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bei ihnen einführte, Achim von Arnim mit ſeiner Frau, Bettine ¹), und der berühmte Theologe Auguſt Neander, ein ſtiller, ſinniger Mann, der mit ſeiner Schweſter zu⸗ ſammenlebte.
Von Paris her kannte Wilken, wie oben erzählt, auch Wilhelm von Humboldt, der indeſſen ebenſo wie Beyme von Hardenberg im Bunde mit Wittgenſtein am 31. Dezember 1819 aus dem Miniſterium hinausgedrängt wurde und ſich
hierauf ins Privatleben und zu ſeinen Studien zurückzog.
nahe, was zu häufigen gegenſeitigen Beſuchen in Tegel und ſtören ließ, oder ſogar von ihm aufgefordert wurde, noch
Berlin führte. Auch Alexander von Humboldt kam nach ſeiner dauernden Anſiedelung in Berlin im Jahre 1827 mit Wilken in häufige Berührung, wovon auch beſonders die Menge von noch vorhandenen Briefen und Billeten Hum⸗ boldts an Wilken, mehr als 70 an der Zahl, Zeugnis gibt.
Die Bibliotheksleitung brachte Wilken auch in häufige Beziehungen zu einzelnen Mitgliedern des Hofes, und be⸗ ſonders waren es der Kronprinz Friedrich Wilhelm,
8 4 5 1 4 de, ante der Prinz Auguſt und die Prinzeß Wilhelm, Schwägerin andere; Spiel— außer Schach— und Tabakrauch waren
des Königs, Marianne, geborne Prinzeß von Heſſen⸗ Homburg, die ihm dauernd ihre Gunſt zuwandten 9). Dasjenige Haus indeſſen, mit welchem Wilkens, Eltern wie Kinder, den gemütlichſten und regſten Verkehr unterhielten, war das von Wilkens Kollegen Buttmann. Buttmann war von kleiner, gedrungener Geſtalt, ſein aus⸗ drucksvoller Kopf mit dunklem krauſen Haar ſaß auf kurzem Halſe; dabei war er äußerſt beweglich und von ſchlagendſtem Witze, aß und trank gerne und liebte luſtiger Geſellſchaft in ſeinem Hauſe, wo er es gern ungeniert hergehen ſah und ſeine gelehrten Freunde, zu denen beſonders noch Schleiermacher, Boeckh und Hirt gehörten, mit Vor⸗ liebe zu ſo langen Sitzungen verſammelte, daß ſeine ſtille und beſcheidene Frau, eine Tochter des Leibarztes Friedrichs II., Chr. Selle ³), der den großen König noch in ſeiner letzten Krankheit behandelt hatte, oft den Gäſten
eine gar hübſche, intereſſante Erſcheinung, hoch und ſchlank gewachſen, mit blendend weißer Hautfarbe und dunklem Haar. ¹) Von ſeiner Mutter einſt zu einem Beſuche bei Frau von Helvig
mitgenommen, geriet Friedrich Franz Wilken in höchſtes Erſtaunen, als ſich plötzlich die Thür öffnete und eine kleine zarte Geſtalt herein⸗ hüpfte, die dann ſogleich auf einen Platz auf dem Sopha ſprang und die Beine unter ſich zuſammenſchlug— Bettine von Arnim, geb. Brentano!
²) Von Intereſſe für das Maß des Bücherkaufs der Zeit iſt, daß die Prinzeſſinnen, z. B. Alexandrine und Louiſe, häufig einzelne Bände Schillers auf der Bibliothek holen ließen. Varnhagen, II. 336.
²) S. über ihn die Allg. D. Biographie.
noch den Morgenkaffee kochen mußte. Buttmann holte wenn er von der Bibliothek kam, die Vorräte von Fleiſch, Fiſch und Käſe gewöhnlich ſelbſt vom Markte, und zwar in den großmächtigen Taſchen ¹) ſeines langen grauen— dies war ſtets die Farbe ſeiner Kleidung— Leibrocks. Häufig veranſtaltete Buttmann auch für die befreun⸗ deten Familien Ausflüge in die Umgegend; faſt täglich waren Wilkens Kinder im Buttmannſchen Hanſe, und es kam wohl vor, daß die ganze Schar, während er ſein Mittags⸗
mehr Lärm zu machen, weil er da beſſer arbeiten könne.
Endlich war Wilken Mitglied mehrerer geſelligen Ver⸗ einigungen, zunächſt des ſogenannten Montagsklubs, einer
einfachen Geſellſchaft, die im Jahr 1748 von einem Schweizer Theologen Schultheß geſtiftet war und während ihres
faſt 100 jährigen Beſtehens die berühmteſten Namen Berlins
aus allen Berufskreiſen zu ihren Mitgliedern gezählt
hat, wie Sulzer, Ramler, Leſſing, Nicolai und viele verpönt; man kam Montags abends zwiſchen 6 und 7 Uhr zuſammen, und um 8 oder ½ 9 Uhr ward gemeinſchaftlich zu Abend gegeſſen; auf eigentlich gelehrte Unterhaltung war es nicht abgeſehen, man wollte nur harmlos fröhlich mit einander verkehrend ſich erholen. Wilken wurde 1818 aufgenommen, wohl von Zelter eingeführt, weil er als Nach⸗ folger Bieſters, der auch Mitglied und fünf Jahre lang Senior geweſen war, gewiſſermaßen auch hier zur Mitglied⸗ ſchaft berechtigt ſchien. Im Jahr 1828 gab der Klub, der übrigens nicht mit dem 1824 von Hitzig gegründeten Dichterklub zu verwechſeln iſt, der anfangs Mittwochs, dann aber ebenfalls Montags zuſammenkam, ſeinen letzten Kalender heraus und löſte ſich dann allmählich auf ²). Weiter gehörte Wilken zur ſogenannten„griechiſchen Geſellſchaft“; dieſe leitete ihren Urſprung von dem Leſe⸗ verein Spaldings und Idelers ab, die gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts als„Urgriechen“ den— römiſchen Dichter Manilius laſen³); nachdem allmählich dieſer Kreis ſich erweitert, gehörten der Geſellſchaft, deren Mitglieder ſich durch Liebe zu den Alten und feinen Sinn für klaſſiſche Bildung verbunden fühlten, zu Wilkens Zeit außer Buttmann beſonders noch Schleiermacher, Boeckh,
¹) S. auch Eberty, Erinnerungen eines alten Berliners, S. 10.
²) S. über ihn den Aufſatz in der Voſſiſchen Zeitung, 1881, Sonntagsbeilage Nr. 26 u. 27.
*) G. Parthey, Origines graecitatis Berolinensis, 1861,
S. 3.


