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2 (1895) Jahresbericht über das Schuljahr 1894/95
Entstehung
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Buttmann geleitet ward ¹), auch Wilkens Beitrag nicht fehlte, war ſelbſtverſtändlich.

Auch dem äußerlich etwas derb ausſehenden Aſthetiker Solger und ſeiner feingebildeten Frau ſtand das Ehepaar Wilken nahe; freilich wurde er ſchon 1819 im beſten Mannes⸗ alter den Seinen durch den Tod entriſſen; den Verkehr mit ſeiner Gattin, die nach Dresden überſiedelte, nahmen ſie ſpäter dort wieder auf. üfters erſchien der alte Zelter bei Wilken im Hauſe, und es ward ſpäter von den beiden, im Bunde mit Hegel, manches Whiſtſpiel zuſammen gemacht, nachdem Wilken in den Jahren ſeiner Krankheit in Dresden und Wien das Kartenſpiel erlernt hatte; da kam es wohl vor, daß der durch ſeine Derbheit und ſeinen Humor all⸗ bekannte Komponiſt ſeinen Mitſpielern erboſt zurief, ſie ſpielten wie die dummen Jungen. Als Friedrich Auguſt Wolf, der Wilken auch befreundet war, im Vorgefühl ſeines Todes den Alten einſt bat, für ſeine Totenfeier ein Requiem zu ſchreiben, ſagte dieſer kurz:Sterb' Er nur erſt! Zelter fand bei Wilkens Gattin beſonders viel muſikaliſches Verſtändnis, machte auch, wie oben erwähnt, mit der Fa⸗ milie eine Reiſe nach Pommern und Rügen und unter⸗ richtete längere Zeit die älteſte Tochter Wilkens, Sophie, die er ſehr lieb hatte, in der Muſik. Eines Tages traf Zelter im Wilkenſchen Hauſe eine Damengeſellſchaft an, unter der ſich auch Amalie von Helvig befand, und verur⸗ ſachte lange Geſichter, als er ſie, wie ſie eben zum Kaffee⸗ trinken ſich niederließen, mit den Worten anfuhr:Was, wollt Ihr ſchon wieder Kaffee ſaufen?

Ebenſo unterhielten Wilken und ſeine Frau einen be⸗ ſonders gemütlichen Verkehr mit der Familie ſeines Spezial⸗ kollegen Friedrich Rühs, der ihm ſchon infolge ſeiner Teil⸗ nahme an den Heidelberger Jahrbüchern bekannt war. Als dieſer ſich wegen eines Lungenleidens im Jahr 1819 nach Italien begeben mußte, wo er leider ſchon im nächſten Jahre in Florenz ſtarb, vertraute er Wilken und ſeiner Gattin ſeine älteſte Tochter Auguſte an, die dann Jahr und Tag bei ihnen im Hauſe blieb, völlig ein Glied der Familie wurde und andauernd ſie wurde ſpäter die Gattin des Pro⸗ feſſors der Medizin Kneip in Greifswald mit den Wilkenſchen Kindern in geſchwiſterlichen Verhältniſſen blieb.

Durch Rühs wurde wieder die Familie des Phyſiologen Rudolphi ihnen bekannt, und auch die des Chemikers Hermbſtädt) ſchloß ſich ihnen an. Schon von Leipzig her datierten weiter die Beziehungen, die Wilken und be⸗ ſonders ſeine Frau mit den Eltern Theodor Körners verbanden; zwei Jahre nach ſeines berühmten Sohnes Tod

¹) Dilthey, Aus Schleiermachers Leben, II. 264. ²) Über beide ſ. d. Allg. D. Biogr.

war nämlich Chriſtian Gottfried Körner als Geheimer Ober⸗Regierungsrat in preußiſche Dienſte übergegangen und im Kultusminiſterium angeſtellt worden; der Verkehr mit ihm und ſeiner noch immer ſchönen Frau, wie mit ſeiner Tochter Emma und ſeiner geiſtreichen Schwägerin Dora Stock, die eine geſchickte Zeichnerin war, wurde namentlich dann immer ein beſonders reger, wenn Karolinens Mutter, Sophie Tiſchbein, die alte Freundin der Körnerſchen Damen, bei ihrer Tochter in Berlin verweilte, was oft monatelang der Fall war.

Von den Profeſſoren der Hochſchule gehörten zum Umgangskreiſe Wilkens noch die Juriſten Haſſe, der aber 1821 nach Bonn ¹), und Göſchen, der 1822 nach Göt⸗ tingen überſiedelte; die Freundſchaft mit dem letzteren und ſeiner Frau übertrug ſich auch dauernd auf die Kinder beider Paare. Ofter erſchien auch Klenze, zuweilen auch der Juriſt Bluhme in ſeinem Hauſe, und auch mit Friedrich von Raumer, der 1819 von Breslau nach Berlin verſetzt worden war, unterhielt er dauernde Beziehungen.

Von den Räten des Unterrichtsminiſteriums ſtanden Johannes Schulze und die Staatsräte Süvern und Uhden mit ihm in freundſchaftlichem Verhältnis. Einer ſeiner genaueren Bekannten war ferner noch der treffliche Buchhändler Georg Andreas Reimer.

Unter den Künſtlern, die in ſeinem Hauſe aus⸗ und eingingen, nenne ich noch den ſchon von Heidelberg her ihm bekannten Landſchaftsmaler Samuel Röſel²), einen Hausfreund Zelters, einen kleinen buckligen, ſehr witzigen Mann, der nie kam, ohne eine Mappe voll ſeiner Zeich⸗ nungen zur Betrachtung mitzubringen, ferner die Bildhauer Rauch, der wie Wilkens Gattin in Arolſen geboren war, und Schadow, den Komponiſten und Univerſitäts⸗Muſikdirektor Bernhard Klein, den Schwager Guſtav Partheys und Schwiegervater von Richard Lepſius ³).

Von alten Heidelberger Freunden fanden ſich noch in Berlin und ſetzten den Umgang mit ihnen fort Amalie von Helvig, die auch einmal) Schillers jüngſte Tochter Emilie), nachmalige Frau von Gleichen⸗Rußwurm,

¹) Als Mitglied si non Bononiensis at Bonnensis facultatis, wie der ihm aufſäſſige Gans ſagte.

²) Goethe hat ihn in zwei launigen Gedichten angeſungen, Hempelſche Ausg. III. 170 f.

²) Auch die beiden letztgenannten erſchienen ſpäter öfter bei Wilken, und beſonders Lepſius trat ſeinem Familienkreiſe ſehr nahe und iſt ſeinem älteſten Sohne bis zu deſſen Tode ein treuer Freund geweſen. *) Es wird wohl im März 1828 geweſen ſein; ſ. Varnhagen, a. a. O., V. 53.(S. 58 ſoll A. v. Humboldt ſie heiraten!) ⁵³) Nach der Erinnerung von Friedrich Franz Wilken war ſie