„Über Wilkens Werk“, ſo urteilt unter den Neueren endlich der als gründlicher und beſonnener Forſcher auf dieſem Gebiete rühmlich bekannte Reinhold Röhricht, „herrſcht in der ganzen gelehrten Welt nur Eine Stimme, die des Lobes und der höchſten Anerkennung“ ¹).—
19.
Codex der Göttinger Bibliothek heraus ¹). Die Ausgabe fand im uu unee 1809 wieder in Millins Manohe encyclop. tome I.
.200 ff. eine Beſprechung durch Silveſtre de Sacy, der as S. 204— 215 Wilken einige Irrtümer im einzelnen
nachweiſt, S. 216 aber wie ſchon im Jahrgang 1808. t. I.
Im Jahre 1808 erſchien weiter Wilkens ſeit Jahren begonnene, jetzt aber erſt im Druck vollendete Ausgabe der
„Geſchichte der Samaniden ²)“ des perſiſchen Schriftſtellers Mirkhond; dieſelbe bildet nur einen Teil von deſſen großem Geſchichtswerts und Wilken gab ſie zum erſtenmal nach einem
laſt von Intereſſe, ſodaß ich ihn im Anhange wörtlich mitzuteilen gedenke. Ebenſo einen überaus feſſelnden Brief von Karl Ludwig
Kreuzzüge erſt am 20. Mai 1813 an Wilken ſchreibt. Der ſchweize⸗ riſche Staatsrechtslehrer ſpricht darin auch von ſeinem philoſophiſch⸗ juriſtiſchen Standpunkt aus Wilkens Leiſtung—(„Ihrem klaſ⸗ ſiſchen Werk— ich bin ſonſt mit dieſem Ausdruck nicht freygebig“) — hohe Anerkennung aus und ſchließt:„Laſſen Sie uns einen Bund der Freundſchaft ſchließen, um das Reich der Wahrhett zu fördern“. — In einen intimeren Verkehr mit dieſem reaktionären Gelehrten iſt übrigens Wilken doch nicht getreten.
¹)„Durch die gründliche Kenntnis des Arabiſchen“, ſo äußert er ſich weiter in demſelben ſehr dankenswerten und ſchätzbaren Schreiben an den Verfaſſer,„war er wie kein Zweiter berufen, den denk⸗ würdigſten Abſchnitt der Geſchichte des Mittelalters zu bearbeiten, und gerade dieſe Kenntnis des Arabiſchen fehlt uns allen, die wir, auf
ſeinen Schultern ſtehend und ſeinen Spuren folgend, das große Werk Sacy ſeine Kritik nicht ganz zu unterdrücken vermochte, ſo
von neuem beginnen. Viel liegt uns jetzt in arabiſchen Chroniken vor, was Wilken nicht kannte, aber vieles, ſo die aus der Berliner Handſchrift des Abů Schämeh von ihm gemachten Auszüge, können wir heute noch allein aus ſeinem Buche entnehmen. Am meiſten über⸗
lebt ſind die den erſten Kreuzzug behandelnden Kapitel und auch ſpätere Abſchnitte ſind durchaus zu erneuern, aber der zweite Band der Univerſität Glück wünſchen, über das Aufblühen der
iſt nur in einzelnen Teilen einer gründlichen Umarbeitung bedürftig.
Die beſſeren Ausgaben, über die wir verfügen, die Reihe der Ur⸗ Bibliothek und deren zur allgemeinen Zufriedenheit her⸗
kundenbücher, die vorzüglichen Quellen für ſyriſche und paläſtiniſche
Ortsnamen, die wir faſt alle feſtſtellen und identifizieren können,
auch die Verbeſſerung der hiſtoriſchen Methode, kurz eine ganze Reihe
von Vorteilen, die wir Jüngeren jetzt haben, mußte er noch entbehren.
Das Werk iſt charakteriſiert durch eine große Genauigkeit in der Aus⸗ nutzung der ſetzung; ſo ſehr achtete der Verfaſſer nicht bloß den Inhalt, ſondern auch die Form der Berichte. Konſtruktionen ſind ihm zuwider; wo die Quellen nicht genau übereinſtimmen oder Lücken zeigen, weiſt er ſofort in der Anmerkung darauf hin. Stil und Darſtellung ſind ſchlicht und klar, einfach und ohne jeden Schmuck;
8 ſofort deren Oberleitung erhielt. Quellen; vielfach iſt ſeine Darſtellung nur freie üÜber⸗
von Haller in Bern, den derſelbe nach Leſung des erſten Bandes der angewieſen war;
S. 454 dem Werke desſelben ſeine Anerkennung nicht verſagt.
Dieſe Auswahl aus des(1498 zu Herat verſtorbenen) perſiſchen Hiſtorikers Weltgeſchichte, betitelt„Garten der Reinheit“, mit welcher eine Überſetzung verbunden iſt, iſt eine äußerſt wertvolle Leiſtung, auf welche die Ge⸗ ſchichtsforſchung bis zum Bekanntwerden der von Mirk⸗ hond benutzten Quellenwerke in neuerer Zeit faſt allein beim Studium des aus fünf Büchern beſtehenden und einen mächtigen Folioband bildenden Werkes ſind heute noch dieſe und die ſpäteren Ausgaben Wilkens unſchätzbar; inſonderheit ſind die Überſetzungen rrefflich und für das Verſtändnis des eigentümlich ſchwülſtigen Stiles der ſpäteren perſiſchen Geſchichtſchreibung förderlich).
Wilkens Ruf als Orientaliſt begründete ſich da⸗ durch weiter;„mit dem lebhafteſten Vergnügen“, ſchreibt von Reizenſtein am 17. Juni 1809 an ihn,„habe ich während meines Aufenthalts in Frankreich bemerkt, daß man dort Ew. Wohlgeboren Verdienſte um die Kultur der orientaliſchen Sprachen, und beſonders um das Perſiſche vollkommen zu würdigen weiß, und wenn auch Herr von
geſchah dies doch wohl mehr um ſeine eignen Kenntniſſe anzubringen als um den Ihrigen nicht volle Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen.“ In demſelben Briefe ſpricht Reizenſtein ihm,„zu deſſen Beſitz alle Kenner mit Recht
geſtellten gemeinnützigen Einrichtung“ ſeine Anerkennung aus.
Inzwiſchen war Wilken nämlich auch in den Vorſtand der Univerſitätsbibliothek eingetreten, wenn er auch nicht Auch dieſes Inſtitut hatte
den allgemeinen Verfall der Univerſität geteilt; ſie beſaß
1804 nur etwa 20 000 Bände, und es fehlte in ihr z. B. alle
philologiſche Litteratur ſeit 1700 ³); den Anforderungen der
ſo muß auch
ſeine Perſönlichkeit geweſen ſein.“— Und wenn auch H. Hagen⸗ meyer, der bekannte Verfaſſer der trefflichen Monographie über Peter den Eremiten, in ſeiner Ausgabe der„Anonymi gesta Fran-
corum“, Einleitung S. 86 mehr jene Mängel Wilkenſcher Kritik hervorhebt, ſo hat er doch auch in freundlichen brieflichen Außerungen gegen den Verfaſſer das Werk im Ganzen in ſeiner vollen Bedeutung für die damalige Zeit rückhaltlos anerkannt.
²) Ein Herrſchergeſchlecht in Choraſan, welches ſeit der Mitte Allg. Litt. Ztg. 1796. S. 63 u. 64.
des 9. Jahrhunderts n. Chr. bis 998 regierte.
¹) Der Titel lautet: Mohammedis filii Chavendschahi, vulgo Mirchondi historia Samanidarum, persice. E codice bibliothecae Gottingensis nunc primum edidit, interpretatione latina, annota- tionibus historicis et indicibus illustravit Fr. Wilken, phil. Dr. et historiarum in Acad. Heidelbergensi P. P. O. Gottingae. 1808. 222 pp. 4°..
²) Nach gütigen Mitteilungen des Herrn Profeſſor Juſti in Marburg.
³) Über den troſtloſen Zuſtand der Anſtalt vergl. auch die
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