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2 (1895) Jahresbericht über das Schuljahr 1894/95
Entstehung
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und ſagte:Es iſt zwei Uhr; dieſer zog die Uhr: es war genau zwei Uhr. Bald rief er mehrmals laut nach Poch⸗ hammer, er möge ihn bequem legen; als dies geſchehen war, nickte er auf die Frage, ob es ſo recht ſei, noch ein⸗ mal freundlich und verfiel dann in einen trotz ſchwerer Atmung doch ſanften und friedlichen Schlaf: es war ſein letzter. Die Glocken der nahen katholiſchen und der Werderſchen Kirche läuteten das Weihnachtsfeſt an; bei ihren Klängen wurde ſein Athem ſchwächer und ſchwächer, und genau um 5 Uhr hatte er vollendet. Während eben in den benachbarten Häuſern die Chriſtbäume angezündet wurden, hatte hier der Tod ſeinen Einzug gehalten. Am 28. Dezember morgens 8 Uhr fand das Begräb⸗ nis ſtatt. Ein zahlreiches, ausgezeichnetes Leichengefolge, viele bedeutende Vertreter der Wiſſenſchaft, insbeſondere die Mitglieder der Akademie und der Univerſität faſt voll⸗ ſtändig, auch Alexander von Humboldt, waren erſchienen. Im Hauſe hielt der langjährige Freund Wilkens, der Kon⸗ ſiſtorialrat Hoßbach, die Leichenpredigt. Auf dem Doro⸗ theenſtädtiſchen Kirchhofe, wo viele ſeiner Amtsgenoſſen und Freunde ruhten, fand auch er ſeine letzte Ruheſtätte. Am Grabe ſelbſt ſprach der Sohn ſeines alten Freundes, der Prediger Philipp Buttmann. Unweit ſeines Grabes iſt auch ſein Amtsvorgänger bei der Bibliothek, J. E. Bieſter, etwas entfernter ſind Fichte und Hegel, Gans und Gott⸗ fried Schadow beſtattet; noch etwas weiter entfernt ruhen auch Boeckh, Buttmann, Amalie von Helvig, Johannes Schulze. Neben Wilkens Grabhügel, den ein Kreuz von grünen ſchle⸗ ſiſchen Marmor bezeichnet, haben auch ſeine ihm bald nachgefolgte Gattin ¹) und ſeine älteſte frühverblichene Enkelin Thekla Pinder ihre letzte Ruheſtätte gefunden.

Seitdem Wilken in Berlin lebte, bildete die Leitung der ihm anvertrauten Bibliothek die nach außen hin immer

¹) Sie ſtarb nach längerem Siechtum am 29. April 1842. Durch die Verlobung ihrer noch heute in Gernsbach in Baden lebenden Tochter Betty mit Dr. von Pochhammer, deren Vermählung im folgenden Jahre ſtattfand, hatte ſie auch noch ihr jüngſtes Kind verſorgt geſehen. Wilkens Tod veranlaßte eine Anzahl kleinerer biogra⸗ phiſcher Skizzen in der Tageslitteratur, die teilweiſe nicht ohne Wert ſind, da ſie von Männern wie Friedrich Wilhelm Barthold(Allg. Zeitung v. 12. Jan. 1841), Otto Friedrich Gruppe(Allg. Preuß. Staatszeitung v. 4. Febr. 1841), Perſchke(Kgl. Privileg. Berl. Ztg. v. 4. Jan. 1841), Spiker(Haude u. Spenerſche Zeitung v. 2. Jan. 1841), Brandis(Litterar. Zeitung 1841. Nr. 1) u. a. herrühren. Sonſt finden ſich noch biographiſche Skizzen über ihn in Hübners Zeitungslexikon, 31. Aufl. v. Rüder, IV. S. 946, in Lübkers und Schröders Lexikon der ſchlesw.⸗holſt.⸗lauenburgiſchen Schriftſteller S. 756 59, Franz Liebers Encyclop. Americana Bd. XIII. u. a. m.

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mehr ſich geltend machende Seite ſeiner amtlichen Be⸗ ſchäftigung, hinter die ſogar ſeine akademiſche Lehrthätigkeit in gewiſſem Maße zurücktrat. Es iſt oben ſchon darauf hingewieſen worden, daß infolge ſeiner mehrmaligen ſchweren Erkrankung in den Jahren 182327 ſeine Zuhörerſchaft der Zahl nach zurückging; hierzu trug auch der Umſtand bei, daß er wegen ſeiner vom Jahre 1830 ab immer ſich ſteigernden körperlichen Beſchwerden zu ſeinem eigenen Bedauern faſt alljährlich gezwungen war, zum Gebrauche einer Badekur um einen Urlaub nachzuſuchen und dieſe bei noch guter Jahreszeit zu beginnen, was ihn wiederum nötigte, ſeine Vorleſungen früher abzubrechen oder weſentlich abzukürzen, wenn er nicht überhaupt vorzog, von einem größeren Kolleg ganz abzuſehen. Daß ſich noch vor ſeiner Erkrankung und während der Jahre, wo der vom Schickſal ſchwer ge⸗ troffene Mann im Auslande weilen mußte, andere Dozenten der Geſchichte an der Hochſchule aufthaten, wie 1819 Raumer und 1825 Ranke, that ihm fürs erſte noch keinen ſonderlichen Abbruch, da ſelbſt des letzteren anfäng⸗ liche Erfolge von 1825 1827, wo er Berlin wieder verließ, auch nicht ſehr groß waren; auch Raumers nur mäßige Vortragskunſt war nicht gerade geeignet ihn ſehr zurückzu⸗ drängen, beſonders da Wilken als Hiſtoriker bei ſeinem wohlverdienten Rufe ſorgſamſter Gründlichkeit dem zwar glänzender darſtellenden, aber häufig oberflächlich arbeiten⸗ den ¹) Geſchichtſchreiber der Staufer von allen Kennern vorgezogen ward. Später freilich, als Ranke von ſeiner großen Studienreiſe nach Berlin zurückgekehrt war und nun die jungen Hiſtoriker um ſich ſammelte, welche die Jahr⸗ bücher des deutſchen Reiches bearbeiteten und vorzugsweiſe den Namen der Rankeſchen Schule erhielten, da trat gegen den Glanz des Meiſters derſelben, den in ſeinen Vorleſungen auch zahlreiche Hörerverſammlungen um⸗ drängten, Wilkens Lehrthätigkeit um ſo mehr zurück, als trotz langjähriger Übung die oben(S. 15 Sp. 1) erwähnten Mängel ſeiner Vortragsweiſe ſich nicht gebeſſert hatten. ²)

¹) Wie ihm namentlich Stenzel(Geſch. der fränkiſchen Kaiſer, II. S. 156 178) zuerſt nachwies. Vergl. auch Stägemanns Ur⸗ teile in den Briefen Chamiſſos, Gneiſenaus u. a.(aus dem Nachlaſſe Varnhagens), II. 111.

²) Von Intereſſe wäre es wohl, genauer feſtzuſtellen, welche Beziehungen zwiſchen Wilken und Ranke obwalteten. Ein näheres Verhältnis beider war dadurch erſchwert, daß, als letzterer 1825 ſich in Berlin habilitierte, Wilken gerade jahrelang abweſend war und ein halbes Jahr etwa nach ſeiner Rückkehr Ranke wiederum für Jahre Berlin verließ. Vom Jahre 1832 an waren beide Kollegen an der Hochſchule wie an der Akademie. Friedrich Franz Wilken erwähnt in ſeinen Aufzeichnungen Ranke nirgends; auch Briefe desſelben ſind in Wilkens Nachlaß nicht enthalten; doch finden ſich auch von ſeinen vertrauteſten Freunden Boeckh und Buttmann nur ſolche