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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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ein urſprüngliches Eigentumsrecht ſich beziehend, an das franzöſiſche Geſamtminiſterium zu richten ſei. auch Altenſtein, dem Wilken eine Abſchrift ſeines Memoires überreicht hatte, durch eine ſehr eindringliche Note ¹) das Geſuch bei dieſer Behörde unterſtützte, ſo war doch weder von Pasquier noch von dem Miniſterpräſidenten Herzog von Richelieu, bei denen beiden von der badiſchen Ge⸗ ſandtſchaft nachdrücklich auf eine Entſcheidung gedrungen wurde, etwas anderes als eine ausweichende Pasquiers ²) zu erlangen, dank der durch die gleichzeitige Ausräumung der Muſeen und anderen Kunſtſammlungen

Obwohl nun

Mittel zur Verfügung ſtellen, wie er ſie zur Bewachung

der nach Oſterreich, den Niederlanden und Toscana ge⸗ hörigen Gegenſtände geſtellt habe.

Es ließ ſich daher hoffen, daß, wenn nunmehr Preußen zur Durchſetzung der päpſtlichen Anſprüche auf die ge⸗ ſamten 500 Vatikaniſchen Handſchriften die dazu nötige militäriſche Hülfe ſtelle, der Papſt als Gegenleiſtung die unter

jenen 500 befindlichen 39 pfälziſchen Manuſkripte, ja viel⸗

Antwort

hervorgerufenen heftigen Erbitterung wie aller Pariſer ſo

auch der franzöſifchen Behörden. Auch die Verwendung Humboldts bei dem franzöſiſchen Miniſterium, das er zur gutwilligen Auslieferung der Heidelberger Handſchriften be⸗ wegen wollte, blieb unter dieſen Umſtänden erfolglos; ja es wurden vielmehr die Aufſeher der Kunſtſammlungen und Bibliotheken angewieſen nur der Gewalt zu weichen. Auf dem gewöhnlichen diplomatiſchen Wege war alſo zunächſt für Wilken nichts zu erreichen.

Gleichzeitig war aber nun auch eine Geſandtſchaft des Papſtes PiusVII., an deren Spitze der berühmte Bildhauer Ritter Antonio Canovas) ſtand, in Paris anweſend, um die Rückgabe der 1797 aus dem päpſtlichen Gebiete weggeführten Kunſtwerke und wiſſenſchaftlichen Gegenſtände zu betreiben. Sie hatte indeſſen um ſo weniger Ausſicht auf Erfolg, als keine weltliche päpſtliche Macht hinter ihr ſtand, ſie ſelbſt keine Geld⸗ mittel beſaß), und Ludwig XVIII. ſich gerade den Anſprüchen des Papſtes unter dem Vorgeben auf das hartnäckigſte wider⸗

ſetzte, daß der Papſt gegen Erlaſſung einiger Millionen jene

Kunſtſchätze als Zahlung ausgeliefert, ſie aber nicht durch Gewalt verloren habe. Canovas Forderung fand, nachdem ſie überall tauben Ohren begegnet war, zuerſt bei den Miniſtern der proteſtantiſchen Macht Preußen nachdrückliche Fürſprecher, dann auch bei den verbündeten Souveränen Gehör; dieſelben veranlaßten ihre drei Feldmarſchälle, den Gouver⸗ neur von Paris, den preußiſchen General von Müffling, aufzufordern⁵), er möge Canova Schutz und militäriſche

¹) Beilage C. zu Wilkens Bericht. *) Beilage D.

b b I

³) S. über das folgende Canovas Biographie von H. Haſe in

denZeitgenoſſen XII. S. 69 ff. wo die Darſtellung dieſer Vorgänge übrigens nach dem folgenden zu vervollſtändigen iſt. Mitteilungen aus dem von Canova geführten Tagebuche ſind mir nicht zugänglich geweſen.

¹) Das päpſtliche Eigentum, die Bücher, die Kunſtwerke der Eingipſung des Apollo von Belvedere wohnte auch Wilken bei (S. Boiſſerée. II. 67) wurden daher auf engliſche Koſten nach Rom

transportiert(Förſter a. a. O. S. 1220), was 200 000 fres. erforderte.

) S. die Aktenſtücke bei Förſter a. a. O. S. 1221 f.

leicht auch die ganze übrige noch zu Rom befindliche Heidel⸗ bergiſche Bibliothek zurückgeben werde. In dieſer Erwägung überreichte Wilken Anfang Oktober nach einer Rückſprache mit Humboldt der badiſchen Geſandtſchaft ein raſch gefertigtes neues Memoire in deutſcher und franzöſiſcher Sprache, in dem er auf Grund einer Schrift von Wundt') über die Heidelberger Bibliothek die Anſprüche der Univerſität aus⸗ führlich dargeſtellt hatte, zur Übermittelung an die Miniſter der vier alliierten Mächte; er hatte die Freude, bald von Humboldt, der ihn überhaupt auf das eifrigſte mit Rat und That unterſtützte ²), wie von dem öſterreichiſchen Miniſter von Weſſenberg zu hören, daß Preußen und Oſterreich Schritte in dieſem Sinne thun würden; ja vor ſeiner Ab⸗ reiſe erfuhr Wilken noch von Hacke, Metternich habe ihn benachrichtigt, daß der öſterreichiſche Geſandte bei dem Papſte, Lebzeltern, bereits den beſtimmten Auftrag erhalten habe, dieſen zur Rückgabe der ganzen alten Heidelbergiſchen Bibliothek zu vermögen.

Weiter galt es nun, zur Erlangung jener in Paris befindlichen 39 Manuſkripte Müffling, einen ruhigen, aber feſten Mann, für die Heidelberger Sache zu gewinnen; der General wurde daher zunächſt von ſeinem Adjutanten, dem Volontair⸗Lieutenant Wucherer, darauf von dem damals auch in Paris anweſenden Kammergerichtsrat, ſpäteren Miniſter Eichhorn, der gleichfalls Wilken eifrig unterſtützte, vorläufig von der Sache unterrichtet; am 1. Oktober erſuchte auch Berſtett den General um ſeine Mit⸗ wirkung; aber erſt nach einer Unterredung mit Wilken, der ihm die Sache auch noch einmal ſchriftlich auseinander⸗ ſetzte, erklärte Müffling dem Ritter Canova feierlich: die militäriſche Hülfe werde ihm nur unter der Vorausſetzung gewährt, daß der Heilige Vater gegen die Univerſität Heidel⸗ berg dasſelbe Recht nunmehr übe, welches ihm gegenwärtig in noch weit größerem Maße zu teil werde, und alſo nicht bloß die 39 pfälziſchen Handſchriften, ſondern die ganze übrige in Rom aufbewahrte Heidelbergiſche Bibliothek

¹) K. C. Wundt, Programma de celeberrima quondam biblio- theca Heidelbergensi, Heidelberg, 1776.

²) Humboldt äußerte ſeine hohe Freudeüber den deutſchen Gelehrten, der den Vatikan ſtürmen wolle.