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2 (1895) Jahresbericht über das Schuljahr 1894/95
Entstehung
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Sturz noch in Verbindung, und in einem Briefe an dieſen Hauſe; es verging faſt kein Tag, an dem nicht Boeckhs

vom 6. Dezember 1830 läßt Schultz auch Wilken noch ſchen Hauſe vorgeſprochen hätte. Sie war die Tochter des Eine bei Varnhagen a. a. O. II. 50 ſich findende

freundſchaftlichſt grüßen 1).

Notiz, wonach Wilken in ſeinem Rektorat ſich im Senate

mit dem Geheimrat Schmalz überworfen und bittere Briefe gewechſelt haben ſoll, bin ich nicht in der Lage, über thaten, fühlte ſie ſich zu Boeckh, der ein nicht ſehr ge⸗ Am 21. Oktober 1822 übergab Wilken im großen

das daſelbſt beliebte Maß hinaus auszuführen.

Hörſaal der Univerſität mit einer noch vorhandenen latei⸗ niſchen Rede, in der er die wichtigſten Ereigniſſe des ver⸗ gangenen Jahres berührte, das Rektorat an Raumer, der die Feierlichkeit mit einer lateiniſchen Rede ſchloß.

datiert, zum Profeſſor der Geſchichte auch an der König⸗ lichen Kriegsſchule zu Berlin ernannt. Er bekleidete dieſes jährlich 800 Thaler eintragende, aber auch mit ſtarker,

beſonders Korrekturarbeit verbundene Amt übrigens nur

Frau, eine geſcheite und liebenswürdige Dame, im Wilken⸗

General⸗Superintendenten Wagemann in Göttingen und hatte Boeckh bei einem Beſuch ihrer Verwandten in Heidel⸗ berg kennen gelernt; eine feine, elegante Erſcheinung mit einem Tituskopfe, der ihre Pockennarben nicht viel Eintrag

fälliges und elegantes Ausſehen hatte, nicht ſehr hingezogen und war nur durch das Drängen der Ihrigen beſtimmt worden, ihm ihre Hand zu reichen ¹); auch in der Ehe mit ihm fühlte ſie ſich nicht allzu glücklich, obwohl ſie für ſeinen

wachſenden Ruhm empfänglich war. Sie ſtarb ſchon 1829. Noch während des Rektoratsjahres wurde Wilken

durch Kabinettsordre vom 27. Auguſt 1822, aus Teplitz fach verdiente de Wette nahe.

Wilken ſelbſt ſtand beſonders der um ihn ſo viel Es war daher für ihn ein bitterer Schmerz, als de Wette nach ſeinem im Ausdruck ſich vergreifenden Troſtbriefe an die Mutter des unſeligen Mörders von Kotzebue, Karl Sand, mit der er befreundet war und deren Gaſtfreundſchaft er noch im Jahre zuvor

bis zu ſeiner Erkrankung im Frühjahr 1823.²)

Unterbrochen wurde die Berliner Thätigkeit Wilkens in den Jahren 1817 bis 1823 nur durch eine Reiſe, die er, wahrſcheinlich im Auftrag der Regierung, nach Pommern

genoſſen hatte, ſeines Amtes entſetzt ward. Wilken hatte an dem edlen Mann mit dem reinen Herzen nichts zu tadeln ²), als daß er mit den Studenten ſich zu ſehr ein⸗ gelaſſen und von ihnen habe aufregen laſſen; wie de Wette

und Rügen machte, und auf der ihn ſeine Gattin und ſeine älteſte Tochter Sophie ſowie der Komponiſt Zelter begleiteten, und durch eine zweite, die ihn im Juni 1822 ebenfalls in amtlicher Eigenſchaft zum Studium der Biblio⸗ theken nach Breslau, Prag und Dresden führte.

Seine Familie hatte ſich inzwiſchen am 17. Mai 1818 durch die Geburt ſeines vierten und letzten Kindes ver⸗ größert, ſeiner Tochter Eliſabeth, die als Wittwe des Re⸗ gierungsrats Dr. med. Edmund von Pochhammer noch heute in Gernsbach in Baden lebt.

Was den Kreis der geſelligen Beziehungen des Wilken⸗ ſchen Hauſes anlangt, ſo umfaßte derſelbe zunächſt die alten Heidelberger Freunde, vor allem de Wette und die Familien Boeckhs und Marheinekes, die ſchon vor Wilken nach Berlin übergeſiedelt waren, ſowie diejenige Hegels, der ein Jahr nach ihm dort eingetroffen und nach Ausweis der Briefe bei ſeiner Einrichtung in Berlin von Wilken eifrig unterſtützt worden war. Ganz be⸗ ſonders eng war die Freundſchaft mit dem Boeckhſchen

wechſels S. 3 130 ihm ein Denkmal und die ehrenwerten Seiten ſeiner Perſönlichkeit in das rechte Licht geſetzt. Die hierher gehörigen Darlegungen Düntzers finden ſich S. 72 103. Vergl. auch Varn⸗ hagen, Denkw., I. 463 471. 11) Briefe von und an Hegel II. 354. ²) Ein Schüler von ihm war damals der ſpätere Feldmarſchall von Steinmetz.

es gemeint, war ihm völlig klar. Ebenſo wie der charakter⸗ volle Schleiermacher, der früher de Wette nicht ſehr freund⸗ lich geweſen war, jetzt aber, wo dieſer bedroht war, feſt zu ihm hielt, ſo ließ auch das Wilkenſche Ehepaar es ſich nicht nehmen, wenige Tage vor de Wettes Abreiſe von Berlin nach Weimar noch eine große Abendgeſellſchaft zu ſeinen Ehren zu geben, an der beſonders alle gemeinſamen Freunde von der Univerſität teilnahmen ³).

Daß bei der Geldſammlung der Berliner Freunde, die de Wette fürs erſte vor Not ſichern ſollte und von

¹) Karikiert erſcheinen dieſe Verhältniſſe bei G. Parthey, Jugenderinnerungen, II. 221 f. Vergl. auch Heinrici, Tweſten 404. Beſonders eines Beſuches der niedlichen Frau erinnerte ſich der jüngere Wilken noch ſehr deutlich, als ſie am 6. Februar 1823 in äußerſter Aufregung ihnen die ſoeben zwiſchen dem Schauſpieler Stich, der mit der Familie Boeckh dasſelbe Haus in der Mohrenſtraße am Gensdarmenmarkt bewohnte, und dem Grafen Blücher, Enkel des Feldmarſchalls, vorgefallenen Szene berichtete; dieſer hatte ein Ver⸗ hältnis mit Stichs Frau, der ſpäter berühmt gewordenen Auguſte Crelinger, traf mit dem beleidigten Gatten auf der Treppe zuſammen und brachte ihm, der ihn feſthalten wollte, mit einem Dolche eine Wunde bei, infolge deren der an der Lunge verletzte Mann fortab⸗ kränkelte und nach einigen Jahren ſtarb. Etwas anders ſtellt der Artikel der Allg. D. Biogr. über die berühmte Schauſpielerin die Sache dar. Vergl. auch Varnhagen, II. 291 3. 353. 429.

²) S. Varnhagen I. 77.

²) Außer Hegel, der de Wettes Schickſal für verdient erklärte.