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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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ausführlichen Tagebuche, dem Konzepte zu ſeinem der Regie⸗ rung erſtatteten Reiſeberichte, ſeiner Geſchichte der Heidelbergi⸗ ſchen Bücherſammlungen S. 246 ff., den Briefen an ſeine Frau und den im Original oder abſchriftlich vorliegenden Urkunden und Briefen anderer entnehme ich die nachfolgenden Einzelheiten.

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Mit einem Vetturin, der bis Florenz 400 fres. er⸗

Shielt, ging die Reiſe über Lodi, Piacenza, Firenzuola,

Am 25. Februar fuhr Wilken in Begleitung des

Pedellen Haffner zunächſt nach Karlsruhe, wo er ſeine Vollmachten und Kreditbriefe in Empfang nahm, dann am

27. Abends 11 Uhr bei furchtbarem Schneeſturm über

Illingen, wo er wegen eines zerbrochenen Rades ſchon vier Stunden liegen mußte, über Stuttgart und Ulm,

überall nur wenige Stunden ſich aufhaltend, nach Augs- burg, das er einen halben Tag lang eingehender beſichtigte.

In München blieb er den 2. März, betrachtete die Galerien und die Bibliothek und beſuchte mit Thierſch, bei dem er zu Mittag ſpeiſte, Breyer(ſ. o. S. 7 Spalte 1) Schelling und Fr. H. Jacobi. Schon auf der erſten Station nach Innsbruck zu mußte der Wagen auf einen Schlitten(für 33 fl.) geſtellt werden, der dann vor Inns⸗ bruck(für 4 fl.) wieder verkauft ward. Über Innsbruck, den Brenner, Brixen, Botzen, Verona, wo er

wenigſtens das Amphitheater beſuchte, und Brescia kam Mit Briefen des

er am 8. März nach Mailand. Grafen Trautmannsdorff und des Miniſters Hacke an Metternich begab er ſich hier in die Wohnung des Fürſten und wurde, nachdem er ihn nicht angetroffen, für den folgenden Tag von ihm zur Tafel geladen. der Univerſität an den Kaiſer Franz mußte er ebenfalls dem Fürſten übergeben, da der Kaiſer einige Tage vorher Mailand verlaſſen hatte.Mit einer unvergleichlichen Humanität, ſchreibt er,wurde ich von dem Fürſten auf⸗ genommen; die Unterhaltuug bey der Tafel war geiſtreich und lebhaft, und der Fürſt, obgleich er noch immer an den Augen litt, ſehr munter und launig. Die auch ſchriftlich ihm ausgeſprochene Bitte der Univerſität um fernere Unter⸗ ſtützung bei der Reklamation aller, alſo auch der grie⸗ chiſchen und lateiniſchen Manuſkripte der Palatina, verſprach der Fürſt bereitwillig zu erfüllen. Der ehrwürdige Feldmar⸗ ſchall Bellegarde, den er Tags darauf an Metternichs Tafel kennen lernte, lud ihn für den folgenden Tag zu ſich ein, doch mußte Wilken nach Empfang ſeiner Briefe von Metter⸗ nich gerade da weiterreiſen. Während ſeines fünftägigen Aufenthalts in Mailand beſuchte er alle Kunſtanſtalten

26. März in Rom an;

wo er drei Räuberköpfe in zwei Käfigen an der Straße auf⸗ gehängt ſah, über Parma, Reggio, Modena und Bologna nach Florenz, wo er am 20. März ankam. Auch hier beſichtigte er, wie an allen genannten Orten, die Kunſtſchätze die dann wie immer im Tagebuche ausführlich beſprochen ſind und zwar unter der Führung A. W. Schlegels, der damals mit der Staël dort ſich aufhielt. In Florenz übergab er dem öſterreichiſchen Geſandten Grafen Apponyi ein Schreiben Reizenſteins, in dem dieſer auch deſſen Verwendung für Wilken dringend erbat. Von Florenz nahm er ſeinen Schwager, den oben genannten jungen Maler Karl Wilhelm Tiſchbein, mit und langte am hier nahm er auf der Poſt ein Em⸗ pfehlungsſchreiben des öſterreichiſchen Miniſters von Weſ⸗ ſenberg an Conſalvi und ein ebenſolches an Lebzeltern(gegen Erlegung von 9 fl. Portokoſten) in Empfang.¹)) Am 27. beſuchte er zunächſt den öſterreichiſchen Geſandten Ritter von Lebzeltern und den preußiſchen von Ramdohr. Lebzeltern nahm ihn auf das freundlichſte auf, erklärte in⸗ deſſen nach Leſung der Briefe, inſonderheit des Metternichſchen, er halte es für unmöglich, vom päpſtlichen Miniſterium die griechiſchen und lateiniſchen Manuſkripte zurückzuerhalten, wenn nicht einige der deutſchen ſchon abgetretenen Handſchriften

in Tauſch gegeben würden; dies ſchien Wilken unwahrſchein⸗

Ein Dankſagungsſchreiben zu halten, der bei Conſalvi ſehr viel vermöge.

lich, ganz abgeſehen davon, daß er keine Vollmacht dazu habe.

Üübrigens riet ihm Lebzeltern ſich beſonders an Canova Noch am ſelben Tage fuhr Wilken bei Canova vor, der ihn herzlich aufnahm und ſich erbot ihn bei Conſalvi anzumelden; dieſer war zwar gerade fieberkrank, gab aber doch dem Oberbibliothekar der Vaticana, Baldi, die Weiſung, die 847 deutſchen Handſchriften, mit deren Ausſcheidung man

ſchon länger beſchäftigt war, Wilken auszuhändigen.

Als dieſer am 29. nachmittags, zu welcher Zeit den Frem⸗ den nur die Beſichtigung der Bibliotheksräume geſtattet war, ſich dort aus Neugierde einfand, erkannte ihn ein Unter⸗ beamter, als habe er ein Signalement von ihm gehabt,

worauf augenblicklich Baldi erſchien und mit der größten

und Bibliotheken und lernte auf der Ambroſiana auch Angelo Mai kennen, deſſen beſcheidenes Weſen er rühmt.

Am 13. März ließ der Fürſt ihm ein Schreiben an den kaiſerlichen Geſandten in Rom, Lebzeltern, einhändigen, wo⸗ rauf Wilken ſofort wieder aufbrach.

Freundlichkeit ihm mitteilte, daß er auf Befehl des Staats⸗ ſekretärs in der folgenden Woche die Handſchriften ihm ausliefern werde. Zwar wurde Wilken am 30. durch einen von ſeiner Frau ihm nachgeſandten Brief de Wettes, der ihm abermals einen Ruf nach Berlin übermittelte ²), in eine gewiſſe

¹) Er wohnte im Hoôtel d'Allemagne, Strada Condotti Nr. 88,

nahe der place d'Espagne.

²)Die Leute ſcheinen einmal einen wunderlichen Werth auf mich zu legen, ſchrieb er ſeiner Gattin.