher einzelne Wunſch unerfüllt bleiben, dagegen aber auf Verlangen von höherer Seite her manche nicht im allgemeinen Intereſſe liegende Aufwendung gemacht werden mußte, hat ihn ſelbſt am meiſten geſchmerzt. ³)
Bis zum Jahre 1828 hatte ſich der Beſtand der
¹) Von 1818 ab durften jahrlich 4000 Thlr., von 1827 ab 7000 Thlr., daneben noch ein Averſum von 1000 Thlr. und ein außerordentlicher Betrag von 15000 Thlr. für die drei bis fünf nächſten Jahre für Neuanſchaffungen verwandt werden. S. Wilkens Geſch. d. Berl. Bibl., S. 132 und Varnhagen a. a. O. IV. 321. über die Geſamtkoſten der Bibliothek in den Jahren 1834—36 ſ. Koch a. a. O. I. 40.
²) Er verfügte über die für Bücheranſchaffungen beſtimm ten Fonds ohne Anfrage bei dem Miniſter und ſollte bloß den Rat der übrigen Bibliothekare und etwaige Vorſchläge der Mitglieder der Akademie der Wiſſenſchaften und der Profeſſoren der Univerſität berück⸗ ſichtigen(daſ. S. 165).
²) So war es für Wilken z. B. verdrießlich, daß Altenſtein bei ſeiner Vorliebe für naturwiſſenſchaftliche, beſonders botaniſche Studien unverhältnismäßig viel für dieſes Fach anſchaffen ließ; er klagt in einem Brief an Ebert in Dresden vom 13. Jan. 1830(auf der Kgl. öffentl. Bibl. zu Dresden), daß er im Jahre 1829 eine un⸗ geheure Summe zur Ergänzung der botaniſchen Litteratur habe ver⸗ wenden müſſen; die Berliner Botaniker ſeien eben unerſättlich und nie zufrieden zu ſtellen, und das AÄrgerlichſte ſei, daß ſie gewöhnlich die Bücher, die 3— 400 Thlr. koſteten, bloß einmal anſähen und dann ſich nicht mehr um ſie kümmerten.— Doch erklärt ſich Wilken mit ſeiner Stellung überhaupt zufrieden, in der er mit Zutrauen be⸗ handelt werde. Manche Vorteile für die Bibliothek mußten freilich dennoch auf Umwegen erreicht werden, wie z. B. durch Fürſprache Dietericis beim Miniſter u. a. m.


