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2 (1895) Jahresbericht über das Schuljahr 1894/95
Entstehung
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deſſen Bäder auch ſo wohlthätig auf ihn wirkten, daß er ſich entſchloß, wieder einmal Heidelberg aufzuſuchen.

Von Anfang Auguſt bis Mitte September weilte er mit ſeiner Gattin und ſeiner Tochter wieder in der ſchönen Neckarſtadt, wo zu ihrer Freude noch viele gute Freunde ihnen die anhänglichſte Geſinnung bewahrt hatten; es war, als falle noch einmal ein Sonnenſtrahl des Glücks in die Dämmerung ſeines hinſinkenden Lebens, als der früher ſo blühende ¹), jetzt durch unaufhörliche Schmerzen vorzeitig zum Greiſe gealterte Mann ſich wieder mit den Freunden ſeiner ſchönſten Jahre vereinigt ſah.

Die Familien Nägele und Gmelin hatten ihnen auf ihre Bitte eine Wohnung in der Vorſtadt gemietet und aufs freundlichſte mit Blumen ausgeſchmückt, hatten ſie auch in dieſer erwarten und empfangen wollen; indeſſen kamen ihnen die Reiſenden zu früh an, aber ſchon eine Viertel⸗ ſtunde nach deren Ankunft erſchienen die alten Freunde, Thibauts und Nägeles und Gmelins, mit Blumen⸗ und Kuchenkörben und umgaben ſie mit freudigem Jubel. Es begann eine Zeit genußreichſten Verkehrs mit dieſen wie mit den Familien von Schloſſer der nur leider mit Thibaut ſich überworfen hatte und von Creuzer, der ſich wieder mit einer netten jungen Frau verheiratet hatte ²), Abegg und Ullmann, Paulus und Chelius; die oben⸗ erwähnte(S. 63 Sp. 1) ehemals ſo ſchöne Sophie Paulus, damalige Frau von Schlegel, fand Karolineauf eine höchſt unangenehme Weiſe veraltet, während der alte Creuzerunter ſeiner roten Perrücke blühte wie ein friſcher Baum.Ich lebe hier in Herrlichkeit und Freuden, ſchreibt Wilken ſelbſt;ſowohl meine ehemaligen hieſigen Kollegen als die ſpäter hier angeſtellten Profeſſoren, ſo⸗ viel ich deren kennen gelernt habe, haben mich mit der größten Herzlichkeit aufgenommen, und es iſt mir überaus erfreulich, zu ſehen, daß ich hier noch in gutem Andenken ſtehe. Betty Wilken gewann ſich auch durch ihren ſchönen Sopran und durch ihre Liederkunſt des alten Thibaut ganzes Herz.Vater Thibaut iſt ganz außer ſich über ihren Geſang und ihre Stimme, ſchreibt ihre Mutter. Dieſer ſelbſt war es rührend, zu vernehmen, daß der alte Freund ſich alle ihre Lieblingslieder geſammelt hatte und

¹) S. Jakob u. Wilhelm Grimms Jugendbriefe, S. 216, wo Jakob über Wilken am 8. Januar 1814 ſchreibt, er ſehe nicht wie ein Gelehrter, ſondern wie ein Geſchäftsmann mit roten Backen aus, und S. 362, wo es in einem Briefe Wilhelms vom 13. Oktober 1814 heißt:Creuzer und Wilken kamen einen Abend zu mir; dieſen hab' ich an Deiner Beſchreibung erkannt.

²) S. meine Abhandlung im Progr. d. Caſſeler Friedr.⸗Gymnaſ. von 1890 S. 5.

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oft ſpielte. Etwa Mitte September wurde die Rückreiſe angetreten, und am 20. traf man über Frankfurt, Geln⸗ hauſen, Naumburg und Leipzig fröhlicher Eindrücke voll wieder in Berlin ein.

Im Jahre 1839 ließ Wilken ſeine letzte litterariſche Arbeit erſcheinen, die Fortſetzung der im Jahre 1828 heraus⸗ gegebenen Geſchichte der Berliner Bibliothek; ſie umfaßt auf 30 Quartſeiten die Jahre 18271839 und iſt dem Verzeichniſſe der neuen Erwerbungen der Biblio⸗ thek während der Jahre 1837 und 1838 vorgedruckt.

Juli und Auguſt dieſes Jahres verbrachte Wilken, diesmal von ſeiner Gattin begleitet, wieder in gewohnter Weiſe in Teplitz, wo unter anderen Bekannten auch be⸗ ſonders der Chronolog Ideler mit ihnen zuſammen weilte; doch fühlte Wilken ſich matt und hinfällig.Einen Beweis, heißt es in einem Briefe ſeiner Gattin,wie wenig den Vater jetzt alles, was ihn ſonſt doch noch an⸗ regte, jetzt intereſſiert, gibt die Anweſenheit des Königs. Dieſer war dem Vater in ſeinem Rollſtuhle begegnet und hatte ſich gleich an dem Tage durch Fürſt Wittgenſtein und Humboldt nach ihm erkundigen laſſen. Den Nach⸗ mittag kam Humboldt ſelbſt und erzählte, der König habe mit großem Antheil vom Vater geſprochen, fragte auch den Vater, ob er ſich wohl getraue in den Schloßgarten zu gehen. Der Vater verneinte dies letztere, und obwohl. ihn die Güte des Königs und Humboldts Beſuch für den Tag ſehr erheiterte, zeigte er doch am andern Tage nicht die mindeſte Luſt, den König im Schloßgarten zu ſehen.

Auf der Rückreiſe hielten ſie ſich wieder eine Zeitlang in Dresden auf und zwar in lebhaftem Verkehr mit den alten Freunden, unter denen freilich der alte getreue Böttiger, der im Jahre 1835 heimgegangen war, ſchmerzlich vermißt ward. Ein gewiſſer Erſatz für dieſen wurde ihnen in deſſen Namensvetter zu teil, dem durch ſeine zarten lyriſchen Poeſien bekannten ſchwediſchen Dichter Karl Wilhelm Böttiger, dem Freund und Biographen Tegnérs; dieſer ſchloß ſich während ihres Aufenthalts in Dresden ihnen ſo an, daß er ihnen bald nach Berlin nachfolgte, ſogar in ihr Haus zu ihnen zog und den Wilkenſchen Kindern ein lieber, treuer Freund für das Leben wurde. In Dresden hatte Wilken ferner die Freude, den alten Heidelberger Freund Grafen Wolf Baudiſſin wieder einmal länger bei ſich zu ſehen. Eine Einladung Tiecks, bei dem Steffens war, konnte Wilken nicht annehmen, da ihm ſein Leiden Vor⸗ ſicht gebot. Aber ſonſt fühlte er ſich in Dresden ſehr wohl.Ich kann Dir gar nicht beſchreiben, wie heiter der Vater hier iſt, ſchreibt Karoline.Geſtern hatten wir bei Tiedge ein gar hübſches Diner, nur war unſer alter