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Prüfung der Quellen, was er denn in feiner Weiſe weiter
ausführt. Bei dem gewiß zu erwartenden Druck der Schrift rate ihm die Klaſſe ihre Bemerkungen zu verwerten. Wohl infolge deſſen erſchien im Jahre 1811 die 630 Seiten lange Schrift unter dem Titel„Rerum ab Alexio I et Joanne, Manuele et Alexio II. Comnenis etc. gestarum libri IV.“,
in den Göttinger Gel. Anzeigen vom 9. März 1812, S. 397— 400 von Heyne beſprochen, viel eingehender, ſtrenger und freimütiger aber von G. L. F. Tafel in ſeinen Schriften: „Michaelis Acominati, Athenarum metropolitae, Pane- gyricus Isaacio Angelo dictus.“ 1846. S. 4 und„Kom⸗ nenen und Normannen“, Ulm, 1852, S. IV. und beſonders V.)
Der Sommer des Jahres 1810 brachte eine gewiſſe Unruhe. Unter dem 23. Juni fragte nämlich der Leipziger Profeſſor der Philologie Chriſtian Daniel Beck bei Wilken, übrigens privatim, an, ob er die Profeſſur der Geſchichte in Leipzig an Stelle des verſtorbenen Wenck annehmen wolle. Wilken erklärte ſich am 2. Juli 1810, nicht zum
wenigſten aus Rückſicht auf ſeine Frau und die angenehmen
Familienverhältniſſe, die ſie dort gefunden haben würde, unter der Bedingung bereit, daß ihm voller Erſatz werde für das, was er in Heidelberg aufgebe oder zu er⸗ warten habe. Hierauf ſcheint Wilken lange ſeine Hoffnung geſetzt zu haben; denn noch am 3. Juni 1811 erteilt Böttiger, an den er ſich am 22. Mai des Jahres gewandt hatte, ihm allerlei Ratſchläge. Wahrſcheinlich ſcheiterte die Sache dadurch, daß Wilken— Böttigers Brief zufolge — 1500 Thlr. Gehalt gefordert zu haben ſcheint.
Im Iuli desſelben Jahres erhielt Wilken eine vom 11. des Monats datierte und von Nicolovius unter⸗
9. Auguſt 1810 ſchreibt Creuzer an Görres(a. a. O. II. 115): „Wilken iſt von dem Institut français gekrönt worden wegen einer Abhandlung über die Comnenen, und vierzehn Tage darauf hat er eine Vokation nach Berlin erhalten mit 1500 Thlrn.; da er indeſſen hier 1500 fl. bekommt,
ſo bleibt er.“ ¹)— Daß Wilken indeſſen die Ablehnung und zwar in Heidelberg bei Mohr und Zimmer. Sie wurde
jenes Rufes alsbald bereut hat, laſſen zwei vom 23. bez. 25. März 1811 datierte Briefe de Wettes und Boeckhs ſchließen, die beide wie Marheineke im Jahre 1810 Heidelberg mit Berlin vertauſcht hatten; danach hat Wilken mit Rückſicht auf ſeine litterariſche Laufbahn, für die er von einer Ver⸗ ſetzung Vorteile erhoffte, im Anfang 1811, ohne jemanden außer Heiſe, der in ähnlichen Verhandlungen mit Berlin begriffen war, etwas davon zu ſagen, durch dieſe beiden vertrauten Freunde— anſcheinend allerdings erſt auf Anregung de Wettes— die Unterhandlungen mit Berlin ſeinerſeits wieder aufnehmen laſſen; doch erweckte dieſe raſche Sinnesänderung daſelbſt Mißtrauen, und Nicolovius fragte Böckh, ob Wilken nicht wankelmütig ſei und am Ende doch nicht käme, worauf Böckh die(von Wilken am 6. Mai auch nochmals verſicherte) Feſtigkeit von deſſen Entſchluß betonte; daraufhin beſchloß das Departe⸗ ment für den öffentlichen Unterricht denn auch Wilkens erneute Berufung und ſchickte ſchon die Vokation an Hardenberg zur Ratifikation durch den König. Dieſe Beſtätigung erfolgte aber nicht; daß ſie von Raumer bei Hardenberg, dem er nahe ſtand, hintertrieben worden ſei, war wenigſtens Wilkens feſte Meinung. Raumer ver⸗
ſprach Wilken nämlich²) am 11. Mai eine Berufung nach
zeichnete Einladung des preußiſchen Miniſteriums des
Innern, an der zu Michaelis desſelben Jahres zu eröffnenden
Univerſität in Berlin die Profeſſur der Geſchichte mit 1500 Thlrn. Gehalt und 300 Thlrn. Reiſeentſchädigung
zu übernehmen. Es ſcheint, als habe Wilken anfangs ſeine
halten laſſen.(ſ. o. S. 16 Sp. 1.) Die Zulage vom 5. Dezember 1810 wird wenigſtens ausdrücklich mit der „Nichtannahme eines ihm zugekommenen Rufs nach Leipzig und eines ſpäteren nach Berlin“ begründet; ſie muß ihm übrigens ſofort zugeſichert worden ſein; denn ſchon am
¹) Anerkennender urteilt Friedrich Rühs in einem Briefe an Wilken vom 12. Oktober 1812:„Mit Vergnügen habe ich die Ge⸗ ſchichte der Komnenen geleſen, und ich ſtatte Ihnen meinen Dank für
dieſe vortreffliche Arbeit ab, unſtreitig die beſte, die noch durch das
Nationalinſtitut veranlaßt iſt.“
Breslau mit 1500 Thlrn. und hoffte ſelbſt, was er wenigſtens früherhin auch Wilken brieflich ſchon eingeſtanden hatte, wohl auf die Profeſſur in Berlin; dieſen Antrag wies aber Wilken, dem die Sache doch nicht würdig genug erſchien, ſofort weit von ſich).
¹) Auffallender Weiſe ſchreibt er ebenda weiter:„Savigny
. 48..; äußert ſich über de Wettes und Wilkens Berufung(gegen mich Geneigtheit dieſem Rufe zu folgen kundgegeben, ſich aber unterm 25. Juli) ziemlich unzufrieden.“
dann durch die Verbeſſerung ſeiner Stellung in Heidelberg
Savigny ſchreibt allerdings in einem mir zufällig vorliegenden Briefe vom 24. Juli:„Nun noch ein Wort im engſten Vertrauen: Von hier ſind Anträge ergangen an Wilken und Dewette. Was halten Sie davon? beſonders über Dewettes leichtſinnige Anſichten hat man mir bange gemacht. Iſt Wilken bedeutend als Docent der Geſchichte? erregt er die Menſchen? ſehr angeſehene hieſige Leute ziehen ihn geradezu dem Heeren vor, was mir unbegreiflich.“
²) Im Auftrag des Miniſters Schuckmann, aber ohne ihn zu nennen.
³) Raumer gelang es indeſſen ſelbſt auch nicht, nach Berlin zu kommen; er mußte ſich vor der Hand mit Breslau begnügen ſ(ſ. ſeine„Lebenserinnerungen“ I. 164). Er ſtand mit Wilken ſeit 1809
in regem Briefwechſel; ſeine von Sybel oben(S. 18 Sp. 1) behauptete


