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1 (1894) Jahresbericht über das Schuljahr 1893/94
Entstehung
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Chézy; der letzteren gegenüber hielten ſie ſich zwar vorſichtig zurück, wie ſie denn überhaupt nur um ihres von Wilken hochgeſchätzten Mannes willen, des trefflichen Orientaliſten Chézy in Paris, mit ihr verkehrten, und Wilken ſagte ihr gelegentlich derb die Wahrheit. dem Voßſchen Haus wußte ſich Wilken zu halten, obwohl er wegen ſeiner genaueren Beziehungen zu Creuzer und zu den Romantikern von dem Alten manchmal ſcheel angeſehen worden ſein mag).

Auch das hänsliche Leben Wilkens war ein erfreu⸗ liches und beglücktes; am 20. Dezember 1807 wurde ihm ſeine Tochter Sophie geboren, die ſpäter die Gattin des Philologen Moritz Pinder ward; ihr folgte am 5. No⸗ vember 1811 ein Sohn, Friedrich Franz Anton(ſ. o. S. 2 Sp. 1 N. 1) und am 27. Februar 1815 ein zweiter Sohn, Sulpiz, bei dem Sulpiz Boiſſerée Pate war und der im Jahre 1887 als Hofgärtner in Paretz geſtorben iſt.

Am 23. Februar 1807 wurde Wilken unter Er⸗ höhung ſeines Gehalts auf 900 fl. zum ordentlichen Pro⸗ feſſor und im Herbſt 1808 zum Direktor der Univerſitäts⸗ bibliothek ernannt, um die er ſich in der Folge die weſent⸗ lichſten Verdienſte erwarb; am 15. Januar 1810 erhielt er eine weitere Zulage von 300 fl. und ſchon am 5. Dezember desſelben Jahres abermals eine gleiche wegen Nichtannahme eines weiter unten zu erwähnenden Rufes nach Leipzig und eines ſpäteren nach Berlin; am 22. Februar 1813 erhielt er weitere 200 fl., und 1816 hatte er zwar eine neue Ge⸗ haltserhöhung auf 2000 fl. zu erwarten, ließ ſich aber diesmal nicht verhindern einem abermaligem Rufe nach Berlin zu folgen.

Zu Anfang des Jahres 1812 kaufte ſich Wilken für 3250 fl. ein eigenes Haus mit Garten, im Kaltenthal Nr. 431, am Fuß des Schloßbergs am Karlsplatz gelegen,

¹) Eine ſonſt indiskrete anonyme Mitteilung über Heidelberger Perſonen und Zuſtände im Morgenblatt 1807, die jedoch von Wilkens Gattin mit hoher Achtung ſprach, wurde von 18 Heidelberger Pro⸗ feſſoren, darunter Wilken, mit einer Erklärung beantwortet, die, von

Görres verfaßt, an Grobheit nichts zu wünſchen ließ. Der darauf

mit ſeinem Namen hervortretende Autor, der mit Voß(Görres⸗ Briefe. II. 52) in Verbindung ſtehende Hofrat Reinbeck(1766 bis 1849, ſ. Allg. D. Biogr.) in Stuttgart, ließ darauf ſeine Briefe mit einer Replik als beſonderes Buch erſcheinen(Heidelberg und ſeine Umgebungen im Sommer 1808) und gab daſelbſt S. 116 unter Ver⸗ wahrung dagegen, daß man jenes Lob als Ironie nehme, und mit Berufung auf Leipziger Briefe und mündlich in Heidelberg ihm ge⸗ wordene Beſtätigung Wilkens Gattin eine volle Ehrenerklärung.

Ein intimer Freund des Hauſes war auch der ſpäter in Rom zum

Katholizismus übergetretene Publiziſt Ferdinand von Eckſtein (1790 1861); nur wußte er auch in Wilkens Gattin zum Verdruß ihres Mannes religiöſe Skrupel wachzurufen; klärend wirkten da neben den Zureden des Gatten die prächtigen Briefe von Karolinens kluger Mutter.

Mit

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heute als Karlſtraße Nr. 10 bezeichnet. Der Fürſt Georg Wilhelm von Schaumburg ſchoß ihm dazu 1600 Thlr. zu 4 Prozent Zins vor, deren Rückzahlung bis zum Jahr 1821 erfolgen ſollte ¹).

Wilken, der ſchon in Leipzig von ſeinen Bekannten als derſchöne Doktor bezeichnet worden war, war als Mann von etwa dreißig Jahren eine anſprechende Er⸗ ſcheinung von mittlerer Größe und friſchem, blühendem Ausſehen; er ſoll, was auch das Porträt von der Hand ſeines Schwiegervaters Tiſchbein aus dem Jahre 1809 be⸗ ſtätigt, ſchöne dunkle Augen und einen feinen regelmäßigen Mund, ſowie einen freundlichen Geſichtsausdruck gehabt haben.Profeſſor Wilken, ſchreibt Karoline Paulus, die Gattin des berühmten Theologen, an Hegel(Briefe von und an Hegel, S. W. XIX. 1. Teil. S. 313)iſt mir beſonders dadurch merkwürdig, weil er der erſte Gelehrte iſt, den ich in meinem Leben geſehn habe, der nicht aus⸗ ſieht wie ein Gelehrter.

Von wiſſenſchaftlichen Werken Wilkens aus der Heidel⸗ berger Zeit erſchien vor allem im Jahre 1807 der erſte Band derGeſchichte der Kreuzzüge, ſeines hiſtoriſchen Hauptwerks, welches ſeinen Ruf als eines der hervorragendſten da⸗ maligen Geſchichtsſchreiber für immer begründet hat. Sein eigentümliches Verdienſt beſteht bekanntlich, wie ſchon oben bemerkt, darin, daß er nach ausgedehnten, freilich weit hinausgezogenen Studien, mit vielſeitiger und tiefgehender Sprachenkenntnis und wirklich hiſtoriſchem Sinn die Ge⸗ ſchichte jener Zeit zum erſtenmal auch auf die gleichzeitigen orientaliſchen Quellenſchriften aufgebaut hat. Es war dies bei dem damaligen Stand der orientaliſchen Sprachwiſſen⸗ ſchaft eine kühne wiſſenſchaftliche That; hat doch eine gleiche zuverſichtliche Kühnheit, vermöge deren er eine ſo gewaltige Aufgabe allein auf ſeine Schultern genommen hätte, bis zur Stunde noch kein Hiſtoriker weder in Deutſchland noch im Ausland wieder gezeigt, ja es dürfte nach Ausſage kompetenter Beurteiler²) noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen, ehe ſich jemand dieſer Aufgabe möchte unterziehen wollen. Wilkens Geſchichte der Kreuzzüge iſt dann auch z. B. von Gervinus(Nekrolog auf Schloſſer S. 55. 56), neben Niebuhrs römiſcher Geſchichte und Schloſſers Weltgeſchichte zu denjenigen hiſtoriſchen Werken gerechnet worden, von denen ab eine neue Epoche der nunmehr

¹) Der Verkauf im Jahre 1817 an den Profeſſor der Theo⸗ logie Umbreit vollzog ſich zwar ohne Schaden für Wilken; aber im Jahre 1841 waren doch erſt 1200 Thlr. abgetragen, und die Reſt⸗ zahlung wurde der in nicht glänzenden Verhältniſſen lebenden Wittwe von dem Fürſten großmüttig erlaſſen. ¹) wie Prof. R. Röhricht in gütigen brieflichen Mitteilungen an den Verfaſſer.