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2 (1895) Jahresbericht über das Schuljahr 1894/95
Entstehung
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Schließung eines burſchenſchaftlichen Leſezirkels durch, konnte aber den Miniſter nicht zur Beſtrafung der Burſchenſchaft bewegen. Darüber ſchon erregt, wurde er noch mehr er⸗ bittert durch die Schwierigkeiten, die er fand, als er die Stelle des vor Arger erkrankten und zurückgetretenen Univerſitätsrichters Scheffer deſſen Nachfolger Braſſert ſogar nach 24 Stunden ſchon wieder zurück⸗ getreten war durchaus nach ſeinem Sinne beſetzt ſehen wollte. So ließ er ſich von der reaktionären Clique ver⸗ leiten, im Winter 1820/21 hinter dem Rücken Altenſteins als Mitglied und im Namen einer beſonderen, durch eine geheime Kabinettsordre vom 24. Dezember 1820 beſtimmten Kommiſſion einen Bericht an den König auszuarbeiten, in dem dieſer unter heftigen Angriffen auf den Miniſter zu reaktionärſtem Eingreifen, beſonders zu einer völligen Um⸗ geſtaltung des Miniſteriums und wenn auch nicht geradezu zur Abſetzung Altenſteins ſelbſt, ſo doch zur Entlaſſung von deſſen Räten Nicolovius und Süvern, Johannes Schulze und Frick aufgefordert wurde. Schon war wirklich die Kabinettsordre vom König unterſchrieben, in welcher Schultz zum Wirklichen Ober⸗Regierungsrat und Direktor der Abteilungen der geiſtlichen und der Unterrichts⸗ Angelegenheiten ernannt und die genannten Räte alle vier auf Wartegeld geſetzt waren: da wurde der Staatskanzler doch bedenklich, und die Ordre blieb unausgeführt.

So weit waren die Dinge gediehen, als Wilken am 21. Oktober 1821 ſein Amt als Rektor antrat und ſich an den ſchon in Szene geſetzten unerquicklichen Unter⸗ ſuchungen beſonders gegen die Burſchenſchaft Arminia zu beteiligen hatte, die im April jenes Jahres in Berlin ent⸗ deckt worden war ¹). In der That war die preußiſche und neben der Königsberger gerade die Berliner Studentenſchaft in das burſchenſchaftliche Treiben noch am wenigſten ver⸗ wickelt; die Arminia insbeſondere begnügte ſich im Gegen⸗ ſatz zu der mehr politiſchen Germania gerade mit der Pflege fröhlicher Geſelligkeit oder mit akademiſchen Reformbe⸗ ſtrebungen ²). Und doch ſchreibt der überreizte Schultz ſchon wenige Tage ſpäter, am 29. Oktober, an Wittgenſtein), es ſei auffallend, in welchem Grade die Unordnungen bei der Univerſität von Tag zu Tag zunähmen. Zwei Wochen ſpäter, am 10. November, fordert er ſogar, weil er von

¹) Varnhagen, a. a. O. I. 287.

²) Vergl. das Lob der Studenten vonſeiten Raumers und Boeckhs im Briefwechſel zwiſchen letzterem und K. O. Müller, S. 129 31; Hippel, Beitr. zur Charakt. Friedrich Wilhelms III., S. 163. Stahr, Aus der Jugendzeit, II. 185. Ernſt Förſter, Aus der Jugendzeit, 176, 219 224. Parthey, Jugenderinne⸗ rungen, II. 225; vergl. auch Leo, Meine Jugendzeit, S. 189 192.

³) Düntzer, Briefwechſel zwiſchen Goethe und Schultz, S. 86.

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Altenſtein lahm gelegt werde, vom König ſeine Entlaſſung als Regierungsbevollmächtigter und erzwang ſo wenigſtens, daß am 17. Dezember zu ſeinem Beiſtand der von ihm ſchon lange gewünſchte Regierungsrat Krauſe zum Univerſitäts⸗ richter ernannt wurde, der ſich denn bald auch als würdiger Genoß von Dambach, Grano u. a. gründlich verrufen und verhaßt gemacht hat ¹).

Dadurch wie durch die ſeinem Eifer gezollte Aner⸗ kennung und die ihm gewordene ausdrückliche Aufforderung, die allerhöchſten Verfügungen auch ferner aufrecht zu er⸗ halten, fühlte ſich Schultz, wenn auch jener geplante Schlag gegen Altenſtein mißlungen war, zu eifrigſter Weiterführung ſeines Dienſtes ermutigt, und die Unterſuchungen gegen die Arminia wurden mit Hochdruck weiter betrieben, was dem zur Mitwirkung gezwungenen Wilken viel Sorgen, Kummer und Mühen verurſachte. Beinahe täglich fanden Verhaftungen von Studenten ²), deutſchen und polniſchen, darunter auch eines Verwandten von Wilken Namens Schmidt), und vielfache Relegierungen) ſtatt, wozu die Regierungsbevollmächtigten laut ihrer Dienſtanweiſung(ſ. Koch, d. preuß. Univerſ. I. 16 ff.) allerdings ein faſt unbe⸗ ſchränktes Recht hatten; daneben wurden von den Gerichten auch monate⸗, ſelbſt jahre⸗ und jahrzehntelange Feſtungsſtrafen verhängt. Allerdings kamen ja auch wohl einmal Begnadi⸗ gungen vor, wie z. B. im Jahre 1823 40 Arminen auf einmal eine ſolche erfuhren). Die Verhafteten wurden zunächſt in der Hausvogtei in Berlin und in dem zum Gefängnis eingerichteten alten Köpenicker Schloſſe ⁵³) ein⸗ gekerkert; Tage und Nächte lang?) mußte Wilken den end⸗ loſen Verhören anwohnen oder ſelbſt daran teilnehmen.

Am 12. April trat noch eine Verſchärfung der Re⸗ gierungsmaßregeln ein, indem der König durch eine Kabinetts⸗ ordres) alle Teilnehmer andemagogiſchen Umtrieben,

¹) Varnhagen, II. 39. 42 u. ö.

²) Varnhagen, II. 4. 47. 56. 61 65. 72. 155. 156.

³) Varnhagen, II. 61.

) Am 12. Juni 1822 ſpricht Varnhagen(II. 37) von 26, nach anderen Berichten mehr als 30, die relegiert worden ſeien.

s) Varnhagen, a. a. O. II. 428. Ilſe, a. a. O. 157 59.

) Über die ſtudentiſchen Beſtrebungen, über die Leos Buch Meine Jugendzeit eine Hauptquelle iſt, iſt auch der ganze 2. Band von A. RugesAus früherer Zeit ſehr belehrend; im 3. Band liefert dieſer(S. 3 214) ein anſchauliches Bild ſeiner 6 jährigen Haft in Berlin, Köpenick und Kolberg, ein Seitenſtück zu Reuters Feſtungstid; auch Krauſe und Kamptz ſind da gezeichnet(S. 27 ff., 31 ff.).

*) Varnhagen, II. 64 f.

) Varnhagen, II. 105.