langte er über Prag in Karlsbad an, ward hier von der dort weilenden Eliſe von der Recke und Tiedge auf das freudigſte begrüßt und war am 9. in Dresden, wo er ſeinen dort in Penſion befindlichen Sohn Sulpiz aufſuchte und auch einige von ſeinen alten Freunden, wie Herrmann und Böttiger, wiederſah. Endlich, etwa am 15. Juni 1827, traf der lange und ſchwer geprüfte Mann, von den be⸗ glückten Seinigen in Potsdam abgeholt, vollſtändig her⸗
geſtellt und auch körperlich in friſcheſtem und geſündeſtem
Ausſehen, wieder in der Heimat ein. ¹) Und doch war ſeit jenen traurigen Jahren, wenn auch nicht jedem ſichtbar, ſeine Lebenskraft tief erſchüttert, wie es
ſich nach einiger Zeit durch die häufige Wiederkehr körperlicher
Leiden und die dadurch bedingte langſame Abnahme ſeiner Kräfte zeigen ſollte.
1827—-1830.
In Berlin wurde Wilken vom Miniſter Altenſtein und vom Geheimen Legationsrat von Raumer mit den freund⸗ lichſten Glückwunſchſchreiben und von allen ſeinen Freunden mit herzlicher Freude perſönlich begrüßt. Dem Verſprechen gemäß, das er Dr. Görgen gegeben, bemühte er ſich, möglichſt langſam nur und allmählich ſich wieder in alle ſeine Amts⸗ geſchäfte und wiſſenſchaftlichen Arbeiten einzuleben, und ging und ritt ſogar pflichtmäßig ſpazieren.
Die falſche Scham über ſeine Erkrankung hatte Görgen ihm zu benehmen gewußt, und er beywegte ſich all⸗ mählich auch wieder freier und ungezwungener, wenngleich ein gewiſſer Ernſt, eine Art von Zurückhaltung in ſeinem urſprünglich ſo offenen, mitteilſamen, ſelbſt heiteren Weſen doch fortab bemerkbar blieb.—
Sein erſtes Geſchäft, das er auch alsbald vornahm, war die Ausarbeitung einer Geſchichte der König⸗ lichen Bibliothek in Berlin, von der man ſeit den 1752 erſchienenen, ohnehin wenig befriedigenden Arbeiten Oelrichs keine genügenden Nachrichten mehr beſaß. Die Schrift war ſchon im Dezember 1827 vollendet, erſchien im folgenden Jahre bei Duncker und Humblot in Berlin ²) und wird von Spiker in dem Wilken gewidmeten Nachruf im
¹) Am 21. Juni hat Varnhagen ſeine Rückkehr vermerkt, ſ. Blätter ꝛc. IV. 248; er läßt ihn da„aus Italien, für den Augen⸗ blick hergeſtellt, zurückkehren“. Von da mag denn die unrichtige An⸗
gabe im Piererſchen Konverſ.⸗Lex. 1879 herrühren, daß Wilken im
Jahre 1826 Italien bereiſt habe. ²) 242 SS. 80; in Beilage! giebt er daſelbſt ein Verzeichnis der überhaupt vorhandenen Schriften über die Bibliothek.
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Mithräenfunde von Heddernheim zu veranlaſſen.
Jahre 1841 als eine der vollſtändigſten Bibliotheksge⸗ ſchichten bezeichnet, die es überhaupt gebe ¹).
Am 20. Dezember hielt Wilken auch in der Akademie der Wiſſenſchaften eine Vorleſung über die Parteien der Rennbahn, vornehmlich im byzantiniſchen Kaiſerreiche, die in den Abhandlungen der Akademie vom J. 1827, S. 217 bis 243, gedruckt, unter Weglaſſung der Noten in Raumers hiſtoriſchem Taſchenbuche von 1830 wieder abgedruckt wie auch 1829 in einer Sonderausgabe erſchienen iſt ²).
Indeſſen war Wilken am 12. Juli 1827 auch von der Berliner„Sozietät für wiſſenſchaftliche Kritik“, welche im weſentlichen von Gans begründet worden war ³), von Varnhagen beſonders geſtützt wurde und in den„Berliner Jahrbüchern für wiſſenſchaftliche Kritik“ der Hegelſchen Philoſophie einen Mittel⸗ und Sammelpunkt gegeben hatte, zum ordentlichen redigierenden Mitgliede für das geſchichtliche Fach erwählt worden. Wie weit ſich Wilkens redigierende Thätigkeit an dieſem zwar vornehmen und angeſehenen, aber trotzdem nicht zu beſonderer Verbreitung und erheblichem Einfluß gelangten Blatte erſtreckt hat, entzieht ſich meiner Kenntnis; doch hat er der Zeitſchrift mehrere größere Beiträge, beſonders eine Rezenſion des erſten Teils von Joſeph von Hammers Geſchichte des osmaniſchen Reiches im Jahrgang 1829 ⁴) zugewandt, über die Hammer— beiläufig ſei es er⸗ wähnt— nicht beſonders erbaut geweſen ſein ſoll.
Am 7. Januar 1828 nahm der Naſſauiſche Alter⸗ tumsverein zu Wiesbaden ihn als Ehrenmitglied auf, wahr⸗ ſcheinlich um auch ihn zu beurteilenden Außerungen über die In dieſer Eigenſchaft wohl machte er ſpäter einmal in der Akademie Mitteilung über eine vom naſſauiſchen Archivar Habel in Frankfurt a. M. gefundene alte geographiſche Karte).
Nach ſeiner Rückkehr von Wien traf Wilken in Berlin auch A. W. Schlegel an, der ſich damals mehrere Monate lang dort aufhielt und in der Singakademie ſiebzehn Vor⸗ leſungen über die Theorie und Geſchichte der bildenden Künſte hielt, Vorträge, die übrigens im großen und ganzen die ihnen entgegengebrachten Erwartungen nicht befriedigten ⁰*); ſchon im Mai hatte Karoline Wilken, die Freundin von Schlegels erſter
¹) Vergl. auch die Beſprechung in der Jenaer Allg. Litt. Ztg. 1830. I. 499— 502.
²) Gewürdigt von Ranke, Weltgeſch. IV. 2. 24.
³) Vergl. Gans, Rückblicke auf Perſonen u. Zuſtände, S. 215 bis 256.
¹) S. 278— 304 u. 372— 396.
⁵) S. Monatsberichte der Akad. 1838. S. 136.
) Varnhagen, Blätter ꝛc. IV. 229— 37. 267. Die Skizzen der Vorleſungen ſtehen im Berliner Konverſ.⸗Blatt, 1827, Nr. 113 ff.


