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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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anders an, und ſofort nach ſeinem Einzug in Paris ordnete der alte Blücher, der überhaupt mit am entſchiedenſten auf die Rückerſtattung der Kunſtwerke, Urkunden und Handſchriften gedrungen hat, die Ausräumung der Muſeen an. Alsbald war der rheinländiſche Freiwillige de Grote, welcher genaue Kenntnis von den aus ſeiner Heimat entführten Schätzen hatte, für die Rhein⸗ und Moſellande ¹), Immanuel Bekker, der in acht Tagen mit einem Feldjäger auf einem offenen Wägelchen nach Paris fuhr ²), im Auftrag der Berliner Akademie für Preußen, Thierſch, der nach der Rückkehr Napoleons von Elba ſeine ſchon fünf Monate lang betriebene Reklamationsarbeit ſchleunigſt hatte einſtellen und heimreiſen müſſen ³), abermals für Bayern, andere für Oſterreich, Heſſen, die Niederlande, Florenz u. a. thätig. Blücher, Gneiſenau, Hardenberg, auch der öſterreichiſche Geſandte von Weſſenberg und der niederländiſche von Gagern*) unterſtützten dieſe Beſtrebungen eifrig, während die Diplomaten Rußlands und zeitweiſe auch Englands, der beiden Länder, die nichts zu reklamieren hatten, ſich ſehr lau oder gar böswillig zeigten.

Im Auguſt machte ſich auch Wilken bei der badiſchen

Regierung zum Vermittler des unter den Mitgliedern der Univerſität rege gewordenen Wunſches, der Heidelberger Bibliothek ihr in Paris befindliches ehemaliges Eigentum

zurückzugewinnen; ſofort wies die Regierung den badiſchen

Geſandten bei den Alliierten in Paris, Freiherrn v. Berſtetto), an, die Angelegenheit nachdrücklich zu vertreten. Auch der zufällig in Paris anweſende Miniſter der auswärtigen An⸗ gelegenheiten, Freiherr v. Hacke), beteiligte ſich an dem Geſchäfte. Beide wurden ganz beſonders von den preußiſchen Miniſtern von Altenſtein und Wilhelm von Humboldt) unterſtützt. Am 23. Auguſt wird auf einen von Hacke ge⸗ äußerten Wunſch hin Wilken, der als Prorektor und zugleich Bibliotheksdirektor der geeignetſte Mann hierfür zu ſein ſchien, vom Staatsrat Eichrodt angewieſen ſich zur Reiſe nach Paris bereit zu halten. Stafette die Aufforderung zum Aufbruch, und ſchon am 7.

¹) Förſter, Neueſte Preuß. Geſch. V. 1196 und Böhmers Leben II. 482.

²) S. Preuß. Jahrb. 1872. 573. Pertz, Gneiſenau, IV. 600.

³) S. Fr. Thierſchs Leben 1866. I. 102. 3. 124. 5. 12931. 134.

Seeiine zurückgegeben werde.

war er in Paris; auf der ganzen Reiſe hatte er, wie er am 7. ſchreibt, nur vier Stunden im Bette gelegen. Über ſeine nun folgende Thätigkeit giebt Wilken in einem beſonderen Bericht an das Miniſterium Rechenſchaft, aus deſſen Kon⸗ zepte ich folgende Einzelheiten entnehme ¹).

Nachdem Wilken durch Berſtett bei Hacke, Hardenberg, Altenſtein?) und Humboldt eingeführt worden war, die ihn auf das freundlichſte aufnahmen und ihm zu jeder Stunde ungehinderten Zutritt verſtatteten, wurde am 15. September das von Wilken im Namen der Univerſität verfaßte Me⸗ moire ³) durch Berſtett dem franzöſiſchen Miniſter des Innern Baron Pasquier überſandt, von dieſem jedoch am ſelben Tage dahin beantwortet), daß die Reklamation, als auf

) Er ſelbſt hat auch in ſeiner Geſchichte der Heidelberger Bücher⸗ ſammlungen, 1817 S. 238 ff., in den Heidelberger Jahrbüchern 1815, Intelligenzblatt vom 28. Dez., im Univerſitätsprogramm zum 22. Nov. 1816, S. 1 12, und in der Badiſchen Staatszeitung kurze Mitteilungen über ſein Wirken gemacht.

²) Bei den preußiſchen Staatsmännern hatte dem Heidelberger Abgeſandten auf das wirkſamſte Niebuhr ſchon viele Wochen zuvor die Wege geebnet, der ſeit dem Ausbruch der Freiheitskriege wieder zu wichtigen Staatsgeſchäften zugezogen worden war; ſchon am 6. Juli 1815 ſchreibt er an Gneiſenau(ſ. Pertz, a. a. O. IV. S. 585), daß die geraubten Schätze ein jeder in ſeine Heimat zurückgegeben, daß ſogar(an denſelben, 24. Juli, a. a. O. S. 600) die litterariſchen Schätze der Italiener als Rettungslohn genommen werden möchten, worüber jedenfalls Rom ſich nicht beſchweren dürfe, deſſen größte Schätze gerade aus der Heidelberger Bibliothek ſtammten; es ſei ſo klug als ſchön, daß durch Preußen jedem deutſchen Lande das Am 11. September, als Wilken ſchon in Paris thätig iſt, legt Niebuhr Gneiſenau noch ans Herz(a. a. O. S. 636) dafür zu wirken, daß man geradezu alles fordere, was aus der Heidel⸗ berger Bibliothek zuerſt durch Tilly nach Rom und dann 1797 nach Paris gekommen ſei. Die öffentliche Meinung aber rief mit mäch⸗ tiger Stimme der ſtreitbare Görres zur Unterſtützung der auf Rück⸗

gabe des franzöſiſchen Raubes gerichteten Beſtrebungen auf, was

Am 2. September erhielt er durch

Wilken ſeine Miſſion ſicherlich auch erleichtert hat; ſchon am 27. April 1814 ſtieß derRheiniſche Merkur ins Horn; ähnliche Artikel folgten

am 31. Mai, 2., 25. Juni, 3. Juli 1814. Görres' Hoffnungen blieben

) Seine von Wilken ſelbſt erwähnte Mitwirkung wird nur eine

indirekte geweſen ſein; in ſeinem BucheMein Anteil an der Politik ꝛc. hat er dieſe Vorgänge nicht genau behandelt.

³) S. Allg. D. Biogr. und Weechs Bad. Biogr.

*) S. über dieſe nicht allzu achtungswerte Perſönlichkeit Varn⸗ hagen, Denkwürdigkeiten, IX. 29 32. 70. 86 f.

*) Der Darſtellung der folgenden Vorgänge bei Schleſier, Erinnerungen an W. von Humboldt, II. S. 315 ff. liegt Wilkens eigne Mitteilung in derGeſchichte der Heidelberger Bücherſamm⸗ lungen zu Grunde.

damals unerfüllt. Aber ſchon am 17. Juni 1815 iſt er wieder auf dem Plan: er erneuert ſeine Forderungen am 27. Juni, 17., 19., 21., 29., 31. Juli und ganz beſonders am 6. Auguſt.Nichts wäre billiger, heißt es da,als daß Rom und der Papſt, wenn ſie ihre entführten Kunſtſchätze wiedererhalten, nun auch ihrerſeits ſich willig zeigen, den Teutſchen, die es mit ihrem Blute erſtritten haben, ihr lange vorenthaltenes Eigentum zurückzugeben. Was du willſt,

daß die Leute dir thun ſollen, das thue ihnen auch, iſt ja ohnehin

eins der erſten Grundgeſetze der chriſtlichen Moral. Was auf jeden Fall hier ſogleich geſchehen kann, iſt die unmittelbare Zurückgabe aller Manuſkripte der Heidelberger Bibliothek, die aus der Vatikaniſchen in die Pariſer gekommen ſind.

³) Das Wilkens Berichte sub. Lit. A. angeſchloſſene Memoire

iſt im Konzepte nicht mehr vorhanden.

) Beilage B. zu Wilkens Bericht.