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2 (1895) Jahresbericht über das Schuljahr 1894/95
Entstehung
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drungenem Körper ſaß ein mächtiger Kopf mit faſt löwen⸗ artigen Zügen und etwas gewelltem reichen blonden Haar.

Mit Schelling traf Wilken nochmals bei einem großen Mittagsmahl zuſammen, welches der bekannte Staatsrat von Maurer, ein ehemaliger Schüler Wilkens in Heidelberg, zu Ehren ſeines alten Lehrers veranſtaltete; bei dieſem lernte er auch Cornelius kennen, in deſſen Atelier er alsdann auch die Cartons zu ſeinem jüngſten Gericht anſah, ſowie den Juriſten Phillips. Auf der Hof⸗ und Staats⸗ bibliothek zeigte ihm der treffliche Schmeller deren Merk⸗ würdigkeiten, und Wilken wählte aus den Dubletten dieſer Anſtalt eine beträchtliche Anzahl ſeltener Werke für die Berliner Bibliothek aus, z. B. die dritte, ſiebente und achte Ausgabe der vorlutheriſchen deutſchen Bibelüberſetzung; dafür wurden eine Anzahl von Dubletten in Tauſch gege⸗ ben und dreihundert Gulden aufbezahlt.

Auch Görres gab, um Wilken zu ehren, eine große Geſellſchaft, in der es ſehr lebhaft zuging.Bertram gab allerlei komiſche Dinge zum beſten, erzählt Friedrich Franz, und Görres ſelbſt warf zuweilen eine Derbheit hinein. Ich habe übrigens kaum je einen gröberen Menſchen geſehen als dieſen berühmten Mann, und ſein Sohn Guido ahmte ihm nach. Man ſah dort übrigens, daß man ſich in echt katholiſcher Luft bewege: wohin man blickte, Madonnen⸗ bilder und Crucifixe. ¹)

Am 24. Auguſt wurde die Heimreiſe angetreten. Die⸗ ſelbe führte über Nürnberg, Bamberg, Koburg und Rudol⸗ ſtadt zunächſt nach Jena, wo Wilken von ſeinem alten, leider ſtocktaub gewordenen Freunde Gries und von ſeinem Univer⸗ ſitätsgenoſſen Luden freudig empfangen wurde. Nach ein paar ſchönen Tagen in Naumburg, wo unterdeſſen Karoline mit der jüngſten Tochter und das Ehepaar Pinder mit ſeinen drei Kindern ſich eingefunden hatten, langte man end⸗ dann am dritten September über Leipzig wieder in Berlin an.

Am 22. November erhielt Wilken von Altenſtein den Auftrag, zufolge der Kabinettsordre vom 31. Oktober an den Beratungen der Kommiſſion teilzunehmen, welche die an dem Rauchſchen Denkmal Friedrichs des Großen dar⸗ zuſtellenden geſchichtlichen Momente begutachten ſollte. Wilken fertigte dabei auch für Rauch auf deſſen Bitte eine Liſte der an dem Denkmal bildlich anzubringenden Generale des großen Königs an, welche einundzwanzig Namen um⸗ faßte; Rauch fügte als zweiundzwanzigſten noch Winter⸗

¹) Über Görres in ſeinem Alter, wo er gar abergläubiſch ge⸗ worden war und der Teufel eine große Rolle bei ihm ſpielte, ſ. Friedrich in der Allg. D. Biogr. S. 387; über ihn als wenig bedeutenden Geſchichtslehrer, der nur geiſtliche Zuhörer hatte, ſ. L. Feuerbach im Leben ſeines Vaters Anſelm F., II. 269.

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feld zu, und alle außer Schmettau ſind denn auch, freilich erſt nach zehnjährigen unerquicklichen Verhandlungen, während deren unter Mitwirkung von Preuß, Schöning und Adolf Menzel die Zahl der Namen endgültig ſich auf 105 erhöhte, auf dem Denkmal entweder bildlich oder inſchriftlich an deſſen Fußgeſtell verherrlicht worden. ¹)

18361840.

Etwa im Juni 1836 bezog Wilken zwar eine Sommer⸗ wohnung im Dorf Schöneberg bei Berlin, reiſte aber im Auguſt doch ſchon wieder mit ſeinen beiden jüngſten Kindern zum Kurgebrauch nach Teplitz, wo er auch Savigny antraf. Hier wurde er durch folgendes Handſchreiben des Königs vom 2. September überraſcht:Ich habe in

Erfahrung gebracht, daß Ihre Geſundheits⸗Umſtände Sie

genöthigt haben, eine Badereiſe zu unternehmen, von welcher Ich Ihnen den beſten Erfolg wünſche. Da die Anſtrengungen in Ihren vielſeitigen Dienſtgeſchäften Mir nicht entgangen ſind, ſo habe Ich Ihnen die Aeußerung Meiner Zufrieden⸗ heit mit letzteren nicht verſagen wollen und füge ein Ge⸗ ſchenk von Vierhundert Thalern hinzu, von welchem Ich vorausſetze, daß es Ihnen willkommen ſein werde. Der Chef des Finanz⸗Miniſterii hat den Auftrag zur Zahlung erhalten.

Im Dezember des Jahres ernannte ihn die Ruſſiſche Akademie der Wiſſenſchaften zu ihrem Korreſpondenten, nachdem er kurz vorher auch von der Akademiſchen Geſell⸗ ſchaft in Troyes zum Mitglied erwählt worden war.

Im folgenden Sommer, 1837, wurde er wieder nach den Soolbädern von Köſen geſchickt, wohin ihm ſeine Gattin und ſeine jüngſte Tochter folgten; da ſeine Tochter Sophie mit ihren drei Kindern und ihrem Schwiegervater ebenfalls daſelbſt weilte, ſo verlebte er dort bis um die Mitte September ein paar angenehme Wochen. Seine jüngere Tochter hatte ſich zu einer trefflichen Sängerin ausgebildet, feierte in Köſen und in dem nahen Naumburg wahre Triumphe und bereitete dadurch ihrem Vater große Freude.

Der Juli 1838 gab ihnen den Verluſt ihres Freundes Klenze zu betrauern, der ganz plötzlich nach einem Krank⸗ ſein von nur wenigen Stunden an der Cholera ſtarb, nach⸗ dem er noch am Abend zuvor mit Moritz Pinder munter und guter Dinge aus der griechiſchen Geſellſchaft heimge⸗ wandert war.

Seinen längſt unentbehrlich gewordenen ſommerlichen Kuraufenthalt nahm Wilken in dieſem Jahre in Wiesbaden,

¹) S. Eggers, Rauch, IV. 81, 106-110, wo(106) Wilken indeſſen als Geheimer Regierungsrat im Kriegsminiſterium bezeichnet iſt. 10