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ſchwarzen Haaren und klugen Augen; der Vater war nicht wenig ſtolz auf dies Kind, das als Klavierſpielerin ſchon öffentlich aufgetreten war und ſpäter die Virtuoſin werden ſollte, die ihren berühmten Mitſchüler Robert Schumann heiratete und noch in Frankfurt a. M. lebt; Vater und Tochter weilten noch eine Zeitlang bei ihnen in Teplitz; zu einem Konzert, das die muntere Kleine nach dem Wunſche des Vaters dort geben ſollte, kam es indeſſen doch nicht. Außerdem fand Wilken in Tepxlitz noch an⸗ regenden Verkehr mit dem Profeſſor und ſpäteren Direktor des Gymnaſiums zum Grauen Kloſter in Berlin, J. Fr. Bellermann, und mit dem Prager Hiſtoriker Profeſſor Schottky; beſonders erfreute ihn auch ein Beſuch des Grafen Reinhard, damaligen franzöſiſchen Geſandten in Dresden; dieſer ſtand mit Wilkens Freunden Hammer und Eliſe von der Recke auf vertrautem Fuße, und Wilken fand in den Geſprächen mit dem feingebildeten, liebens⸗ würdigen Manne großen Rciz. ¹)
Durch die Badekur in ſeinem Befinden weſentlich gebeſſert und geſtärkt, verließ er Teplitz am 23. Auguſt und kam über Dresden, wo er von den alten Freunden Böttiger, Herrmann, Eliſa und Tiedge freudig begrüßt, von Reinhard ſofort eingeladen wurde und auch den Be⸗ ſuch des berühmten Kriminaliſten Anſelm von Feuerbach,
eines vertrauten Freundes von Eliſe von der Recke, empfing,
am 28. Auguſt wieder in Berlin an.
Hier fand er alles in Sorge und Aufregung wegen der aus Rußland allmählich vordringenden Cholera. Die Eltern Pinders wünſchten daher, damit ihr Sohn in der befürchteten ſchlimmen Zeit nicht allein ſtehe und etwa der richtigen Pflege entbehre, deſſen baldige Verheiratung und halfen dieſelbe ermöglichen; ſo fand denn dieſe auch am 25. September 1831 in Wilkens Hauſe ſtatt. Auf die Trauung, die Schleiermacher vollzog, folgte ein Mit⸗ tagsmahl in illuſtrer Geſellſchaft; außer Schleiermacher nahmen auch Hegel, Zelter, Boeckh, Johannes Schulze u. a. daran teil, und trotz Cholerafurcht ging es ſehr heiter dabei zu. Und doch hatte ſich die furchtbare Krank⸗ heit, die in der That ſchon im nächſten Monat, erſt ver⸗ einzelt, bald aber geradezu verheerend in Berlin auftrat, ein berühmtes Glied des fröhlichen Kreiſes zum Opfer
¹) Am 6. Auguſt 1831 ſchreibt Wilkens Frau ihm über Ber⸗ liner Univerſitätsangelegenheiten:„Von Gans muß ich Dir doch etwas Hübſches erzählen. Er iſt Dekan geworden, und daß er es wurde, verdankt er mit der edlen Dreiſtigkeit, ſich ſelbſt ſeine Stimme zu geben. Auch Böckh findet dies denn doch etwas ſtark. Gans aber ſagt ganz unbefangen:„Ich weiß nicht, was die Leute wollen, ich wollte Dekan ſein, wollte keinen andern, folglich gab ich mir ſelbſt meine Stimme.“
auserſehen; am 14. November ſchon erlag ihr Hegel, zum V tiefen Schmerz auch der Wilkenſchen Familie. ¹) Auch der Kollege Wilkens, der Kuſtos an der Bibliothek und Profeſſor Fr. W. Valentin Schmidt, ſtarb als eines der erſten Opfer der Krankheit.²) Im nächſten Jahre mußte die Familie noch einen treuen Freund dahingeben, den alten Zelter. ³)
Nachdem im Januar 1831 auch Niebuhr in Bonn geſtorben war, ging die Oberaufſicht über die von demſelben begonnene Ausgabe der byzantiniſchen Geſchichtsſchreiber an die Akademie der Wiſſenſchaften in Berlin über, und in deren Auftrag übernahm nunmehr Wilken dieſelbe und führte ſie bis zu ſeinem Tode fort. Dieſes Geſchäft brachte ihn namentlich mit dem ihm ſchon perſönlich bekannten Philologen Karl Benedikt Haſe in Paris in vielfache Berührung.
Im Frühjahr 1832 erſchien dann endlich, nachdem die Gicht ihn im Winter ſchwer geplagt und wochenlang des Gebrauches der Hand und des Armes beraubt hatte,
¹) Vor mir liegt ein Brief von Hegels Sohn Immanuel.„Im Namen meiner tiefgebeugten Mutter übernehme ich die traurige Pflicht, Ihnen das heut um 5 Uhr erfolgte Dahinſcheiden meines vielgeliebten Vaters anzuzeigen. Er entſchlummerte nach kurzem, kaum zwei⸗ tägigem Leiden und ohne Todeskampf an der Cholera. Das Be⸗ gräbnis wird morgen Abend um 6 Uhr erfolgen. Berlin den 14. November 1821. J. Hegel.“ Über die Cholera in Berlin 1831 vergl. auch beſonders Gutzkow, Rückblicke, S. 33 f., Eylert, Charakter⸗ züge aus dem Leben Friedrich Wilhelms III. Bd. II. 2. 359 ff.
²) S. über ihn die Allg. D. Biogr. 32. 14 f. und über ſeinen übertritt zum Katholizismus Holtei, Briefe von u. an Tieck II. 363.
³)„Der alte Goethe“, ſchreibt Zelters ihn hochverehrende Schülerin Sophie Pinder ihrem Bruder nach Bonn,„hat unſern ehrlichen Zelter bald nach ſich gezogen; alle ſind überzeugt, daß er noch länger gelebt haben würde, wenn nicht das Verlangen nach dem verlorenen Freund ſeinen Heimgang beſchleunigt hätte. Den Abend vorher, ehe er krank wurde, ſoll er lange in Gedanken vor Goethes Büſte geſtanden haben und endlich mit den Worten geſchieden ſein: „Nun gute Nacht, Excellenz, lange ſollſt Du nicht auf mich warten.“ Seine Töchter haben dies der Mutter erzählt.“— Und Karoline fügt zu:„Geſtern früh um 6 Uhr iſt er verſchieden, ſehr ſanft. In der Nacht vor ſeinem Tode hat er noch einmal Wein begehrt und als man ihm dieſen gereicht, geſagt: Das ſchmeckt beſſer als all euer verfluchtes Zeug von Tränken, das ihr mich habt ſchlucken laſſen.“— So beliebt Zelter in ſeinem Leben war, ſo erregte doch ſein Briefwechſel mit Goethe, der nach ſeinem Tode veröffentlicht wurde, in Berlin großes Ärgernis, da der Alte in jenen Briefen, um Goethe zu amüſieren, auf Koſten ſeiner übrigen Freunde ſeinem Humor alle Zügel hatte ſchießen laſſen. Auch Wilken hätte Grund ſinden können, ſich über ihn zu beklagen, weil Zelter am 22. April 1823 an Goethe ge⸗ ſchrieben hatte:„So fällt mir unſer Oberbibliothekar ein, der ſeit 4 Wochen geiſteskrank iſt, und die Arzte befürchten einen permanenten Zuſtand. Drey bis vier Unterbibliothekare ſind leidtragend in Freuden, den vorgezogenen Obervorſtand ad minus uihilum degradirt zu ſehen.“ (III. 311.).


