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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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Neben vielen anderen mit einer ſolchen Redaktion

verbundenen Mühen, Sorgen und Verdrießlichkeiten mußte Wilken, der ebenſo wenig wie andere Redakteure es allen recht zu machen wußte, auch den Nachteil erfahren, durch die Aufnahme der bekannten abſprechenden Rezenſion A. W. Schlegels über Niebuhrs Römiſche Geſchichte in den Jahr⸗ gang 1816, S. 833 906, der Heidelberger Jahrbücher es

mit dem berühmteſten Hiſtoriker jener Tage dauernd zu verderben. Wenigſtens konnte Wilkens ſpäterer Schwieger⸗

ſohn Moritz Pinder während ſeiner Studienzeit in Bonn es an einer Außerung Niebuhrs merken, daß er Wilken jene vermeintliche Feindſeligkeit nicht vergeſſen hatte. Zu Zeiten war Wilken der ganzen Sache auch herzlich müde¹) und blieb nur ehrenhalber auf dem Platze.

Im Jahre 1809 erſchien der erſte und leider einzige Teil von WilkensHandbuch der deutſchen Hiſtorie, 236 Oktavſeiten ſtark, in ſeiner Knappheit und ganz be⸗

ſonders wegen ſeiner unter dem Text fortlaufenden ſtreng

quellenmäßigen Begründung mit großem Beifall begrüßt ²). Wilken ſagen Sie nur, ſchreibt an Boiſſerée ³),daß wir ſeine deutſche Hiſtorie bis jetzt hier mit großem Beifall geleſen und vernommen haben; er ſoll nur machen, daß wir bald die Fortſetzung erhalten; dergleichen Werke finden hier ein großes Publikum.Erſt der treffliche Wilken verſtand es, ſo heißt es bei L. Häuſſer, Geſ. Schriften, Teil I, S. 15,wenigſtens den weitſchich⸗ tigen Stoff zu verdichten und das kalte fleiſchloſe Skelett der Hauptthatſachen in anatomiſcher Überſicht klar vor Augen zu führen. Er hörte aber ſchon mit dem Anfang des zwölften Jahrhunderts auf, und wir wiſſen nicht, ob Unluſt geachtet. Mir wäre er auch unter allen Heidelbergern der liebſte, und ich denke ihn mir als den Brauchbarſten, wenn man ihn aus jener Umgebung herausreißen und in beſſere Geſellſchaft bringen könnte. Schlegel beſtimmte Wilken auch zur Aufnahme ſeines bekannten, die Proteſtanten befremdenden Artikels über Stolbergs Geſch. d. Relig. Jeſu Chriſti in den erſten Jahrgang der Heidelb. Jahrbücher, theol. Abthlg.(ſ. Reichlin⸗Meldegg a. a. O. II. 26.); in längeren brieflichen Auslaſſungen beſpricht er mit Wilken einzelne Kapitel ſeiner 1812 ge⸗ drucktenVorleſungen über die Neuere Geſchichte, wie z. B. die dreizehnte und vierzehnte Vorleſung, S. 318 ff.; doch war dem nüch⸗ ternen Wilken bei der geiſtreich⸗romantiſchen Willkür nicht ſo recht wohl, was die Notiz Sulpiz Boiſſerées a. a. O. I. 145 zeigt. Wie man Schelling den Philoſophen, Creuzer den Philologen der Romantiker genannt hat, ſo iſt auch Wilken wohl als ihr Hiſtoriker bezeichnet worden; Romantiſches iſt indeſſen nichts an ihm geweſen außer ſeiner Vorliebe für das Mittelalter und deſſen romantiſchſte Epoche, die der Kreuzzüge.

¹) S. Creuzer an Görres, 12. Juli 1810, a. a. O. II. 392.

¹) S. Wegele a. a. O. S. 1810. Die Göttinger Gelehrten Anzeigen brachten am 7. März 1811 S. 36468 eine Beſprechung des Buches aus der Feder Heerens.

³) Sulp. B. IJ. S. 79 v. 30. März 1810.

Friedrich Schlegel

oder die undankbare Arbeit oder die Bangigkeit vor der anwachſenden Maſſe der Thatſachen ihn von der Fort⸗ ſetzung des vortrefflichen Handbuchs abgehalten hat. In⸗ deſſen waren daran wohl weniger die hier vermuteten Gründe ſchuld, als die Laſt ſeiner vielfachen amtlichen Arbeiten und die notwendige Rückſicht auf die Fortſetzung der Geſchichte der Kreuzzüge. Ein ſpäterer Anlauf zur Vollendung des Buches wurde, nachdem Wilken den erſten Teil ſchon neu zu redigieren begonnen hatte, durch Krankheit unterbrochen ¹). Im folgenden Jahre erhielt Wilken für die lateiniſche Bearbeitung einer vom Institut de France geſtellten Aufgabe: Examen critique des Historiens d'Alexis Comnène et des princes qui lui ont succ-édé den vom Inſtitut in einer öffentlichen Sitzung am 5. Juli zuerkannten Preis, beſtehend in einer goldenen Medaille, welche auf dem Revers die In⸗ ſchriftPrix Frédéric Wilken 1810 und einen Lorbeer⸗ kranz trug ²). Die andere Hälfte des Preiſes hatte der Generalinſpektor der Kaiſerlichen Univerſität in Paris, le Prevoſt d'Iray, erhalten. Der Mitteilung des Inſtituts von der Hand Daciers, datiert vom 15. Juli, fügt indeſſen Silveſtre de Sacy, der Präſident der hiſtoriſchen Klaſſe, noch eine Nachſchrift zu, in der es heißt:je dois aussi vous ajouter, que la classe a arrèeté que votre Mémoire serait proclamé le premier. In einem ausführlichen Brief vom 9. Juli ſpricht der berühmte Gelehrte noch ein eingehenderes und begründetes Urteil aus.Je vous dirai dque mon avis eut été de donner le prix sans aucun partage à votre Mémoire, parce que je n'étais pas nulle- ment satisfait de celui qui a partagé le prix avec vous. Deſſen Verfaſſer ſei un homme peu instruit, der die griechiſchen Schriftſteller nur in Überſetzungen geleſen habe; bei aller Anerkennung der Vorzüge von Wilkens Arbeit habe dagegen die Klaſſe daran auszuſetzen, daß dieſe mehr eine Geſchichte der Komnenen ſei als eine bloße kritiſche

¹) In dieſer Zeit ging auch Fr. Perthes(ſ. ſein Leben von Cl. Th. Perthes, I. 207) Wilken um Nachrichten überalte Gebräuche und Gewohnheiten und über Wahrheit und Unwahrheit des 1810 leidenſchaftlich gelehrten(ſ. Heidelb. Jahrb. 1811. S. 704) Gegen⸗ ſatzes von Nord⸗ und Süddeutſchland für ſeinDeutſches Muſeum an. Die treffliche, ſeit Frühjahr 1810 erſcheinende Zeitſchrift, in der Perthesdie Wohlgeſinnten und Verſtändigſten unſeres Vaterlandes zu vereinigen und zur Erhaltung des Eigentümlich⸗Guten der Deutſchen an Kraft und Wahrheit und Wiſſenſchaft beizutragen ſuchte, wurde aber ſchon Weihnachten desſelben Jahres von den Franzoſen unter⸗ drückt, ſodaß der beſtellte Artikel nicht geliefert iſt. Die übrigens dau⸗ ernde Verbindung mit Perthes hatte wahrſcheinlich Wilkens Schwieger⸗ vater Tiſchbein, der auch Beiträge ſür die Zeitſchrift lieferte, vermittelt.

²) Sie hatte einen Wert von 317 fres., und zur Ergänzung des Preiſes waren noch 433 fres. in bar zugefügt.