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2 (1895) Jahresbericht über das Schuljahr 1894/95
Entstehung
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mann, der Oberbibliothekar Ebert, der Dichter und Schriftſteller Karl Förſter), welcher ebenfalls Lehrer an der Kriegsſchule war, der Juriſt und Hiſtoriker Langenn, der Buchhändler und Schriftſteller Gottlob Eberhard) u. A.

Bis zum April 1826 blieb Wilken in Dresden, ehe er die Reiſe nach Wien unternahm, die ihn von da weiter nach Mailand, Venedig und Rom und durch die Schweiz zurückführen ſollte und zu der ihm neuer Urlaub inzwiſchen vom Miniſter bewilligt und der erwähnte Geldzuſchuß überſandt worden war. Obwohl die Witterung ungünſtig war, ſo ließ er ſich doch von ſeiner beſorgten Frau nicht länger zurückhalten, zumal da Raumer bei einem ſeiner häufigen Beſuche in Dresden, wo er ſich beſonders dem Tieckſchen Kreiſe angeſchloſſen hatte ³), Wilken mit wieviel Recht, bleibe dahingeſtellt erzählt hatte, daß die preußiſche Regierung nunmehr den endlichen Antritt der Reiſe von ihm erwarte und eine weitere Zögerung übel vermerken werde.

Nachdem die jüngeren Kinder, Sulpiz in eine Penſions⸗ anſtalt in Dresden, die jüngere Tochter zu den Verwandten in Leipzig gebracht worden waren, brach Wilken mit ſeiner Gattin und ſeiner älteren Tochter Sophie, begleitet von ſeinem ſpäteren Schwiegerſohn Moritz Pinder, der zu ſeiner weiteren wiſſenſchaftlichen Ausbildung Italien be⸗ ſuchen ſollte, am 22. April 1826 zu der langgeplanten Reiſe auf. Leider ſollte dieſelbe bald zu einer Quelle neuen Elendes

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für ihn und ſeine Familie werden. Aus einer Aufzeichnung, die Karoline Wilken im Jahre 1830 für ihre Kinder über ihre Erlebniſſe auf dieſer Reiſe machte, entnehme ich folgende Einzelheiten.

Nachdem die Reiſenden froher Hoffnungen voll von Dresden abgefahren waren, harrte ihrer in Pirna ſchon der erſte Schrecken. Sie beſuchten dort Dr. Pienitz, der ſich nach den guten Erfahrungen des Winters nach wie vor für die Reiſe ausſprach, jedoch nach einer Unterredung mit Wilken deſſen Gattin zur Seite führte und ſie fragte, ob ſie in der Stimmung ihres Mannes, der ihm aufgeregt und unſtät erſcheine, nichts Befremdliches gemerkt habe. Ihr war eine gewiſſe Gereiztheit ihres Mannes in den letzten Wochen wohl bemerkbar geweſen, aber nicht auf⸗ fallend erſchienen, da er in ſeinen jüngeren Jahren faſt noch reizbarer geweſen war. Trotz der dringenden Bitten der ängſtlich gewordenen Frau, ihr, wenn irgend eine Gefahr

¹) S. L. Förſter, Skizzen aus dem Leben K. Förſters. S. 307. 320. 349.

²) Er iſt der Verfaſſer des bekannten IdyllsHannchen und die Küchlein.

³) Frieſen, Tieck, I. 21. Köpke, Tieck, I. 368.

vorliege, dies offen zu ſagen, damit die Reiſe unter irgend einem Vorwand abgebrochen werde, beſtand Pienitz auf deren Fortſetzung: ſo fuhr man alſo weiter und langte am zweiten Tage mittags in Prag an, wo Wilken während eines zwei⸗ tägigen Aufenthaltes mehrere Gelehrte, wie den Probſt Dom⸗ browski und den Slawiſten Hanka, beſuchte und mit ſeinen

Reiſegenoſſen die Merkwürdigkeiten der Stadt beſichtigte.

Während der Weiterreiſe jedoch zeigte ſich ſchon am 26. um die Mittagszeit eine Veränderung in ſeinen Zügen und in ſeinem Weſen, indem er beſonders viel und ſchnell ſprach; dieſe nahm ſo raſch zu, daß ſchon am 27. ſeine Begleiter die entſetzliche Gewißheit hatten, daß die Krankheit wieder in der ſchlimmſten Form ſeinen Geiſt umfangen halte. Bei der Entſchiedenheit, mit der der Kranke auf Weiterreiſe drang, war eine Umkehr nicht mehr möglich, und bei dem entſetzlichſten Wetter es ſchneite der⸗ artig und war ſo kalt, daß die Damen am dritten Tage beim Ausſteigen aus dem Wagen getragen werden mußten

und bei fortwährender Steigerung der Krankheit Wilkens,

deſſen rückſichtsloſe Heftigkeit keine Grenzen mehr kannte, ohne Arzt, ohne Hülfe, ging es immer, immer vorwärts, bis ſie, nach peinlichen Szenen im Gaſthaus zu Kornneu⸗ burg und bei der Einfahrt in die Barrière, endlich, wohl am 29. April, gegen Abend in der Kaiſerſtadt anlangten und in der Stadt London, dem feinſten Gaſthofe, in dem Wilken ſchon im Sommer zuvor gewohnt hatte und auf dem er auch jetzt mit Heftigkeit beſtand, abſtiegen, was

wieder nicht ohne das peinlichſte Aufſehen abging.

Während die Damen, beſonders Wilkens ohnehin kränkelnde Gattin, in einem Zuſtande der äußerſten körper⸗ lichen und geiſtigen Erſchöpfung ſich befanden, letztere auch bald, geradezu betäubt und doch in vollem Bewußtſein ihrer troſtloſen Lage zu Bett gebracht werden mußte, der immer aufgeregter gewordene Kranke aber zu einem Beſuche bei Hammer fortſtürmte und mehrere Stunden ausblieb(ohne indeſſen Hammer zu ſehen), gelang es Moritz Pinder, der in der verzweifelten Lage als die einzige Stütze der Frauen

eine über ſeine Jahre gehende Umſicht und Kraft bewies,

endlich abends um ½ 10 Uhr einen Arzt herbeizuſchaffen; dieſer, ein menſchenfreundlicher, lieber Mann, nahm ſich der Armen auf das wärmſte an, verordnete für Wilken ein beruhigendes Mittel, der denn auch, von Moritz Pinder bewacht, um Mitternacht einſchlief, und wußte auch den Frauen körperlich und geiſtig aufzuhelfen. Am andern Morgen ſehr früh erſchien der von Karoline benachrichtigte Hammer und erwies ſich hülfreich, ebenſo der Baron von Maltzahn von der preußiſchen Geſandtſchaft; der

letztere war vom preußiſchen Geſandten Fürſten von 8*