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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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ſtörende Unruhe verſetzt; doch verſchob er die Entſcheidung bis nach ſeiner Rückkehr und erſchien bei Conſalvi, dem er ſchon zwei Tage zuvor die Briefe Hackes, Weſſenbergs und Humboldts hatte übergeben laſſen, am ſelben Tage um 12 Uhr zur Audienz. Der Kardinal, noch immer krank, empfing ihn ſehr leutſelig und zwanglos im Bette, bezeugte ſich ſonſt ſehr gütig, wich aber dem Erſuchen Wilkens, die gleichzeitig überreichte Bittſchrift der Univerſität an den Papſt, welche die Rückgabe der ganzen alten Palatina betraf¹), bei dieſem zu unterſtützen, mit Höflichkeit aus. Schon in den nächſten Tagen vernahm Wilken aber aus den zuverläſſigſten Quellen, daß nicht blos der Kardinal, ſondern auch der Papſt hinſichtlich jener Bitte ſich ſehr ungünſtig und ſogar empfindlich geäußert habe. Gleich⸗ wohl teilte Conſalvi Wilken am 31. März ²) mit, daß der Papſt ihn am 1. April um 11 Uhr empfangen wolle.

Durch eine Menge von Zimmern, erzählt Wilken im Tagebuch,kam ich nach und nach; von einem wurde ich ins andere gerufen, wobei es meinem Namen übel genug erging; endlich führte mich der Maggior Duomo, ein Prinz Doria, in das Gemach des 74 jährigen Nachfolgers Petri. Der Papſt war im weißen Rock ohne irgend einen Schmuck, mit einer Reihe Knöpfe, faſt wie ein Nachtrock, und ſtand am Kamin, eben als ich eintrat beſchäftigt ein Stück Holz ins Kamin zu legen. Knieverbeugung begrüßte ich ihn, dem Beiſpiele des Maggior Duomo folgend. Meine Anrede ¹) konnte ich kaum vorbringen, der Papſt fiel ein und begann ſogleich die Unterhaltung, nahm auch mit vieler Artigkeit meine Geſchichte der Kreuzzüge an und ſprach recht verſtändig,

wie in neuerer Zeit mehrere, auch Chateaubriand dieſe

epoca diffamata aus einem richtigen Geſichtspunkt an⸗ geſehen. Er ſprach über die Vermehrung des Muſeums unter ſeiner Regierung), die nicht ſowohl durch neue Ent⸗ deckungen, als vielmehr durch Ankäufe von Privaten ge⸗ ſchehen ſei, und erzählte über die Erwerbungen, die er noch machen wolle, wenn Gott ihm das Leben laſſe.

Seine Abweſenheit und Reiſen), die er immer habe machen müſſen, viaggi, sempre di viaggi hätten ihn gehindert manches noch zu thun. Mit einem freund⸗ lichen Händedruck wurde ich dann entlaſſen.

¹) Abgedruckt bei Wilken a. a. O. S. 264 69; das mir vor⸗ liegende Konzept iſt von der Hand Friedrich Creuzers geſchrieben. ²) Das Originalſchreiben liegt mir vor.

Mit der gewöhnlichen

Auf die Frage des Papſtes, was er alles ſchon in Rom betrachtet und ob er ſich auf der Nationalbibliothek recht umgeſehen und dort etwas Nützliches für ſich gefunden habe, hatte Wilken es auch gewagt, das Geſuch der Uni⸗ verſität um den übrigen Teil der Bibliothek zu berühren, darauf aber keine Antwort erhalten.

Die Unterredung ſei übrigens, ſo ſchreibt Wilken ſeiner Frau, ſo vertraulich geweſen, daß er habe vergeſſen können, er ſpreche mit dem Papſte.

Jene deutſchen Handſchriften wurden Wilken wirklich am 5. April richtig zugezählt mit der Verſicherung, daß er ſogleich nach der Oſterwoche ein Inventarium erhalten werde, um auf ein Duplikat desſelben zu quittieren, und zugleich wurde ihm der Schlüſſel zu dem Lokale, wo jene Handſchriften aufbewahrt wurden, eingehändigt).

Schon ſchien die Sache ſich in dieſen Formen zu er⸗ ledigen, ſchon hatte Wilken, nachdem er die Manuſkripte revidiert, Anſtalten zu ihrer Verpackung getroffen, als durch das ſchwerfällige Eingreifen der preußiſchen Diplo⸗ maten ihre Abwickelung um einen vollen Monat verzögert wurde.

Hardenberg hatte es nämlich übel genommen, daß in der Note des Grafen Trautmannsdorff an Hacke), welche in Nr. 145 der Frankfurter Oberpoſtamtszeitung vom 14. Februar veröffentlicht worden war, der preußiſchen

Bemühungen in dieſer deutſch⸗nationalen Angelegenheit keine

*) Er ſprach ihn italieniſch an, da Pius VII. nicht franzöſiſch

zu ſprechen pflegte. ) Er regierte 1800 1823.

³) Euphemiſtiſch für ſeine Haft in Savona und Fontainebleau.

Erwähnung geſchehen war. So erhielt am 11. April der in Rom privatiſierende und in einzelnen Fällen als preu⸗ ßiſcher Geſandter beim heiligen Stuhl fungierende Baron von Ramdohr ³) von Hardenberg die Weiſung, Wilken zwar

¹) Etwas enttäuſcht ſchreibt er übrigens nach einigen Tagen, nachdem er die Durchſicht vollendet, an ſeine Frau:Unter den 847 ſind ungefähr 350 wichtig und zum Theil koſtbar, die übrigen ſind nicht den Transport bis Florenz, geſchweige bis Heidelberg werth, und ich möchte wohl autoriſiert ſein ſie hier zu laſſen. Etwas weiteres hier zu bekommen wird übrigens ſchwer halten. Herrn von Reizenſtein(der Wilken ſchon im Herbſt zuvor hatte ſenden wollen) kannſt Du ſagen, daß die Sache hier ſchon im vorigen Winter gänzlich verdorben worden iſt. Wenn ein Mann wie Herr von Humboldt die Unterhandlung geführt hätte, würden wir die ganze Bibliothek be⸗ kommen haben; man hätte damals hier den Preußen viel mehr nach⸗ gegeben als man jetzt Luſt hat. Mehr als auf die Diplomaten, fügt er noch zu, die nur zu viel anderes zu thun hätten, was ihnen wichtiger ſcheine, vertraue er der Privatunterſtützung des Prinzen Friedrich von Gotha*), der beim Papſte ſehr viel gelte. Übrigens ſei er überzeugt, daß die deutſchen Handſchriften Heidelberg mehr Gewinn bringen würden als der übrige Teil der Bibliothek, wenn ſich auch mit dem letzteren mehr Lärm machen laſſe.

²) Eine Abſchrift liegt mir vor.

³) Niebuhr, der neue preußiſche Geſandte, der ſchon im Herbſt

*) Bruder des regierenden Herzogs von Sachſen⸗Gotha.