auch der ſiebente Band von Wilkens Geſchichte der Kreuzzüge, und zwar in zwei Abteilungen. Damit fand das vor einem Vierteljahrhundert begonnene große Hauptwerk ſeines Lebens ſeinen Abſchluß ¹).
In demſelben Jahre ließ er auch noch nach Göttinger, Pariſer und Berliner Handſchriften die erſte Ausgabe
70
der Geſchichte der Gasneviden von dem perſiſchen Ge⸗
ſchichtsſchreiber Mirkhond erſcheinen, über deren Verdienſt⸗ lichkeit ſchon oben die Rede war; ²) für die beiden letztge⸗ nannten Arbeiten ließ der König unter dem 9. September
ihm einen koſtbaren Ring überreichen. Und endlich enthalten die Abhandlungen der Königlichen Akademie vom Jahre 1831 auf S. 29— 46 einen am 28. April 1831 von ihm in der Akademie geleſenen Aufſatz über die venetianiſchen Konſuln in Alexandrien im 15. und 16. Jahrhundert.
Im Frühjahr 1832 erſchien ein gar liebenswürdiger alter Freund der Familie aus der Heidelberger Zeit in
Berlin, Sulpiz Boiſſerée, und verweilte während ſeiner „Das
längeren Anweſenheit häufig in ihrem Kreiſe. Wiederſehen mit Wilkens“, ſchreibt er ſeiner Frau,„(und Seebecks) war Freude(und Schmerz zugleich). Wilken iſt körperlich abgeſpannt, aber ſein Geiſt ungeſchwächt. Die Frau empfing mich mit der Zärtlichkeit einer Schweſter“ ³). Auch wohnte um dieſe Zeit ein Bruder Moritz Pinders bei Wilken, Julius Pinder, der etwa 1848 Oberpräſident von Schleſien war. Dagegen bezog im April 1832 ſein Sohn Friedrich Franz die Univerſität Bonn. Die immer wieder ſich zeigende, aber glücklicherweiſe ihm ſtets nur körperliche Pein verurſachende Gicht nötigte Wilken im Spätſommer 1832 zu einer Reiſe nach Eilſen
¹) Eine eingehende und anerkennende— nach Idelers Aus⸗ druck in einem Briefe an Wilken freilich„in lächerlich vornehmem Tone geſchriebene“— Kritik des Bandes gab Hammer in den Wiener Jahrbüchern der Litteratur, Bd. LX. 1832, S. 199— 222; andere brachten Koſegarten in der Allgem. Litt. Ztg. 1834 I., 97 bis 108, und Aſchbach in den Berliner Jahrb. für wiſſenſchaftliche Kritik, 1833, Oktober, S. 500— 517.
²) S. o. S. 19 Sp. 2. Der Titel lautet: Mohammedi, filii Chondschahi, vulgo Mirchondi historia Gasnevidarum persice ed. Fr. Wilken; mit lateiniſcher Überſetzung XVI. u. 280 pp. 4°. Berlin, 1832, Duncker u. Humblot. Rezenſion von v. Bohlen in d. Berl. Jahrb. f. wiſſ. Kritik, 1833, Mai, S. 753— 763.
³) Sulpiz Boiſſer e I. 589. Daſelbſt S. 592 u. 598(an ſeinen Bruder Melchior):„Ich habe während der Manöver das Königspalais und das Palais des Prinzen Karl, ſowie auch das Zeughaus geſehen. Wilken war nie in dieſen Gebäuden geweſen und freute ſich mich begleiten zu können. Er hat mich dagegen in eine Sitzung der Akademie geführt, von welcher er für dieſes halbe Jahr als Sekretär der hiſtoriſch⸗philoſophiſchen Klaſſe Präſident iſt.“
in der Nähe von Bückeburg, wo er Schlamm⸗ und Schwefel⸗ bäder brauchen ſollte. Der Fürſt von Schaumburg⸗Lippe mit ſeiner Familie empfing ihn dort ſehr herzlich und be⸗ mühte ſich, dem alten Lehrer den Aufenthalt in ſeinem Bade ſo angenehm als möglich zu machen. Eine beſondere Freude fand Wilken und ſeine Familie— ſeine Frau und ſeine jüngere Tochter und auch der von Bonn zurückkehrende Sohn fanden ſich nämlich gleichfalls in Eilſen ein— im
Verkehr mit Karolinens Bruder Karl Wilhelm Tiſchbein, der ein angeſehener Hiſtorienmaler geworden war und, dem als ein Zeichen ſeines Dankes und ſeiner Anerkennung
konnte.
Fürſten naheſtehend und von ihm zum Hofrat ernannt, dauernd in Bückeburg lebte.
Das Jahr 1833 brachte ihm die Erwählung zum Mitglied der Geſellſchaft für Schleswig⸗Holſteiniſche Ge⸗ ſchichte, des thüringiſch⸗ſächſiſchen Vereins für Erforſchung des vaterländiſchen Altertums, der deutſchen Geſellſchaft zur Erforſchung vaterländiſcher Sprache und Altertümer zu Leipzig und der Königlichen Nordiſchen Altertums⸗ geſellſchaft in Kopenpagen; im folgenden Jahre wurde er zum Korreſpondenten der Königlichen Académie des sciences et belles-lettres zu Brüſſel erwählt.
Erwähnt wurde ſchon, daß er nach dem Tod des Wirklichen Geheimen Rates von Raumer im Jahre 1833 auch den Altersvorſitz im Obercenſur⸗Kollegium übernehmen mußte.
Im folgenden Winter 1833/34 nahm ihn die leidige Gicht, die ihn ſeit Herbſt 1832 faſt nicht verlaſſen, ihn faſt bloß auf ſeine Amtsgeſchäfte beſchränkt, ja monate⸗ lang zur Unthätigkeit verdammt hatte, wieder derart mit, daß im Frühjahr 1834 ſein Arzt, Geheimrat Barez, auf erneuerten Gebrauch von Teplitz drang. Wilken war beim Antritt der Reiſe am 10. Juni ſo ſchwach und elend, daß er in den Wagen getragen werden mußte. Aber ſchon die Reiſe, die er bei gutem Wetter in Begleitung ſeines älteſten Sohnes machte, der ſeit einem Jahr Auskultator bei dem Berliner Stadtgericht war, äußerte bald eine gute Wirkung. Obwohl er in Dresden den Gaſthof noch nicht verlaſſen konnte und auch gleich in den erſten Tagen nach ſeiner Ankunft in Teplitz durch eine Erkrankung ſeines Sohnes erſchreckt und wieder etwas zurückgebracht ward, ſo wirkten die Bäder doch bald ſo heilſam auf ihn ein, daß er ſich mit vielem Genuß den Annehnlichkeiten des Badelebens und eines ausgedehnten Verkehrs hingeben Nächſt dem alten Tiedge, der noch in tiefer Trauer über den im Jahr zuvor erfolgten Tod ſeiner fürſorg⸗ lichen, edlen Freundin Eliſe von der Recke ¹) war und nur
¹) Ihre Briefe, Tagebücher und Manuſtripte hatte ſie der von ihrem Freunde Wilken geleiteten Berliner Bibliothek vermacht.


