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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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zurückgebe¹). Dieſelbe Erklärung gab Müffling dann in einem unmittelbar an den Papſt gerichteten Schreiben.

Auch Wilken wandte ſich hiernach mit einem(im Konzept mir vorliegenden) Brief an Canova und bat ihn, ſobald er die 500 Manuſkripte erhalten haben werde, die fraglichen 39 gegen Quittung einſtweilen der badiſchen Geſandtſchaft in Verwahrung zu geben; zugleich verpflichtete er ſich ihn perſönlich dadurch, daß er den Italienern, die gar keinen ge⸗ nauen Katalog der zurückzufordernden Gegenſtände beſaßen, zu ihrem freudigen Erſtaunen ein 1803 in Leipzig ge⸗ drucktes Verzeichnis derſelben mitteilte. Canova, deſſen edlen Sinn, Billigkeit und Liberalität Wilken ehrend an⸗ erkennt, verſicherte ſofort eifrigſt, der Papſt werde die Heidelberger Anſprüche ſicherlich auf das vollkommenſte befriedigen, und erklärte ſich gegen Wilken in einem Schreiben vom 3. Oktober*) bereit, die 39 Handſchriften bis zum Eintreffen der päpſtlichen Genehmigung bei dem engliſchen Geſandten in Paris zu deponieren, was ſpäter unter Müfflings Vermittlung dahin abgeändert wurde, daß dieſer ſelbſt ſie ſo lange in Verwahrung nehme).

Nunmehr begab ſich Wilken am 7. Oktober mit den beiden Begleitern Canovas, Abbate Canova, dem Bruder des Ritters, und Abbate Marini, in die Königliche Biblio⸗ thek und ſetzte ſich, nachdem die beiden römiſchen Gelehrten über die 39 Manuſkripte ein Recepiſſe ausgeſtellt hatten und die Schwierigkeiten, welche die franzöſiſchen Bibliothekare entgegenſtellten, durch militäriſche Demonſtrationen unter der Leitung des öſterreichiſchen Majors von Meyer und des Adjutanten Wucherer beſeitigt waren, ſelbſt in Beſitz jener Handſchriften, wobei ihm nunmehr die franzöſiſchen

Bibliothekare auf das freundſchaftlichſte jede Hülfe leiſteten¹). Wilken brachte darauf ſelbſt die Handſchriften in Müfflings Hotel, unddieſer ſtellte ihm darüber einen Depoſitionsſchein aus.

Am 28. November traf in Heidelberg, wo Wilken um die Mitte des Oktober wieder angelangt ſein mag, ein

Schreiben Hardenbergs ein, in dem derſelbe die vom Papſte inzwiſchen wirklich vollzogene Schenkung der Handſchriften mitteilte und dieſelben der Univerſität Heidelberg überwies).

¹) In Canovas Biogr. a. a. O. werden dieſe Verhandlungen nicht berührt.

*) Abſchrift liegt mir vor; das Original bildet die Beilage E. von Wilkens Bericht.

³) Auch Altenſtein unterſtützte gleichzeitig die Reklamation der ganzen Heidelberger Bibliothek durch eine Wilken abſchriftlich über⸗ gebene Miniſterialakte.

*) Es fanden ſich dabei bloß 38 Manuſtripte, indem der 39. Kodex von den franzöſiſchen Kommiſſaren 1797 der Vatikaniſchen Bibliothek belaſſen worden war.

³) Die römiſchen Geſandten in Paris ebenſo wie die päpſt⸗ liche Regierung waren durch den Eifer, womit ſich die preußiſchen Diplo⸗

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Schon am 17. November 1815 hatte indeſſen auch Müffling Wilken ſelbſt unter Beifügung eines Briefes von Marini, in dem dieſer die Vollziehung der Schenkung ſeitens des Papſtes anzeigte, davon Kenntnis und ſeine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, die Handſchriften wenigſtens bis Frankfurt zu ſchaffen ¹). Dort holte Wilken denn auch die inzwiſchen an Humboldt geſandten und von ihm Berſtett überlieferten Manuſkripte am 14. Januar 1816 ab ²).

So war durch Wilkens raſtloſen Eifer, ſein takt⸗ volles und geſchicktes Auftreten, die kluge und energiſche Art, mit der er die Umſtände, beſonders die Verlegenheit der römiſchen Geſandten, zu benutzen wußte, freilich unter der verſtändnisvollen Mithülfe der genannten Diplomaten, beſonders Humboldts, der älteſten deutſchen Univerſität eine Sammlung von Handſchriften wiedergegeben, von denen mehrere zu den größten litterariſchen Kleinodien gehören). Kann angeſichts der oben(S. 25, Sp. 2 N. 2) citierten Äuße⸗ rungen von Niebuhr und beſonders Görres auch die Pri⸗ orität des Gedankens, das von Rom gegen Frankreich ge⸗ übte Recht gegen Rom ſelbſt in Anwendung zu bringen, für Wilken nicht mehr, wie es z. B. in der Allgemeinen Zeitung 1841 Nr. 12 geſchehen iſt), in Anſpruch genommen werden, ſo war er es doch namentlich, der aus eigenem Antrieb die Reklamation auf die ganze frühere Palatina ausdehnte, dieſe Angelegenheit ſofort in die richtigen Wege zu leiten wußte und ſo die beſtimmte Ausſicht auf eine noch wertvollere und großartigere Erwerbung eröffnete, wie ſie denn im folgenden Jahre auch wirklich gelungen iſt.

Den geringſten Rückhalt hatte Wilken an der badiſchen Diplomatie gefunden; der Miniſter Hacke war ohnehin

maten der Sache Heidelbergs annahmen, in den Glauben verſetzt worden, Heidelberg ſei eine preußiſche Univerſität. S. Wilken a. a. O. S. 243. ¹) Das von Müffling in dem mir vorliegenden Originalbrief ausgeſprochene Bedauern darüber, daß ſeine Ratſchläge bei der Reklamation nicht ganz befolgt und dadurch die Rückgabe ſämtlicher im dreißigjährigen Krieg geraubten Manuſkripte beſten Falls bedeutend verzögert worden ſei, iſt mir nicht erklärlich. In ſeiner Selbſtbiographie (Aus meinem Leben) erwähnt der General dieſe Dinge nicht. ²) Die auch im einzelnen nicht unintereſſante Koſtenliquidation für die dreiunddreißigtägige Pariſer Reiſe betrug für Wilken und den ihn begleitenden Pedellen zuſammen 998 fl. 54 kr. ³) Ein Verzeichnis der aus der pfälziſchen Bibliothek im Va⸗ tikan an die Univerſität Heidelberg zurückgegebenen Handſchriften, verfaßt von Mone(ſ. Gödecke, Grundriß z. Geſch. d. d. Litt. III. S. 119), findet ſich in Wilkens Geſchichte der Heidelberger Bücher⸗ ſammlungen, S. 273 552. Gegen das allgemeine auch von Wilken in dieſem Buche geäußerte Urteil über Max und Gregor XV. wendet ſich A. Theiner in ſeiner Schriftdie Schenkung der Heidelb. Bibl. ꝛc. S. 46f., indem er Max und Gregor XV. als die Retter dieſes Bücherſchatzes feiert. **) Ein ähnlicher Irrtum in Magers Pädag. Revue, Febr. 1841. S. 174, und in Brockhaus' Konv.⸗Lex. 1826.

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