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Hirt, Süvern, Immanuel Bekker, Rühs, Göſchen, Johannes aber auch ſcharf die Tagesereigniſſe wie die litterariſchen
Schulze, Ideler, Klenze, Lachmann, Kortüm,
Meineke, Erſcheinungen beſprochen wurden ¹). Leopold Ranke, Wilkens Schwiegerſohn Moritz Pinder und
Der Verkehr mit ſo vielen geiſtig hervorragenden
noch manche andere an, beſonders auch der Geſchichts⸗ Perſönlichkeiten konnte, wenn er auch dem vielfach Be⸗
ſchreiber der Geſellſchaft, der Buchhändler und Schriftſteller Guſtav Parthey. Man kam jeden Freitag gegen Abend nach regelmäßigem Wechſel bei den einzelnen Mitgliedern zu⸗
ſchäftigten manche Stunde entzog, die er gerne ſeiner wiſſen⸗ ſchaftlichen Thätigkeit gewidmet hätte, doch nicht ohne mannigfache Anregung und Förderung für ihn bleiben und
ſammen und las und erklärte einen griechiſchen Schriftſteller, bot auch die durchaus notwendige geiſtige und körperliche
worauf man dann den Abend beim Mahle und fröhlicher Geſelligkeit vereint blieb ¹).
Endlich nahm Wilken auch noch an der ſogenannten „geſetzloſen Geſellſchaft“ teil, die, 14 Mitglieder ſtark, am 4. November 1809„ſich geſetzt hatte“ und ihre Entſtehung Wilkens Kollegen, dem jovialen Philipp Buttmann ver⸗ dankte; ſie hatte lange Zeit ihren Sitz in der Kemperſchen Wirtſchaft im Tiergarten, an der Stelle der heutigen Viktoria⸗ ſtraße. Buttmann hatte ihre„Pragmatiſchen Statuten“ entworfen, die in witziger Weiſe den Widerſpruch zwiſchen geſetzloſer Geſellſchaft und Statuten umgehen. Zum Mit⸗ glied der Geſellſchaft wurde niemand gewählt, auch konnte niemand austreten; wer aufgenommen werden ſollte, wurde einfach als geſetzloſer Menſch anerkannt und konnte ſich
dieſer Anerkennung nicht entziehen; er konnte nun kommen
oder fernbleiben, wie er wollte. Tage Sonnabends ſtattfanden, waren von heiterſter Un⸗ gebundenheit und von geiſtreicher Laune belebt. Die „unſichtbare Lenkung“ der Geſellſchaft lag— zum Hohn der Geſetzloſigkeit— in der Hand eines„Zwingherrn“; zuerſt war das natürlich Buttmann; er blieb auch, ſo lange er lebte, der Mittelpunkt der Geſellſchaft, die ſich fortwährend aus den durch Intelligenz und geſellſchaftliche Stellung hervorragendſten Männern der Hauptſtadt er⸗ gänzte. Wie geſetz⸗ und zwanglos es, beſonders zu Zeiten der Buttmannſchen„Tyrannei“, in ihr zuging, zeigen Vor⸗ fälle, wie der, daß einmal Buttmann dem ſehr laut wer⸗ denden Rudolphi zurief, Quiesce, vesanum pecus“, oder daß Boeckh einſt ſeinen Pfeifenkopf auf die allerdings ver⸗ führeriſche Glatze Rudolphis ausſchüttete ²).
Jahrelang erſchien Wilken auch alltäglich, von ſeinem Mopſe begleitet, um die Kaffeeſtunde in der Stehelyſchen Konditorei am Gensdarmenmarkte, wo er die Zeitungen las oder mit an„der ſcharfen Ecke“ ſaß, an der humorvoll
¹1) M. Hertz, K. Lachmann, S. 211.
²) Vergl. die Schrift Klenzes, der ſelbſt Mitglied der Geſell⸗ ſchaft war,„Philipp Buttmann und die Geſetzloſen“, Berlin, Reimer, 1834, und M. Hertz, a. a. O., 214— 217.
Ihre Mahle, die alle 14
Erholung von aufreibenden Geſchäften dar.
Nahm ihm endlich noch die Zugehörigkeit zu anderen Vereinen, wie z. B. zur Märkiſchen ökonomiſchen Geſell⸗ V ſchaft zu Potsdam, die ihn 1820 zu ihrem Ehrenmitglied wählte, zur Humanitäts⸗Geſellſchaft und zur Berliner Ge⸗ ſellſchaft für deutſche Sprache, denen beiden er ſeit 1818 angehörte, auch noch, wenn auch weniger regelmäßig und weniger oft, manche Stunde ſeiner koſtbaren Zeit weg. ſo verſteht man, daß eine ſolche vielfältige Inanſpruchnahme eine ungemein aufreibende und aufregende Wirkung auf einen ſenſiblen Geiſt haben mußte. Sie trat denn auch, gefördert durch oben ſchon angedeutete körperliche Störungen, leider ſchon nach wenigen Jahren in erſchreckender Weiſe bei ihm zu Tage.
1823—1827.
Im Jahre 1823 brach urplötzlich eine ſchwere Prüfung über Wilken und ſeine ganze Familie herein. Schon wäh⸗ rend ſeiner italieniſchen Reiſe im Jahre 1816 oder bald nachher hatten ſich gichtiſche Knochenauftreibungen bei ihm gezeigt, die man wohl für eine Folge der Feuchtigkeit ſeines Heidelberger Hauſes hielt. Wohl wichen ſie von Zeit zu Zeit den angewandten Mitteln, beſonders nachdem er ſich etwa im Anfang der zwanziger Jahre einer Art von Hungerkur unterzogen hatte, und ließen nur die Verkürzung eines Fingers zurück. Aber in den Jahren 1821 und 1822 wurde er wieder viel von ſeinen gichtiſchen Beſchwerden heimgeſucht, und da er ihrer ungeachtet fortwährend in der angeſtrengteſten Weiſe thätig war, auch dabei in ſeinen amtlichen Verhältniſſen viele Gemütsaufregungen unan⸗ genehmſter Art erfuhr ²), ſo konnte ſich leicht etwas Schweres vorbereiten.
¹) M. Hertz, a. a. O., S. 220.
²) Als Gründe ſeiner Erkrankung nennt er ſelbſt in einer aus Wien vom 6. Mai 1826 datierten und zwar noch im Irrſinn ver⸗ faßten, für den Fürſten Metternich beſtimmten Denkſchrift— die neben verſchrobenen Behauptungen auch merkwürdige, völlig klare Äuße⸗ rungen über ſeine Krankheit enthält— die ſchmerzlichen Gemüts⸗ erregungen, welche die langwierigen Unterſuchungen gegen die Burſchen⸗


