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2 (1895) Jahresbericht über das Schuljahr 1894/95
Entstehung
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1827 im Wiener Archive wertvolle und bis dahin unbekannte Materialien gefunden hatte; ferner hielt er in fünf Sitzungen der Akademie in den Jahren 1829 und 1830 über die „Verhältniſſe der Ruſſen zum byzantiniſchen Reiche in dem Zeitraume vom 9. bis zum 12. Jahr⸗ hundert“ eine Reihe von Vorträgen, die in den Abhand⸗ lungen der Akademie von 1829, S. 75— 135 gedruckt ſind. Während des Univerſitätsjahres 1829/30 gehörte er dem akademiſchen Senat an und wurde im März 1830 von der hiſtoriſch⸗philoſophiſchen Klaſſe der Akademie an Stelle Buttmanns zu ihrem ſtändigen, alſo zu einem der vier Sekretäre gewählt, welche abwechſelnd das Präſidium des Inſtituts führen; dieſe ihn ehrende Vertrauensſtellung trug ihm daneben ein Gehalt von jährlich 300 Thlrn. ein.

Im Jahre 1830 gab Wilken Nachbildungen zarter und feiner Bleiſtiftzeichnungen eines niederländiſchen Meiſters aus dem 15. Jahrhundert heraus, meiſt Studien nach Köpfen. Die Zeichnungen waren mit Genehmigung des Miniſters nach den auf der Bibliothek befindlichen Origi⸗ nalen, kleinen Schreibtafeln aus Ahornholz, von Paalzow auf Stein übertragen und erſchienen, von Wilken mit einer kurzen hiſtoriſchen Nachweiſung begleitet, in bloß 150 Ab⸗ drücken in Queroktav ¹).

Weiter gab er damals die Erzählung des Niketas von den antiken Statuen, welche die Kreuzfahrer nach der Eroberung Conſtantinopels im Jahre 1204 zerſtört hatten, in einer neuen Redaktion heraus, und zwar verbeſſert nach dem im Jahr zuvor in Oxford verglichenen Bodleianus. Immanuel Bekker hat in ſeiner Ausgabe des Niketas in der Bonner Sammlung byzantiniſcher Geſchichtsſchreiber (S. 854— 868) dieſe Redaktion Wilkens mit Noten von dieſem wieder abdrucken laſſen.

Und endlich erſchien, noch kein Jahr nach der Ver⸗ öffentlichung des fünften, im Auguſt 1830 ſchon der ſechſte Band der Geſchichte der Kreuzzüge ², als ein Beweis des angeſtrengten und hingebenden Fleißes, den Wilken — obwohl überall beengt durch ärztliche Vorſchriften— dem Hauptgegenſtande ſeiner Studien doch in den letzten Jahren zugewendet hatte.

So durfte er es für eine wohlverdiente Anerkennung halten, als ihm am 14. Nov. 1830 von Friedrich Wilhelm III. der Titel eines Geheimen Regierungsrats verliehen wurde.

¹) Beſprechung fanden dieſe„Entwürfe und Studien eines niederländiſchen Meiſters“ durch Böttiger in ſeinem Artiſtiſchen Notizenblatt 1830. Nr. 16.

²) S. die Kritik von Aſchbach in den Jahrb. f. wiſſſnſch. Kritik 1831 Nr. 52 u. 53, S. 409— 22, und von Koſegarten, der alle ſechs Bände beſpricht, in der Allg. Litt. Ztg.(Halleſche) 1832. II. 585— 602.

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1831—P—1835.

Im Sommer 1831 erhielt Wilken den Auftrag, die ganz in Vergeſſenheit und Verfall geratene Bibliothek der ehemaligen Herzöge von Sachſen⸗Weißenfels, welche ſich im Amtsgebäude zu Sangerhauſen befand, anzuſehen und das Brauchbare für die Bibliothek in Berlin auszuwählen. Er reiſte daher am 16. Juli in Begleitung ſeines älteſten Sohnes, der zu Michaelis 1830 die Reifeprüfung beſtanden hatte und ſeitdem auf der heimiſchen Univerſität die Rechte ſtudierte, und des Bibliothekſekretärs Kießling zunächſt nach Halle. Dort lernte er den ehemaligen Privatdozenten Friedrich Ritſchl¹) kennen und traf in einer Abend⸗ geſellſchaft bei ſeinem Freund M. E. Meier, dem Heraus⸗ geber von Erſch und Grubers Encyeclopädie, für die auch Wilken manchen Artikel geliefert hat, mit den be⸗ rühmteſten Halleſchen Gelehrten, Geſenius, Bernhardy, Heffter, Leo u. a. zuſammen. Nachdem dann in Sangerhauſen unter anſtrengender Arbeit manches Wertvolle ausgeſucht und nach Berlin geſchickt, darauf der Kyffhäuſer beſucht worden war, fuhr er über Artern und Weißenſee noch nach Erfurt, ließ ſich da von dem Philologen Kritz in die Auguſtina und in die Stadtbibliothek führen, langte dann über Weimar und Naumburg am 22. Juli in Leipzig an, von wo Kießling nach Berlin zurückkehrte, und fuhr endlich über Meißen und Dresden nach Teplitz, um gegen ſeine inzwiſchen wieder eingetretenen gichtiſchen Leiden, die wieder eine anſehnliche Beule an ſeinem Arm aufgetrieben hatten, dort eine Kur zu gebrauchen. Denn wenn auch die beſondere Rüſtigkeit und Kraft, die Wilken als Frucht der ſorgſamſten körperlichen Pflege 1827 von Wien mitgebracht hatte, etwa bis ins Jahr 1830 ſich erhalten hatte, ſo zeigte ſich doch um dieſe Zeit, daß ſeine Geſund⸗ heit wieder ſtark erſchüttert war; er hat auch in dem nun beginnenden letzten Jahrzehnt ſeines Lebens nie wieder vollſtändige Heilung, ſondern nur vorübergehende Linderung⸗ ſeiner Leiden gefunden.

Gegen Ende der Reiſe, im böhmiſchen Dorfe Arbeſau, wo Friedrich Wilhelm III. das Denkmal zur Erinnerung. an die Schlacht bei Kulm hatte aufſtellen laſſen, befreun⸗ deten er und ſein Sohn ſich mit dem Leipziger Muſiklehrer, früheren Theologen Wieck und deſſen zwölfjähriger Tochter Clara, einem zierlichen Mädchen von blühender Geſichtsfarbe,

¹) Dieſer verlebte dann die Weihnachtsferien 1831 in Berlin und brachte einen Abend auch bei Wilken, einen anderen bei Pinder zu; Ribbeck, Ritſchl, I. 91. Wilkens Intereſſe für Ritſchl und das von dieſem entdeckte Prinzip der Stichometrie bekundet auch ein Brief Wilkens an ihn vom 14. Juni 1838, b. Ribbeck, II. 242.