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weiteren Brief Wilkens ſchließen, deſſen Rat, Jornandes und Paul Warnefrieds in die Sammlung aufzunehmen, Stein hier beitritt. Als nun der preußiſchen Regierung durch Anregung von verſchiedenen Seiten her eine Unter⸗ ſtützung des Unternehmens nahe gelegt wurde und Alten⸗ ſtein in einem Erlaß vom 19. September 1819 von der Akademie der Wiſſenſchaften ein Gutachten über das⸗ ſelbe eingefordert hatte, arbeitete Wilken im Namen dieſer Körperſchaft einen vom 26. Oktober 1819 datierten Bericht aus, den Stein im„Archiv“ der Geſellſchaft, Bd. II. Heft 1 u. 2, S. 3— 18 abdrucken ließ ¹).
Unter Berufung auch auf dieſes Gutachten trug dann Stein ſpäter, am 21. Juni 1821, dem König, und in einem faſt gleichlautenden, aber noch mit den ſtärkſten Ausdrücken gegen den von ihm gründlich verachteten Staatskanzler ge⸗ würzten Briefe ²) auch dem Kronprinzen die Bitte um Unter⸗ ſtützung ſeines Werkes vor, worauf der König denn auch eine ſolche, wenn auch nicht in dem erwarteten Maße, gewährte ³).
Weiter empfahl Wilken in einer Zuſchrift(Pertz, V.
484) den ihm ſehr naheſtehenden damaligen Privatdozenten in Berlin G. A. H. Stenzel als für die Zwecke der
Direktion geeignet. Dieſer konnte indeſſen, weil er damals
ſchon einen Ruf nach Breslau angenommen hatte, doch V
nicht gewonnen werden. Wilken ſandte dann auch(daſ. 490) ein Verzeichnis der für die Sammlung wichtigen Berliner Handſchriften ein, deutſche Geſchichtskunde“ II. 75—78 abgedruckt iſt.
Als ſich dann gezeigt hatte, daß Dümge in der That
ſeiner Aufgabe nicht gewachſen ſei, kam Stein wieder auf
den erwähnten Rat Eichhorns zurück, eine kleine Anzahl von Gelehrten, Wilken, K. Fr. Eichhorn, Savigny und Aretin, dem bisherigen Redakteur beizugeben und ihm nur
die Bearbeitung von Quellen, die Leitung des Drucks und die Korrektur zu belaſſen. Am 7. März 1821 forderte er daher Wilken auf(ſ. Pertz, V. 493), ſich über die Teil⸗ nahme einer Kommiſſion an der Leitung des Werkes und über ſeine eigene Beteiligung an derſelben zu äußern. Wilken erwiderte, durch Gichtſchmerzen an früherer Antwort gehindert, erſt am 30. April mit dem bei Pertz, V. 503 ausgezogenen Brief ⁴), deſſen Konzept mir noch vorliegt, und warnt in demſelben namentlich vor der Zuziehung Aretins. Darauf erhielt er den vom 15. Mai aus Naſſau datierten, bei Perd. V. 503 u. 4 im Auszug wiedergegebenen Brief des
1) übrigens iſt dies Gutachten nicht etwa, wie man nach Pertz, V. 493 annehmen ſollte, die Antwort auf den unten zu erwähnenden Brief Steins an Wilken vom 7. März 1820.
²) S. Pertz, V. 364— 67.
³) S. Pertz, V. 567. 790. 806.
⁴) Auch im„Archiv“, II. 55— 57.
welches im„Archiv für ältere
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Freiherrn; er iſt der einzige im Nachlaſſe erhaltene Brief von Steins Hand ¹); ich gebe ſeinen Wortlaut im Anhang, da auch aus ihm erhellt, wie tief der große Mann ſelbſt in die Einzelheiten des Unternehmens und der hiſtoriſchen Litteratur einging. Eine weitere Teilnahme Wilkens an den Monumenta iſt nur bis in den März 1821, und zwar durch zwei Briefe Büchlers, zu erweiſen.
Leider kam dann durch die Laſt von Arbeiten und Obliegenheiten der verſchiedenſten Art, die Wilken ein halbes Jahr ſpäter als Rektor der Univerſität unter beſonders ſchwierigen Umſtänden auf ſich nehmen mußte, ſeine Thätig⸗ keit für die Sammlung der deutſchen Geſchichtſchreiber ins Stocken, was Stein, der dies nicht wußte, zu einer un⸗ willigen Bemerkung über den geringen Eifer der deutſchen Gelehrten(bei Pertz, V. 701) veranlaßte. Und im folgenden Jahre trat die langwierige Erkrankung Wilkens ein, die ihm auf lange Zeit jede Beteiligung an dieſer ihm ſelbſt werten Sache unmöglich machte; doch waren trefkliche Männer, vor allen Pertz, für die inzwiſchen erſtarkte und geſicherte Unternehmung gewonnen, ſo daß man ſeiner nicht mehr bedurfte. Auch nach ſeiner Wiederherſtellung iſt er, da ihm ärztlicherſeits keine außeramtliche Thätigkeit mehr geſtattet war, ihr nicht wieder näher getreten. Stein blieb Vilken aber für die lebhafte und ſachkundige Unterſtützung, die
dieſer gerade in den erſten, ſchwierigſten Zeiten ſeiner Herzens⸗ ſache zugewandt hatte, dankbar, und mit Bedauern gedenkt er ſeiner auf die Kunde von dem Unglück, das ihn betroffen, in einem Briefe an Niebuhr vom 21. Mai 1824(bei Pertz, VI. 1, S. 41) mit den Worten:„Mit des guten Wilken Krankheit hat unſer Unternehmen einen kräftigen Vertreter verloren.“—
Als Altenſtein 1820 den Plan faßte, die merkwür⸗ digſten Ereigniſſe im Leben König Friedrich Wilhelms III. in einer Reihe von Denkmünzen durch den Hof⸗Medailleur V Brandt verewigen zu laſſen, und die Akademie der Wiſſen⸗
ſchaften einen Kommiſſar dazu ernennen hieß, der gemein⸗ ſchaftlich mit den von der Akademie der Künſte dazu er⸗ wählten Kommiſſaren Schinkel, Rauch und Levezow den Gegenſtand beraten ſollte, worauf die Kommiſſion vollſtändige Entwürfe zu Denkmünzen mit paſſenden In⸗ ſchriften in lateiniſcher und deutſcher Sprache einzureichen hatte, wurde Wilken von der Akademie zu ihrem Vertreter erwählt; doch kam die ganze Unternehmung nicht über den erſten Anlauf hinaus ²).—
Am 3. März 1821 wurde Wilken zum Hiſtorio⸗ graphen des preußiſchen Staates ernannt, eine Würde, die zuerſt Pufendorf, ſpäter Paul Gundling, Jo⸗
) Wilken hat die anderen an Falkenſtein in Dresden geſchenkt,
und deren Verbleib iſt nicht feſtzuſtellen. ²) S. Eggers, Rauch, II. 319.


