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2 (1895) Jahresbericht über das Schuljahr 1894/95
Entstehung
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lang mit allem Fleiß und fand namentlich in der Kaiſerlichen Bibliothek eine in Hinſicht der Kreuzzüge ſehr reichhaltige arabiſche Chronik des Ebn Ferat. Beſonders erwünſcht für ſeine wiſſenſchaftlichen Arbeiten wäre ihm ein Verkehr mit dem berühmten Orientaliſten Hammer geweſen; aber zu ſeinem großen Bedauern war dieſer ebenſo wie Friedrich Schlegel und die meiſten andern Gelehrten Wiens, deren Bekanntſchaft er gerne gemacht hätte, auf Reiſen abweſend. Doch lernte er wenigſtens die Bibliothek und ihre Schätze und Einrichtungen gründlich kennen und war auch für die Zwecke der neuen Berliner Akademiſchen Druckerei thätig. Beim Eintritt der Studienferien in den kaiſerlichen Landen aber, die ihm einen Monat lang alle Arbeiten in einer öſterreichiſchen Stadt, auch in der Lombardei, unmöglich machten, reiſte er am 29. Auguſt über Prag, wo ſeine Studien etwa fünf Tage in Anſpruch nahmen, nach Dresden zurück. Leider traf ihn erſt hier eine Verfügung Altenſteins, in der dieſer ihn inzwiſchen am 1. September unter Erteilung verſchie⸗ dener wiſſenſchaftlicher Aufträge zur Weiterreiſe nach Italien aufforderte und ihm zu deren Ermöglichung die vom König nicht bewilligten 400 Thlr. aus ſeinen eigenen Fonds zuwies. Dieſe Verfügung, durch den Miniſter der auswärtigen An⸗ gelegenheiten, Grafen Bernſtorff, zur Beförderung an Wilken nach Wien überſandt, hatte dieſen, der die Kaiſer⸗ ſtadt ſchon wieder verlaſſen, dort nicht mehr angetroffen, war dann am 17. September von Bernſtorff an Altenſtein wieder zurückgegeben worden und gelangte jetzt erſt in Dresden in Wilkens Hände. Hocherfreut erbat dieſer ſich daraufhin die Erlaubnis zur Erneuerung ſeiner Reiſe und die Erwirkung des Zutritts zum kaiſerlichen Hofarchiv, in deſſen Venetianiſcher Abteilung viele wichtige Denkmäler für die Geſchichte der Kreuzzüge enthalten ſeien. Altenſtein geſtattete ihm auf das gütigſte am 6. Oktober, die Reiſe nach Wien ganz nach eigenem Willen und nach dem Rat ſeines Arztes anzutreten, worauf Wilken mit Rückſicht auf die ſchlechte Jahreszeit dieſelbe auf das Frühjahr 1826 verſchob.

In Dresden hatte indeſſen die Gräfin Eliſe von der Recke mit der ihr eigenen Güte und Freundlichkeit dem ſchwergeprüften, ihr überaus wert gewordenen Ehepaar eine möblierte Wohnung für ungemein geringes Entgelt in ihrem in der Neuſtadt, Kohlenmarkt 11, gelegenen Hauſe zur Miete angeboten. Das erſte Stockwerk deſſelben hatte ſie ſelbſt inne, während im Erdgeſchoß ein damals in Dresden für einige Zeit in ſtaatlichem Auftrag ſich auf⸗

haltender Oberlandgerichtsrat Pinder aus Naumburg

ſich eingemietet hatte. Das Anerbieten wurde freudig an⸗ genommen und die in dem zweiten Stock belegene Wohnung alsbald bezogen.

In dieſer verbrachte die Familie den Winter 1825/26 in regem Verkehr mit Eliſe, Tiedge und dem Pinderſchen Hauſe, mit dem ſpäter ſogar nahe verwandtſchaftliche Bande ſie verknüpfen ſollten.

Wilken ſelbſt arbeitete mit dem ganzen Eifer, den das ſchmerzliche Gefühl lange gehemmter Thätigkeit ihm gab, an den Kreuzzügen, ſodaß deren vierter Band damals zu Ende geführt ward und im Frühjahr 1826 erſcheinen konnte.1) Vom König wurde ihm nach überreichung eines Exemplars des ganzen bis dahin erſchienenen Werkes neben einem Dankſchreiben vom 22. Auguſt 1826 auch eine ſchöne goldene Doſe zum Andenken überſandt. Er begann in Dresden auch noch den fünften Teil des Werkes.

Die Weihnachtszeit 1825 durfte auch der in Berlin in Penſion gebliebene älteſte, nunmehr vierzehnjährige Sohn Friedrich Franz, der in Begleitung des in Berlin ſtudierenden Sohnes des Oberlandgerichtsrates Pinder, Moritz, angereiſt kam, mit den Eltern verbringen, die inzwiſchen auch ihre jüngere Tochter aus Leipzig hatten zu ſich kommen laſſen, und ſo lächelte die Sonne des Glücks doch endlich wieder einmal leider nur kurze Monate! über der ſchwer heimgeſuchten Familie.

An den faſt täglichen Abendgeſellſchaften oder zwang⸗ loſen Vereinigungen bei Eliſe von der Recke, in denen ſich außer dem ſeine eigne Hofhaltung führenden Tieck die er⸗ leſenſten Kreiſe Dresdens trafen und auch faſt jeder durch⸗ reiſende Fremde von Diſtinktion vorſprach, nahm Wilken mit ſeiner Frau und ſeinen älteren Kindern ſehr häufig teil; mit der herzensguten und liebenswürdigen Frau, die ſich für alles Edle und Schöne intereſſierte, wie mit ihrem Freunde Tiedge, einem kleinen, wenig ſchönen, auch mit einem Klumpfuß be⸗ hafteten Mann von wahrem Kindergemüt und einer faſt rührenden Unbefangenheit und Unerfahrenheit in allen äuße⸗ ren Dingen, in der er alle Sorgen für ſein Daſein auf die Freundin geworfen hatte, kamen die Wilkenſchen Ehegatten, auch ihre älteren Kinder, in ein täglich vertrauteres Ver⸗ hältnis, das auch nie getrübt worden iſt. Ebenſo erſchien Wilken mit ſeiner Gattin auch in den Abendgeſellſchaften Tiecks, in denen man deſſen Meiſterſchaft im Vorleſen be⸗ wundern konnte und immer ausgezeichnete Leute traf. Sonſt gehörten zu den Freunden Wilkens der Hiſtoriker und ſpätere Oberbibliothekar K. Falkenſtein, der Profeſſor der Geſchichte an der Kriegsſchule Auguſt Leberecht Herr⸗

¹) Eine Kritik ſiehe in Becks Repertorium I. Bd. V. Stück, 1827. Die vier erſten Bände der Kreuzzüge ſind außerdem in der engliſchen Zeitſchriftkoreign quaterly review vom 10. Febr. 1830 kritiſiert und zwar hier in ausgedehnter Vergleichung mit Michauds

Werk.